Die "Junge Ruhrpott Agenda zur Kommunalwahl" verleiht jungen Menschen im Ruhrgebiet Gehör. In dieser Woche wurde ein Magazin mit Porträt und Stimmen von Jugendlichen sowie Umfrageergebnissen veröffentlicht. Foto: Mouhnis Sieger
29.08.2025

„Alarmierende Ergebnisse“

Die „Junge Ruhrpott Agenda“ zeigt in einer frisch veröffentlichten Umfrage, was Erstwählerinnen und Erstwähler bewegt. Fast jeder zweite junge Mensch weiß nicht, dass man ab 16 Jahren an der Kommunalwahl teilnehmen darf.

Die Erkenntnisse aus der Umfrage unter 500 Personen zwischen 16 und 24 Jahren aus dem Ruhrgebiet seien beunruhigend, sagt Initiator Milad Tabesch. Demnach ist in dieser Altersgruppe das Vertrauen in die Politik gering. Nur 23 Prozent geben an, dass sie politischen Institutionen stark vertrauen. Auf der anderen Seite äußerten etwa 40 Prozent der Befragten, dass sie Angst, Misstrauen und Frustration spüren. „Hoffnung“ nannte dagegen nur knapp jeder bzw. jede fünfte in der Befragung. Für den 28-jährigen Bochumer, der die Initiative „Ruhrpott für Europa“ gründete, haben solche Gefühlslagen auch eine politische Dimension. „Diese Ergebnisse sind alarmierend. Angst, Misstrauen und Frustration schaffen die besten Grundlagen für die Parteien und Politiker, die mit einfachen, plumpen oder sogar antidemokratischen Versprechen werben.“

Milad Tabesch. Foto: Mouhnis Sieger

Milad Tabesch. Foto: Mouhnis Sieger

Tabesch setzt sich dafür ein, Jugendlichen mehr Gehör zu verschaffen. Seine Initiative “Die Junge Ruhrpott Agenda zur Kommunalwahl“ setzt er gemeinsam mit dem Jungen Initiativkreis Ruhr. Gefördert wird das Projekt von der RAG Stiftung gemeinsam mit dem Initiativkreis Ruhr. Mit seinem Team ist der Aktivist unter anderem in Klassenzimmern unterwegs, er spricht mit Erstwählerinnen und Erstwählern und engagiert sich für mehr Mitbestimmung junger Menschen. Was er in diesen Gesprächen hört, beunruhigt ihn: „Ich erfahre, dass viele junge Menschen kein positives Zukunftsbild mehr haben. Das Versprechen von früher, dass es den Kindern einmal besser gehen soll, trägt bei ihnen nicht mehr.“ Gerade in dieser Situation sei die Politik vor Ort ganz wichtig: „Viele junge Menschen haben eine starke Bindung zu ihrer Region, der Heimatstadt oder auch ihrem Kiez und wollen dort langfristig bleiben. Vor allem funktionieren Engagement und Beteiligung hier wirklich gut. Zum Beispiel, wenn es um Begegnungsorte, die wackeligen Stühle in der Schule oder auch um eine gerechtere medizinische Versorgung geht“, erzählt Tabesch.

Kommunalwahl als Richtungsentscheidung

Nicht allen Jugendlichen sei jedoch die Bedeutung der Kommunalpolitik und der anstehenden Wahl klar. Hier nimmt Tabesch Politikerinnen und Politiker in die Pflicht: „Ich sehe bei Veranstaltungen, die rund um die Junge Ruhrpott Agenda stattfinden, einige Kandidatinnen und Kandidaten, die erfahren möchten, wie zukünftige Wählerinnen und Wähler so ticken und die auch Impulse mitnehmen. Zufrieden bin ich aber nicht. Viele Politikerinnen und Politiker werben lieber in der älteren Generation um Stimmen oder sie glauben, dass ein Event reicht, um mit jungen Menschen in Kontakt zu kommen. Da bräuchte es viel mehr Interesse.“

Tabesch sieht in der Wahl am 14. September nicht nur eine Abstimmung über Themen vor Ort, sondern eine Richtungsentscheidung: „Wir wollen in unseren Heimatstädten keine rechtsextremen Oberbürgermeister. Hier geht es also um große Fragen mit bundesweiter Bedeutung.“ Gerade in krisenhaften Zeiten könnte in Kommunen gezeigt werden, wie Probleme gelöst werden können und dass sich Engagement lohnt, betont der Aktivist: „Wir brauchen vor Ort positive und authentische Visionen für die Zukunft. Dann kann auch Hoffnung entstehen.“

Annette Kiehl, wsp

Weitere Informationen rund um die „Junge Ruhrpott Agenda“ finden Sie hier.

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