Blick in den Gebetsraum der Synagoge in Gelsenkirchen. Foto: Jürgen Bröker
03.09.2021

Ein Fest der Begegnungen

Der Europäische Tag der jüdischen Kultur am Sonntag, 5. September, ist einer der Höhepunkte im Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Zahlreiche Orte in Westfalen laden ein, jüdische Kultur und jüdisches Leben kennenzulernen.

Die Jüdische Gemeinde Gelsenkirchen lädt zu einer Führung in die Neue Synagoge ein. Dort bietet die Ausstellung „Gelsenkirchen, Jüdisch! 1870 bis heute“ einen Einblick in die mehr als 150-jährige Geschichte der Gemeinde und informiert über das Leben der jüdischen Familien heute. Ein besonderes Konzert findet dort um 16 Uhr statt. Im Mittelpunkt stehen die Werke von Süßkind von Trimberg, dem einzigen jüdischen Minnesänger des deutschen Sprachraums, der überliefert ist. In seinen Liedern verbindet sich die Tradition der moralischen und gesellschaftspolitischen Dichtung mit Motiven aus der jüdischen Kultur.

Die neue Synagoge in Gelsenkirchen. Foto: Architekturbüro Christfreund und Mihsler, Gelsenkirchen

Die neue Synagoge in Gelsenkirchen. Foto: Architekturbüro Christfreund und Mihsler, Gelsenkirchen

Rund um das LWL-Preußenmuseum in Minden und das Museum Minden bieten ein Vortrag und ein historischer Spaziergang Interessierten die Möglichkeit, mehr über Synagogen und jüdisches Leben in der Stadt zu erfahren. Einen Höhepunkt verspricht das musikalische Lichtspiel „Ich bin … Fanny!“. Das Multimedia-Projekt erzählt die Lebensgeschichte der Komponistin Fanny Hensel. Dabei wird ab 19 Uhr die Lichtinstallation zusammen mit musikalischen Einspielungen und Textpassagen an die Außenfassade des Preußenmuseums projiziert.

Das jüdische Leben in Westfalen im „Zoom der Archäologie“ thematisiert ein Online-Rundgang der AG Alte Synagoge Petershagen ab 14 Uhr. Die Teilnehmer tauchen buchstäblich ab und erleben tief im Boden der Region, welche spannenden Geschichten aus der Frühen Neuzeit und Moderne dort verborgen liegen. Vor Ort an der Alten Synagoge Petershagen können sich Besucher zwischen 11 und 16.45 Uhr über Forschungsergebnisse zu Ausgrabungen in westfälischen Synagogen und Mikwen informieren. Mitglieder der AG Alte Synagoge und Archäologen stehen Rede und Antwort.

Auf den Spuren der jüdischen Küche – eine Veranstaltung am Europäischen Feiertag der jüdischen Kultur. Foto: Hermann Willers

Auf den Spuren der jüdischen Küche – eine Veranstaltung am Europäischen Feiertag der jüdischen Kultur. Foto: Hermann Willers

In Steinfurt lädt der Verein Dampfross von 10 bis 13 Uhr zu einer kulinarischen Spurensuche beim Workshop „Wie schmeckt Jüdisch?“. Am Herd der Kochschule MarktEins erklärt eine Köchin der jüdischen Gemeinde Münster, wie jüdisch gekocht wird, was eigentlich „koscher“ ist und welche kulturellen Hintergrund Gerichte wie Hummus, Schakschuka oder auch der Tscholent-Eintopf haben. Beim gemeinsamen Essen gibt es Gelegenheit zum Austausch und zum Kennenlernen.

Insgesamt nehmen rund 15 Einrichtungen mit zahlreichen Veranstaltungen am Europäischen Tag der Jüdischen Kultur teil. Bei einigen Programmpunkten sollten sich Besucher im Vorfeld anmelden, manche Veranstaltungen sind frei zugänglich. Einen Überblick finden Sie hier.

Sukka im Gemeindezentrum der Jüdischen Gemeinde Münster. Foto: Archiv Jüdische Gemeinde Münster

Sukka im Gemeindezentrum der Jüdischen Gemeinde Münster. Foto: Archiv Jüdische Gemeinde Münster

In den nächsten Monaten bietet das Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ zahlreiche weitere Gelegenheiten, die Kultur kennenzulernen. Zum Beispiel beim jüdischen Laubhüttenfest, das die LWL-Kulturstiftung gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde Münster unter dem Titel „Happy Sukkot XXL“ vom 20. bis 26. September in Münster feiert. Rund um die Sukka genannte Laubhütte, die im Landeshaus des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) errichtet wird, sind unter anderem ein Abend mit jüdischen Schlagern und Chansons am 21. September und der Poetry Slam „Glaube – Liebe – Poesie“ am 22. September geplant. Am 26. September finden zwei Aufführungen des bundesweit einzigen jüdischen Puppentheaters „Bubales“ mit dem Kinderstück „Die Koscher-Maschine“ statt. Weiterer Informationen finden Sie hier.

Mehr über Kultur, Tradition und Alltag in der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen lesen Sie in unserem Beitrag „Schalom in Gelsenkirchen“
und im WESTFALENSPIEGEL 02/2021.

wsp

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