In Bielefeld, Dortmund und Hamm werden zu wenige Wohnungen gebaut, in Teilen Südwestfalens hingegen zu viele.
11.04.2019

Deutliche Preisschere bei Bauland

In Teilen Süd- und Ostwestfalens sowie in einigen Ruhrgebietsstädten wird zu viel gebaut, in Bielefeld, Dortmund und Hamm jedoch zu wenig. Das zeigt der Wohnungsmarktbericht 2018, den die NRW.Bank jetzt veröffentlicht hat.

Die Modellrechnung zeigt, dass gerade in Regionen mit vergleichsweise niedrigem Bedarf an Wohnraum noch immer kräftig gebaut wird, so unter anderem in den Landkreisen Minden-Lübbecke, Herford und Höxter, sowie im Märkischen Kreis, dem Hochsauerlandkreis und dem Kreis Soest. Einen Grund für diese Entwicklung zeigt der Bericht ebenfalls auf: die niedrigen Baulandpreise von teilweise unter 50 Euro pro Quadratmeter in diesen Regionen.

In Bielefeld, Hamm und Dortmund – Kommunen mit teils deutlich höheren Bodenpreisen – deckte die Neubautätigkeit nur weniger als 40 Prozent des Bedarfs. Münster und Teile des Münsterlandes sind laut den Berechnungen positive Beispiele. Dort wird der Bedarf an neuen Wohnungen zumindest weitgehend gedeckt. Hier spielt jedoch auch der Wohnungsbedarf für Flüchtlinge eine Rolle. Ohne diesen Faktor würde in mehreren Landkreisen das Angebot an neuen Wohnungen den Bedarf ebenfalls übertreffen.

Wohnungsmarkt im Ungleichgewicht

Fachleute sehen dieses Ungleichgewicht durchaus kritisch. So kann die Ausweisung von Neubaugebieten in ländlichen Gemeinden dazu führen, dass Altbauten zunehmend leer stehen und der Dorfkern mit Einzelhandel und Gastronomie stirbt.

Ein Ungleichgewicht zeigt der Wohnungsmarktbericht ebenfalls beim Baukindergeld: Die Förderung für Familien mit kleineren Einkommen kann gerade in den Regionen mit hohem Bedarf an Wohnraum kaum seine Wirkung entfalten. So sind in Münster und den umliegenden Gemeinden die Immobilienpreise mit mehr als 350 Euro pro Quadratmeter so hoch, dass der Zuschuss lediglich einen Anteil unter fünf Prozent  der durchschnittlichen Erwerbskosten ausmacht – und somit kaum ins Gewicht fällt. In Regionen wie Süd- und Teilen Ostwestfalens, in denen die Immobilienpreise ohnehin relativ niedrig sind, hilft das Baukindergeld Familien hingegen deutlich stärker, den Erwerb zu stemmen.

wsp

Lesen Sie auch im Bereich "Politik/Wirtschaft"

Testen Sie den WESTFALENSPIEGEL!

Ihnen gefällt, was Sie hier lesen? Dann überzeugen Sie sich von unserem Magazin! Jetzt einfach kostenlos ausprobieren!