05.09.2023

Charmant boshaft

Sarah Hakenberg erhält den „Nieheimer Schuhu“, bereits vor sechs Jahren haben wir die Kabarettistin im WESTFALENSPIEGEL porträtiert. Hier lesen Sie den Text aus Heft 5/2017:

Sie sitzt am Klavier. Ein Lächeln. Eine eingängige Melodie. Und dann singt sie davon, zu erwägen, ihren Mann zu zersägen. Oder vom Hündchenlynchen in München. Sarah Hakenberg reserviert den Bosheiten effektvoll die Nebensätze. Sie beherrscht die Kunst, charmant in die Abgründe zu blicken.

„Ich war am Anfang wesentlich harmloser und netter. Dann haben mir die Leute immer gesagt, du darfst böser werden, du darfst frech sein, rotzfrech sein“, erinnert sich die Kabarettistin. Das war vor zehn Jahren. Aber wie, wenn man im echten Leben nett ist? Wenn man kein Schwarzseher, sondern Buntmaler ist? „Ich kann so schlecht auf die Welt schimpfen, weil ich schon immer sehr zufrieden war mit der Welt“, sagt die 38-Jährige. „Dann kam diese Idee: Ich habe auch böse Gedanken, die man meist nur nicht zulässt. Irgendwann habe ich dann angefangen, darauf zu hören und sie rauszulassen.“

Eigentlicher Wunsch: Schauspielerin werden

Manchmal zahlen sich böse Gedanken tatsächlich aus. Sarah Hakenberg haben sie immerhin 2016 den Deutschen Kabarettpreis in der Kategorie Nachwuchs eingebracht. Dabei sah ihr Karriereplan eigentlich ganz anders aus. Der Auftritt als Maria beim Krippenspiel war so ein phänomenaler Erfolg, dass die damals Neunjährige ihre Bestimmung klar vor Augen hatte: Schauspielerin. Sie hat sich an zehn Schauspielschulen beworben, die allerdings alle ihr Talent verkannt haben.

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Das Studium der Theaterwissenschaften, Philosophie und Neueren Deutschen Literatur lässt dann so wenig Freiraum für Kreativität, dass Sarah Hakenberg anfängt, eigene Texte zu schreiben und sich bei Poetry Slams auf die Bühne zu stellen. Die Zuschauer mögen, was sie hören. „Ich hätte sonst nie Kabarett für mich entdeckt. Das war für mich so eine angestaubte Szene von alten Männern, die immer über Politik sprechen.“

Sarah Hakenberg findet andere Themenfelder. Und da sind erfreulich wenige Männer-Frauen-Klischee-Geschichten dabei. „Das war mir wichtig. Mein erstes Programm hieß Knut, Heinz, Schorsch und die anderen. Da habe ich nur über meine Ex-Freunde gesprochen“, erinnert sich die Kabarettistin. „Das war der Renner. Aber ich habe selber gemerkt, wie ausgelutscht dieses Thema ist. Und da habe ich bewusst dagegengewirkt. Das heißt, ich gestehe mir pro Programm ein bis zwei Lieder zu, in denen es um Beziehungen geht.“

Zweitwohnsitz im ICE

Und auch Lieblingsthema Nummer zwei vieler Comedians möchte die 38-Jährige auslassen: den Nachwuchs. Im Sommer ist ihr zweiter Sohn geboren, aber die Wickel- und Schreigeschichten sollen eher etwas fürs Familienalbum als für die große Bühne sein.

Auf die Bühne wird Sarah Hakenberg im Herbst wieder zurückkehren. Und dann ihren Zweitwohnsitz im ICE – Fahrtrichtung, Fensterplatz –einnehmen. Endhaltestelle auf dem Rückweg ist aber immer der Bahnhof von Warburg. „Wenn Sie mir vor zehn Jahren gesagt hätten, dass ich in so einer kleiner Stadt wohne, dann hätte ich gesagt, das kann gar nicht sein.“ Ein Leben außerhalb einer Großstadt: undenkbar. Aber das Touren hinterlässt Spuren. Irgendwann hat die Vielreisende festgestellt, „dass mir das überhaupt nicht gut tut. Ich brauche ein gemütliches Nachhausekommen. Dafür ist Warburg perfekt.“

Alexandra von Braunschweig

Dieser Beitrag ist aus Heft 5/2017 des WESTFALENSPIEGEL

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