Sommer am Biggesee, an einem der größten deutschen Stauseen. Foto: Pixabay
10.06.2022

Atta-Höhle und See-Idylle

Außergewöhnliche Wirtschaftskraft, vielfältiges Kulturleben: Die Stadt Attendorn feiert ihren 800. Geburtstag.

Reich und schön – dieser Titel der Daily Soap aus den 1980er Jahren scheint wie geschaffen für Attendorn. Die Hansestadt landet regelmäßig auf den vorderen Plätzen, wenn es darum geht, wo die meisten Reichen im Land wohnen. In diesem Jahr feiert die Stadt im Südsauerland ihr 800-jähriges Jubiläum.

„Attendorn ist eine kleine, aber großartige Stadt. Mit einer starken Wirtschaft und vielfältigem Brauchtum“, sagt Bürgermeister Christian Pospischil, der bereits seit 2014 im Amt ist. Der Sozialdemokrat war bei seiner ersten Wahl zum Bürgermeister erst 33 Jahre jung. „Ich bin schon mit 18 Jahren in den Rat gewählt worden. Von daher war ich mit 33 Jahren schon fast ein alter Hase“, sagt der ausgebildete Lehrer, der den Menschen in Attendorn eine gesunde Bodenständigkeit bescheinigt. „Die Wege bei uns sind kurz, und die Leute kennen sich“, beschreibt Christian Pospischil die 25.000 Einwohner-Stadt, die allein schon wegen der Atta-Höhle und des Biggesees mit der spektakulären Aussichtsplattform „Biggeblick“ weit über die Grenzen Westfalens bekannt ist.

Stadtrechte seit Juni 1222

Die Geschichte Attendorns geht bis in die Zeit Karls des Großen zurück. Damals entstand am Schnittpunkt der beiden historischen Fernverkehrsverbindungen Heidenstraße und Königsstraße eine Urpfarrei. Im Jahr 1222 sprach der Kölner Erzbischof Engelbert II. von Berg Attendorn die Stadtrechte zu. Die am 10. Juni gegründete Stadt war für das Erzbistum Köln strategisch interessant: Durch die Burg Schnellenberg und die Waldenburg konnte der Erzbischof seine Interessen in der Region sichern.

Das Zentrum von Attendorn mit dem Sauerländer Dom St. Johannes Baptist. Foto: BilderpoolSüdwestfalen/Hans Blossey

Das Zentrum von Attendorn mit dem Sauerländer Dom St. Johannes Baptist. Foto: BilderpoolSüdwestfalen/Hans Blossey

Die Burg Schnellenberg thront mit ihren dicken Mauern und Türmen geradezu majestätisch über Attendorn. Sie ist eine der größten Höhenburgen Nordrhein-Westfalens und beherbergt heute ein Hotel und ein Restaurant. Die Waldenburg ist heute eine Ruine. Das Burggelände ist allerdings aufgearbeitet und restauriert worden und bietet einen fantastischen Ausblick über das Biggetal.

Atta-Höhle als Besucher-Magnet

Mit bisher rund 40 Millionen Besuchern avanciert die Atta-Höhle zur Top-Sehenswürdigkeit in der ganzen Region. Sie ist die größte Tropfsteinhöhle Deutschlands. Eine unterirdische Wunderwelt in einem Kalksteingebirge, die zufällig bei Sprengarbeiten Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt worden ist.

Nicht so frequentiert, aber sehenswert ist der Sauerländer Dom in der Attendorner Innenstadt mit seinem Zwiebelturm und einem Taufstein aus dem 11. Jahrhundert. Die Attendorner Innenstadt wirkt idyllisch. Sie lebendig zu halten, sei eine wichtige Aufgabe für die Stadt, sagt Christian Pospischil. „Vor zehn Jahren war das ein Problem. Aber jetzt gibt es kaum noch Leerstände.“ Um dieses Ziel zu erreichen, ist auch die Stadt als Investor aufgetreten und hat beispielsweise ein Kino gebaut. „Mit starkem Programm“, sagt der Bürgermeister. Das gilt auch für die Attendorner Stadthalle. Sie hatte im Vor-Corona-Jahr 2019 mehr Besucher als Attendorn Einwohner zählt.


Der Beitrag stammt aus Heft 3/2022 des WESTFALENSPIEGEL. Gerne senden wir Ihnen im Rahmen unseres Probeabos zwei Ausgaben kostenlos zu. Hier geht es zur Probeabo-Bestellung.


Die Kultur in der südsauerländischen Stadt ist darüber hinaus von zahlreichen Musikvereinen, Blasorchestern und der Musikschule geprägt. Zum siebten Mal gibt es in diesem Jahr den Attendorner Kultursommer mit Konzerten in der Innenstadt, vor der Atta-Höhe, an der Burg Schnellenberg und am Biggesee-Strandbad Waldenburg. Dabei bildet ein Ausflugsschiff die Bühne für die Bands – das Publikum sieht und hört vom Land aus zu.

Kunst und Kulturgeschichte im Südsauerlandmuseum

Auch das Südsauerlandmuseum mitten im Stadtzentrum gehört zu den kulturellen Aushängeschildern Attendorns. Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte zeigt in der Dauerausstellung auf elf Themeninseln die Geschichte der Region. In diesem Jubiläumsjahr haben acht Kunstschaffende sich für das Projekt „Heimat süße Heimat“ mit ihrer Kindheit und ihrem aktuellen Umfeld in der Kleinstadt künstlerisch auseinandergesetzt.

Das Südsauerlanädmuseum liegt direkt am Alten Markt. Foto: Stadt Attendorn/Susanne Schnatz

Das Südsauerlandmuseum liegt direkt am Alten Markt. Foto: Stadt Attendorn/Susanne Schnatz

Unter dem Titel „Buiterlinge“ steht im Museum eine Installation der Künstlerin Marlies Backhaus. „Buiterling“ ist sauerländisch und bedeutet „Zugezogener“. In der Installation aus Fotocollagen, Leinwand und Nestern geht es um den Wechsel von einer alten in eine neue Heimat. 91 Attendornerinnen und Attendorner mit Wurzeln in ganz Deutschland, aber auch in vielen anderen Ländern wie China, Kuba, Syrien und Somalia haben an diesem Kunstprojekt teilgenommen und ihre Gedanken eingebracht. Zum Fortgehen und Ankommen in der reichen und schönen Stadt Attendorn.

Corina Wegler

Ab dem 12. Juni ist im Südsauerlandmuseum die Jubiläumsausstellung zur Stadtgeschichte Attendorns zu sehen (voraussichtlich bis 31.12.). Beim „Kultursommer“ spielt u.a. Beatrice Egli am 6. Juli vor der Atta-Höhle. Ein weiterer Höhepunkt des Jubiläumsjahres: Während des Stadtfests und 39. Westfälischen Hansetags vom 9. bis 11. September wird das Ortszentrum zur Partymeile.  Mehr Infos zum Jubiläum gibt es unter attendorn800.de

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