Eliza Diekmann ist in Burgsteinfurt aufgewachsen und hat in Wien und London studiert. Ab dem 1. November ist sie Bürgermeisterin von Coesfeld. Foto aus der Wahlkampagne: Simon Thon
28.10.2020

Die neue Bürgermeisterin

Eliza Diekmann hat sich für Coesfeld viel vorgenommen. Die neue Bürgermeisterin will Kommunalpolitik „neu denken“. Bürger sollen mehr mitreden, Machtkämpfe und alte Seilschaften will sie mit einem zeitgemäßen Führungsstil überwinden. Am 1. November übernimmt sie ihr Amt und  zählt dann zu den jüngsten Rathauschefinnen in Westfalen. 

„Das Bürgermeisteramt wäre die richtige Stelle, um meine Leidenschaft für Politik zu verwirklichen.“ Diesen Satz sagte Eliza Diekmann bereits vor einigen Jahren, als sie von Frankfurt nach Coesfeld zog. Damals war das ein Spaß, erzählt sie nun. Nach Abschluss des Politikstudiums und einer Ausbildung als Redakteurin sowie einigen Jahren im Job zog sie gemeinsam mit ihrem Mann zurück in ihre münsterländische Heimat, um dort eine Familie zu gründen. Diekmann war fortan im Bereich Unternehmenskommunikation tätig, wollte jedoch auch politisch aktiv werden. „Die Fridays-for-Future-Bewegung war in vielen Städten ein großes Thema, in Coesfeld jedoch kaum aktiv. Da habe ich spontan eine Initiative gegründet, Demos und Workshops organisiert. Und ich spürte, dass es noch mehr Themen gibt, bei denen ich mitreden will“, erinnert sie sich.

Heinz Öhmann war zu diesem Zeitpunkt bereits seit vielen Jahre Bürgermeister in Coesfeld. Der CDU-Politiker wollte nicht mehr für eine weitere Amtszeit antreten. Das Rennen um die Nachfolge war offen. Eliza Diekmann ergriff ihre Chance und bewarb sich als gemeinsame Kandidatin der sogenannten Kleeblatt-Koalition, die sich aus SPD, Grünen und zwei Initiativen zusammensetzt. 

Der "Kaffee mit Eliza" war Teil von Diekmann Wahlkampagne. Foto: Kiehl

Der „Kaffee mit Eliza“ war Teil von Diekmanns Wahlkampagne. Foto: Kiehl

Die Kandidatur plante sie wie ein Projekt. Sie griff auf Erkenntnisse aus Gesprächen mit Unternehmern zurück, schrieb auf, welche Themen ihr wichtig waren und was sie anders als andere Politiker machen wollte. Herzstück der Kampagne wurde der „Kaffee mit Eliza“. „Seit Dezember 2019 habe ich mich jede Woche für einen Vormittag in ein Café gesetzt oder bin in der Corona-Zeit in die Nachbarschaften gegangen, um für die Leute ansprechbar zu sein“, erzählt Diekmann. Bald hätten die Menschen vor ihrem Tisch Schlange gestanden, um von Problemen in der Stadt oder auch von persönlichen Anliegen zu berichten. Die Kandidatin schrieb mit und entwickelte aus Themen, die immer wieder angesprochen wurden, ihr Wahlprogramm. Schulmodernisierungen und Digitalisierung, Förderung des Einzelhandels und bessere Radwege zählen dazu. Keine ungewöhnlichen Punkte, aber Diekmann will diese Herausforderungen neu angehen, sagt sie: „Ich sehe mich in erster Linie als Moderatorin. Zum Beispiel, wenn es darum geht, in der Wirtschaftsförderung den Dialog zwischen Unternehmen und Stadtverwaltung voranzubringen.“

Viele Fragen zur Familie

Eine der größten Herausforderungen im Wahlkampf war für die 34-Jährige die Diskussion über ihre Familiensituation. „Es ging schon oft um die Frage, wie ich das alles mit zwei Kindern hinkriege. Trotz mancher unsachlichen Bemerkung habe ich mich solchen Fragen immer wieder gestellt und sie beantwortet. Ich wollte damit eine Lanze für Frauen in der Kommunalpolitik brechen.“ Diese Strategie überzeugte die Wähler in Coesfeld: Bei der Kommunalwahl gewann Diekmann auf Anhieb knapp 67 Prozent der Wählerstimmen. Ihr Gegenkandidat, Gerrit Tranel von der CDU, erhielt in dem Duell rund ein Drittel der Stimmen.

Heute ist Eliza Diekmann stolz darauf, „eine Mutmacherin“ zu sein: „Ich habe viele Frauen und Mädchen erreicht, die bislang nie daran gedacht hätten, sich auf solche Ämter zu bewerben. Das hat mich am meisten gefreut.“

Annette Kiehl / wsp

Dieser Artikel ist im WESTFALENSPIEGEL 5/2020 erschienen. Einen Überblick zu weiteren Themen finden Sie hier.

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