Auf dem Bildschirm ist zu sehen, wie die Droste gearbeitet hat. Foto: Hanna Neander
13.09.2022

Die Schrift der Droste

Das Center for Literature präsentiert auf Burg Hülshoff eine originelle Ausstellung rund um die digitalisierten Manuskripte der berühmten Dichterin.

Die Original-Handschrift Annette von Droste-Hülshoffs sollte man mal gesehen haben: Die bedeutende Dichterin hat ihre Texte sehr klein und platzsparend aufgeschrieben, vieles durchgestrichen und korrigiert und sogar vertikal Notizen eingefügt. Jetzt werden einige ihrer Handschriften erstmals in einer Sonderausstellung an ihrem Geburtsort, der Burg Hülshoff bei Havixbeck, gezeigt.

In der Schau „Droste Digital“ des Center for Literature, die am 15. September eröffnet wird, haben Künstlerinnen vier Räume im bislang nicht zugänglichen Obergeschoss der Burg rund um einige der Droste-Handschriften neu inszeniert. In geführten, etwa einstündigen Rundgängen sind die Arbeiten von Dorothee Elmiger, Nora Gomringer, Almut Pape und Emese Bodolay vom Kunstkollektiv Anna Kpok sowie von Ece Tankal und Carmen Aquilar y Wedge vom Kollektiv Hyphen-Labs rund ein Jahr lang zu erleben.

Ihrer Zeit voraus

Die für die Ausstellung ausgewählten Handschriften gehören zum „Meersburger Nachlass“, der mit 1500 Textseiten ungefähr zwei Drittel des gesamten Nachlasses der Droste umfasst. Das LWL-Archivamt für Westfalen hatte sie zuvor komplett digitalisiert. Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, Kulturdezernentin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe und Vorstandsvorsitzende der Annette von Droste zu Hülshoff-Stiftung, betonte bei der Vorstellung der Ausstellungsräume, wie weit die Dichterin mit ihren vielschichtigen Arbeiten ihrer Zeit voraus war: „Wir wollen am authentischen Ort zeigen, welche Relevanz Annette von Droste-Hülshoff für die Gegenwart und Zukunft hat.“

LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, Kurator Oliver Pawlak, LWL-Archivamtsleiter Prof. Dr. Marcus Stumpf und der Künstlerische Leiter der Burg Hülshoff Dr. Jörg Albrecht (v. li.) bei der Vorstellung der Ausstellung „Droste Digital“. Foto: Hanna Neander

In zwei Räumen wird in der Ausstellung zunächst multimedial erklärt, wie die Poetin gearbeitet hat. So lässt sich an Tablets nachvollziehen, wie die Droste ihr Gedicht „Der Knabe im Moor“ immer weiter veränderte, Wörter herausstrich oder durch andere ersetzte. „Die Ausstellung wirft einen Blick hinter die Kulissen des Schreibens“, so Dr. Jörg Albrecht, Künstlerischer Leiter von Burg Hülshoff – Center for Literature. Ein Film zeigt zudem die aufwändige Digitalisierung der Manuskripte im LWL-Archivamt.

Per App durch die Ausstellungsräume

In vier weiteren, von Künstlerinnen gestalteten Räumen werden die digitalisierten Handschriften durch Teppiche, Vorhänge, Spiegel und Projektionen in Szene gesetzt. Über eine App ist es ebenfalls möglich, sich durch die Ausstellungsräume zu bewegen und sich – teils spielerisch – näher mit den Droste-Handschriften zu beschäftigen. Wer sich die App ab dem 15. September herunterlädt, kann dies übrigens auch von zu Hause aus ausprobieren.

Die Ausstellung wird am Donnerstag, 15. September, um 17 Uhr auf Burg Hülshoff eröffnet. Im Bühnenprogramm sind die Künstlerinnen der Ausstellung anschließend live zu erleben. Mit Beginn der Dunkelheit erstrahlt die Burgfassade mit Projektion des Videokünstlers Roman Hagenbrock. Der Eintritt an dem Tag ist frei.

Martin Zehren/wsp

Die Ausstellung „Droste Digital. Handschriften – Räume – Installationen“ ist bis zum 30. September 2023 auf Burg Hülshoff zu sehen (Mi. bis So. 11 bis 18.30 Uhr). Eintritt: 14 Euro regulär, 9 Euro ermäßigt, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre erhalten kostenfreien Eintritt.

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