Das Archäologische Fenster bietet eine Schutzhülle für die Ausgrabungen. Im Hintergrund zu sehen ist das Herforder Münster. Foto: Stadt Herford
20.08.2025

Fenster in die Vergangenheit 

37 Jahre nach den ersten Ausgrabungen wird das Archäologische Fenster am Münster in Herford eingeweiht. Es bietet einen einzigartigen Blick in die Geschichte der mittelalterlichen Fürstabtei.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das Bodendenkmal des Damenstifts, das um 789 in Herford gegründet wurde und damit das älteste Kloster Westfalens ist. Vor mehr als 30 Jahren wurden die Mauern des Bauwerks bei Ausgrabungen zwischen Münsterkirche und Rathaus freigelegt. Sie bilden nun das Fundament für die Wände zweier Ausstellungsgebäude. Archäologische Funde, aber auch digitale Medien vermitteln einen Eindruck des Klosters und des Lebens der mächtigen Äbtissinnen. 

Mächtige Äbtissinnen

Das Archäologische Fenster ist als begehbare historische Stätte konzipiert, die tagsüber frei zugänglich sein wird und ohne Klimatechnik auskommt. „Wir wünschen uns, dass dieser Ort bald ganz selbstverständlich zu einem Spaziergang durch Herford gehören wird“, sagt Prof. Matthias Wemhoff. Der in Münster geborene Archäologe leitete von 1988 bis 1990 die Ausgrabung des Herforder Münsters und war später unter anderem Leiter des LWL-Museums in der Paderborner Kaiserpfalz und Gründungsdirektor des Klosters Dalheim in Lichtenau. Heute ist Wemhoff Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin und Landesarchäologe für Berlin. Seine Verbindung nach Herford ist jedoch bestehen geblieben. So entwickelte er das Konzept für das Archäologische Fenster und hat die Gestaltung begleitet. Wemhoff wünscht sich, dass die Stätte als authentischer Ort dazu beiträgt, die Geschichte Herfords als Reichsstadt besser zu verstehen. Schließlich wurde die Stadt im Hochmittelalter von dem ansässigen Frauenstift beherrscht. „Dieser galt als das mächtigste Damenstift Westfalens. Die Äbtissin war direkt dem Papst unterstellt und konnte unabhängig vom Bischof agieren“, berichtet der Mittelalterexterte. 

Eine Visualisierung des Archäologischen Fensters am Münster. Grafik: Büro Pfeiffer, Kellermann, Preckel, Münster

Eine Visualisierung des Archäologischen Fensters in zwei, über eine Art Kreuzgang verbundene Gebäude am Herforder Münster. Grafik: Büro Pfeiffer, Kellermann, Preckel, Münster

Das Projekt „Archäologische Fenster“ konnte von einer breiten Unterstützung der Bürgerschaft profitieren. Der Unternehmer und Mäzen Dieter Ernstmeier gab 2018 den Anstoß und sorgte für eine erste Finanzierung. Neben weiteren Spenden flossen auch Fördergelder von Bund, Land und NRW-Stiftung nach Herford. Am Samstag, 23. August, wird die Stätte eingeweiht. „Das Archäologische Fenster am Münster wird den Besucherinnen und Besuchern eine einmalige Gelegenheit bieten, in die faszinierende Geschichte der Herforder Fürstabtei einzutauchen und die Bedeutung des Damenstifts im Mittelalter hautnah zu erleben“, ist Bürgermeister Tim Kähler überzeugt.

Annette Kiehl, wsp

Der Festakt zur Einweihung beginnt um 11 Uhr im Herforder Münster mit einem Gottesdienst. Den Tag über findet ein vielfältiges Programm rund um das Archäologische Fenster statt. Ab 19 Uhr gibt die Nordwestdeutsche Philharmonie auf dem Rathausplatz ein öffentliches Konzert.

Lesen Sie auch im Bereich "Kultur"