Dieses Beigabengefäß kam in einem Brandskelettgrab in dem Gräberfeld bei Lennestadt-Elspe zum Vorschein. Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/T. Poggel
19.12.2022

Blick in die Vergangenheit

Vom fossilen Sumpfwald bei Hattingen bis zu einem römischen Marschlager in Haltern am See: Die neue Publikation „Archäologie in Westfalen-Lippe 2021“ gibt einen Überblick zu aktuellen Ergebnissen aus Paläontologie und Archäologie.

Auf 320 Seiten präsentieren die LWL-Archäologie für Westfalen und die LWL-Altertumskommission für Westfalen den Lesern die verschiedenen westfälischen Fundplätze aus den unterschiedlichen Epochen. So wurde in einem ehemaligen Stollen in Hattingen ein senkrecht stehender, fossiler Sumpfwald aus dem Karbon entdeckt. Der zirka 317 Millionen Jahre alte Wald besteht aus zahlreichen Pflanzenfossilien, zum Beispiel von heute ausgestorbenen Siegelbäumen, einer dichten Laubstreuschicht aus Blättern und Zapfen und einigen Farnen, die vermutlich ranken und klettern konnten. Die Entdeckung des Waldes lässt die Forschenden auf neue Einblicke in die ältesten Vegetationsphasen Westfalens hoffen.

Erforschung des Luftschutzbunkers in Dortmund

Im Sommer 2021 fanden mehrere archäologische Untersuchungen in Haltern am See statt. Ziel war es, auffällige, aus der Luft erkennbare Strukturen im Bewuchs zu untersuchen. Auf Luftbildern und durch Bodenradarmessungen konnten Experten die Spuren von zwei einander überschneidenden Zeltlagergräben aus der Römerzeit entdecken. Aufgrund dieser Untersuchungen ließ sich der vollständige Grundriss eines bislang noch unbekannten römischen Marschlagers aus der Zeit des römischen Feldherrn Drusus (ca. 12 – 8 v. Chr.) rekonstruieren. Ein Beispiel für die „Archäologie der Moderne“ ist das Luftschutzbunker-System unter der Dortmunder Innenstadt. Damit die weitläufige Anlage mit ihren baulichen Veränderungen aus den vergangenen Jahrzehnten dokumentiert und erforscht werden kann, soll sie unter Schutz gestellt werden.

Ein Lagergraben in Haltern am See. Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/P. Hessel

Ein Lagergraben in Haltern am See. Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/P. Hessel

Beeinflusst wurde die Arbeit der Archäologen auch durch politische Entscheidungen, darunter die Neufassung des Denkmalschutzgesetzes in NRW. Die Zahl der Grabungen habe sich in den vergangenen zwölf Jahren in Westfalen fast vervierfacht, die Zahl der Lizenzen für Sondengänger, die mit Detektoren nach Gegenständen im Boden suchen, steige stetig, heißt es von Seiten der LWL-Archäologie. Dass durch das neue Gesetz noch mehr Arbeit auf zu wenigen Schultern laste, sehe deren Leiter Prof. Michael Rind mit Besorgnis, ebenso wie Dr. Aurelia Dickers, Archäologin und Vorsitzende der Altertumskommission: „Die Archäologie muss sich derzeit vielen Veränderungen stellen. Es gilt auf gesetzliche, wirtschaftliche und auch technische Neuerungen zu reagieren und sich immer wieder anzupassen.“

Die Publikation „Archäologie in Westfalen-Lippe 2021“ ist im Buchhandel und unter https://www.archaeologie-und-buecher.de zum Preis von 19,50 Euro erhältlich. 

wsp

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