Blick auf die Vorderseite des von Michael Triegel neu geschaffenen Mittelteils des Naumburger Altars. Foto: Maria Aßhauer / Erzbistum Paderborn
14.12.2022

Cranach trifft Triegel

Das Diözesanmuseum Paderborn präsentiert eines der berühmtesten Werke zeitgenössischer sakraler Kunst: den Naumburger Marienaltar.

Dieser besteht aus den im 16. Jahrhundert von Lukas Cranach dem Älteren geschaffenen, drei Meter hohen und fünf Meter breiten Flügeltafeln. Der Mittelteil fiel jedoch dem reformatorischen Bildersturm zum Opfer. Rund 500 Jahre später hat der Leipziger Maler Michael Triegel dem Altaraufsatz eine neue Mitte gegeben. Zu sehen sind darin Heilige und Menschen der Gegenwart: Vorne thront Maria mit Kind, umgeben von zwei musizierenden Frauen und einer engelsähnlichen Figur mit dem Beginn des Magnificat auf einer Schriftrolle. Dort steht aber auch Petrus mit moderner Base-Cap oder der von den Nationalsozialisten ermordete evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer.

Kontroverse um Altaraufsatz

Nach der Aufstellung des Marienaltars am historischen Ort im Westchor des Naumburger Doms, seit 2018 Unesco-Welterbestätte, und seiner Weihe im Juli 2022 wurde der Altaraufsatz nach kontroversen Diskussionen kürzlich wieder abgebaut. Hintergrund ist, dass das Kunstwerk dort die zwölf Stifterfiguren verdeckte und der Entzug des Welterbetitels drohte. Für das Diözesanmuseum Paderborn ist die Kontroverse ein Glücksfall, kann es doch den Altaraufsatz vom 17. Dezember 2022 bis zum 11. Juni 2023 präsentieren. Weitere Ausstellungsorte sind geplant. Voraussichtlich soll der Altar in Zukunft aber nach Naumburg zurückkehren – der Standort ist aber noch unklar.

wsp

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