Die Wiesenkirche in Soest. Foto: Stadt Soest / Sliwa
16.04.2019

Bauhüttenmeister zu Notre-Dame: „Höchst sensibilisiert“

„Wir sind sehr betroffen, denn wir fühlen uns der Kathedrale Notre-Dame sehr verbunden.“ Mit diesen Worten reagierte der Bauhüttenmeister von St. Maria zur Wiese in Soest, Daniel Müller, heute im Gespräch mit westfalenspiegel.de auf die Brandkatastrophe von Paris.

Sowohl die Kathedrale Notre-Dame als auch die Wiesenkirche sind gotische Bauwerke. Der Soester Dombaumeister Jürgen Prigl war in seiner Ausbildung als Steinmetz selbst in Notre-Dame tätig. „Die Kathedrale ist für mich so etwas wie ein mentales Zentrum“, sagte Prigl in einer Mitteilung des Kirchenkreises Soest-Arnsberg.

Dachstuhl aus Holz

Die Bauhütte Soest sei stets „höchst sensibilisiert“, was die Gefahr eines Brandes an der Wiesenkirche angeht, betont Bauhüttenmeister Daniel Müller. „Wir haben ähnlich wie Notre-Dame einen mittelalterlichen Dachstuhl aus Holz, daher gehen wir bei unseren Arbeiten extrem vorsichtig vor.“ Verboten seien unter anderem das Rauchen, die Lagerung leicht brennbarer Materialien sowie Arbeiten, die Funkenflug verursachen könnten.

„Es gibt drei Möglichkeiten, wie solch ein verheerender Brand entstehen kann: Höhere Gewalt, Mutwilligkeit oder grobe Fahrlässigkeit“, fasst Müller zusammen. Um Fehler zu verhindern, würden an der Wiesenkirche keine externen Kräfte ohne eine spezielle Ausbildung eingesetzt. Stattdessen seien vier bis fünf Steinmetze an der Bauhütte kontinuierlich mit den Restaurierungsarbeiten beschäftigt, die zurzeit am Nordturm durchgeführt werden. „Uns ist sehr bewusst, dass wir hier an einem Bauwerk arbeiten, das Generationen erschaffen haben“, macht Müller deutlich.

Beinahekatastrophe im Zweiten Weltkrieg

Eine Beinahekatastrophe erlebte die Wiesenkirche bereits im Zweiten Weltkrieg, als eine Granate im Dach einschlug. Dabei wurden Fenster zerstört, der Dachstuhl geriet jedoch nicht in Brand.

St. Maria zur Wiese, auch Wiesenkirche genannt, gilt mit ihrem lichtdurchfluteten Hallenraum als das „Ideal des vollkommenen Kirchenbaus“. Mehrere Kunstwerke bereichern die Kirche, das berühmteste ist das um 1500 entstandene Fensterbild des „Westfälischen Abendmahls“.

wsp

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