14.04.2011

„Ein besonderer Dank gilt meinem Hund“: Professor Thomas Hoeren über Widmungen in Doktorarbeiten

Münster (wh). Der Medienrechtler Professor Thomas Hoeren von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster hat sich über Jahre mit Danksagungen und Widmungen in Doktorarbeiten beschäftigt " und dabei Skurriles, Lustiges und Banales zu Tage gefördert.

Westfalen heute: Was ist die absurdeste Widmung, auf die Sie bei Ihrer Recherche gestoßen sind?
Professor Thomas Hoeren: Eine Doktorandin aus Süddeutschland hat tatsächlich über 100 Leuten gedankt " inklusive dem Mineralwasserlieferanten und ihrem Hund. Das ist schon etwas skurril. Lustig war auch die Widmung eines Freundes von mir, mit dem ich ab und zu im Dampfbad über dessen Anglistikdissertation diskutiert habe. In seiner Widmung hat er sich bei mir für die "aufschlussreichen und warmen Saunagespräche" bedankt.

Westfalen heute: Warum lassen sich Akademiker zu solchen Danksagungen hinreißen?
Hoeren: Es scheint so zu sein, dass das immer mehr erwartet wird. Nicht nur von den Doktorvätern, sondern auch von den Eltern. Ganz nach dem Motto: "Jetzt haben wir dich jahrelang durchgefüttert, da möchten wir auch ein prominent platziertes Dankeschön!"

Westfalen heute: Unterscheiden sich Widmungen der Gegenwart von historischen Widmungen?
Hoeren: Vom 16. Jahrhundert bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gab es streng genommen gar keine Danksagungen, sondern hauptsächlich Gönnerwidmungen, mit denen der Autor mitunter den Zweck verfolgte, bei Staatsoberhäuptern und Magnaten Geld locker zu machen. Danksagungen sind ein Fluch, der erst ab 1920/30 populär wurde. Seitdem werden die Listen immer länger: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auch der Familie gedankt. Mittlerweile gehen einige Doktoranden so weit, ihrer WG zu danken.

Westfalen heute: Wie sollte eine Widmung Ihrer Meinung nach aussehen?
Hoeren: Die ideale Widmung ist die, die nicht gedruckt wird. Denn davon hat niemand etwas. Viel persönlicher und stilvoller ist es, handschriftliche Widmungen in einzelne Exemplare der Doktorarbeit zu schreiben und diese dann an die Eltern oder Freunde zu verschenken.

Achtung Redaktionen: Pressefotos von Professor Thomas Hoeren finden Sie im Downloadbereich unserer Website.

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