Die Hebamme und Pädagogin Pia Bakker demonstriert an der FH Bielefeld den Geburtsweg mit einem Beckenmodell. Foto: Patrick Pollmeier / FH Bielefeld
08.12.2022

Angekommen an der Hochschule

Wer Hebamme werden möchte, muss seit 2020 ein Bachelor-Studium absolvieren. Die Ausbildungen an Fachschulen laufen hingegen aus. An Universitäten und Hochschulen in Westfalen starten die ersten Jahrgänge von Studierenden.

„Hebammenwissenschaft“ – diesen Titel tragen die dualen Studiengänge, die sowohl an Fachhochschulen als auch an Universitäten aufgebaut werden. Die Hochschule für Gesundheit (HS) in Bochum hat bereits besonders viel Erfahrung mit der akademischen Ausbildung von Hebammen. Dort gab es bereits seit 2020 einen Modellstudiengang für angehende Geburtshelferinnen und Geburtshelfer. Aus diesem Studium in „Hebammenkunde“ ist vor rund einem Jahr der Studiengang „Hebammenwissenschaft“ geworden. 44 Frauen und Männer sind dort pro Semester eingeschrieben.

Übungen im „Skills Lab“

In Vorlesungen und Seminaren an der HS Gesundheit lernen die angehenden Hebammen das theoretische Know-how, die Praxiseinsätze finden in Kreißsälen und Wöchnerinnenstationen von Kliniken und bei freiberuflichen Hebammen oder auch in Geburtshäusern statt. Als eine Art dritter Lernort fungiert das „Skills Lab“ der HS Gesundheit, wo die Studierenden die richtigen Handgriffe an Simulatoren und Modellen trainieren konnten, zum Beispiel wenn es darum geht, das Kind im Mutterleib zu tasten oder eine Geburt zu begleiten.

Am Ende des Studiums steht nun nicht mehr – wie es in der fachschulischen Ausbildung üblich war – das Hebammen-Examen, sondern die Bachelor-Prüfung. Dieser international anerkannte Titel ermöglicht es Hebammen, sich in Master-Studiengängen weiter zu spezialisieren oder auch international zu arbeiten. Zusätzlich können ausgebildete Hebammen in Bochum einen nachqualifizierenden Studiengang absolvieren, um weiter Kompetenzen zu erwerben – zum Beispiel, um als Praxisanleiterin für Hebammenstudierende zu arbeiten.

Im Skills Lab der FH Bielefeld üben angehende Hebammen mit realistischen Babypuppen. Foto: Patrick Pollmeier

Im Skills Lab der FH Bielefeld üben angehende Hebammen mit realistischen Babypuppen. Foto: Patrick Pollmeier

Neu aufgebaut wurde der Studiengang „Hebammenwissenschaft“ an der FH Bielefeld. Dort studieren seit dem Wintersemester 2021/22 rund 45 junge Frauen, um in der Geburtshilfe sowie in der Schwangeren- und Wochenbettbetreuung tätig zu sein. Die Hochschule arbeitet mit „Praxiszentren für angewandte Hebammenwissenschaft“ in Minden und in Paderborn zusammen. So gab es in Paderborn eine der größten und ältesten Hebammenschulen Deutschlands.

Koordination von Praxiseinsätzen

Das Zentrum an den St.-Vinzenz-Kliniken, das daraus hervorgegangen ist, koordiniert und betreut die Praxiseinsätze der Studierenden und bildet zudem Hebammen zu Praxisanleitungen fort. Prof. Annette Bernloehr, Leiterin des Studiengangs „Hebammenwissenschaft“ an der FH Bielefeld, ist stolz, dass die Hochschule mit Zentren kooperiert, die über eine große Tradition und Erfahrung verfügen „Unsere Studierenden können sich freuen, dass ihre praktischen Studienphasen von den ebenso erfahrenen wie kundigen Kolleginnen in Minden und Paderborn begleitet werden“, so Berloehr.

Einfach Probelesen!

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Ganz frisch, im Wintersemester 2022/23, sind 24 junge Frauen als erster Jahrgang des Studiengangs „Hebammenwissenschaft“ an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster gestartet. „Es handelt sich um den ersten dualen Studiengang unserer Universität. Wir sind sehr stolz, diesen Weg mit der Hebammenwissenschaft zu gehen“, sagte Prof. Johannes Wessels. Die angehenden Hebammen studieren an der Medizinischen Fakultät und sind am Universitätsklinikum Münster angestellt. Dessen Pflegedirektor Thomas van den Hooven sieht in dem neuen Studium eine Chance für Gesundheitsfachberufe in Münster. „Wir hoffen, perspektivisch weitere solche Studiengänge an der WWU zu etablieren.“ Auch das Interesse der Bewerberinnen war groß – auf die ersten 24 Studienplätze gingen mehr als 200 Anträge ein. Nur wer eine sehr gute Abiturnote hatte, konnte daher einen Studienplatz erhalten. Acht Semester umfasst das Hebammen-Studium an der WWU. Die ersten Absolventinnen dürfen dann mit ihrem Abschluss in der ganzen EU als Hebamme arbeiten.

aki, wsp

Mehr zur Hochschulausbildung der Hebammen und ein Porträt eines männlichen Hebammen-Schülers lesen Sie in Heft 06/2022 des WESTFALENSPIEGEL.

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