Moderne Aufführung: O, Augenblick. Foto: Julian Roder.
11.04.2019

100 Jahre Schauspiel Bochum

Als das „schönste Theater der Welt“ wird das Schauspielhaus Bochum immer wieder bezeichnet. Eine der prägenden Bühnen mit Ausstrahlung weit über die Stadt hinaus ist es in jedem Fall. Zwischen Neugier und Nostalgie feiert das Schauspielhaus am kommenden Wochenende (13. und 14. April) den 100. Geburtstag.

Bereits 1908 eröffnete das Gebäude an der Bochumer Königsallee als Varieté-Theater, später wurde es zur Gastspielbühne. Am 15. April 1919 feierte der Intendant Saladin Schmitt mit einem eigenen, städtischen Ensemble den Auftakt des Spielbetriebs; im gleichen Jahr wurden auch die Bochumer Symphoniker gegründet. Das Haus machte sich einen Namen als herausragende Shakespeare-Bühne.

Historische Aufführung des Shakespeare-Stücks Heinrich VI. Foto: Stadtarchiv Bochum

Historische Aufführung des Shakespeare-Stücks Heinrich VI. Foto: Stadtarchiv Bochum

Bei einem Luftangriff 1944 wurde das Schauspielhaus völlig zerstört und in den Nachkriegsjahren bis 1953 nach Plänen des Architekten Gerhard Graubner neu erbaut. Mit seiner 1950er-Jahre-Architektur, den geschwungenen Treppen und Sofas, Kronleuchtern und Nierentischen galt und gilt es noch heute als das schönste Theater – mindestens in Deutschland. Die besondere Architektur zeigt auch der folgende Bildvergleich: Das Foyer im Jahr 1966 und aktuell.

 

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts prägten Intendanten wie Hans Schalla, Peter Zadek und Claus Peymann auf verschiedene Weise den Ruf des Schauspielhauses als innovative und politische Bühne. Später proklamierte Leander Hausmann die Popkultur und Matthias Hartmann lieferte erfolgreiches Hochglanztheater mit Stars wie Harald Schmidt. Nach mehreren Intendantenwechseln und der Suche nach Profil führt seit dieser Spielzeit der vielfach ausgezeichnete Theatermacher Johan Simons das Haus. Er setzt auf ein internationales Ensemble und unterschiedliche kulturelle Einflüsse sowie auf Uraufführungen und Stückentwicklungen. „Seit jeher bedeutet die Bühne die Welt, und deshalb soll die Welt auch hinein in dieses Theater“, fasste Dramaturg Vasco Boenisch das Credo zusammen.

Aktuelle Ansicht des Schauspielhauses. Foto: Stadt Bochum

Aktuelle Ansicht des Schauspielhauses. Foto: Lutz Leitmann / Stadt Bochum

Bei den Feiern zum 100. Geburtstag treffen Tradition und Neues im Schauspielhaus zusammen: Neben einem Festakt, bei dem einige der ehemaligen Intendanten zu Gast sind, wird bei einem Tag der offenen Tür das gesamte Haus bespielt. Neben Lesungen, Performances und Geburtstagsgeschichten wird es auch einen Bunte-Tüten-Verkauf von Bochums „Tante Emma“-Legende Elly Altegoer in der Original-Kulisse ihres ehemaligen Ladens geben.

aki

Einen ausführlichen Artikel zum 100. Geburtstag des Schauspielhauses Bochum finden Sie auch im WESTFALENSPIEGEL Heft 2/2019.

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