Eine Szene aus „Goldrausch“ mit Charlie Chaplin (r.). Das war der erste Film, den der filmclub münster 1948 gezeigt hat. Foto: Arthaus
23.01.2023

„Film ab“ seit 75 Jahren

Der „filmclub münster“ wird in diesem Jahr 75 Jahre alt. Damit ist er einer der ältesten existierenden Filmclubs in Deutschland. Gefeiert wird mit einem Filmtag im Sommer und einem Blick in die Geschichte.

Gegründet wurde der filmclub münster 1948 auf Initiative der britischer Streitkräfte. „In den Anfängen war der Filmclub ein Verein, dessen Mitgliederzahl bis auf etwa 1000 anwuchs“, erklärt Daniel Huhn, Geschäftsführer der Filmwerkstatt Münster, eine der Trägerinnen des Filmclubs. Damals waren Kinos der einzige Ort, in dem die Menschen Filme sehen konnten. Das Fernsehen war noch nicht verbreitet. Videokassetten, DVDs und Co. waren noch nicht erfunden.

Damals sollten Filme in Kinos vor allem unterhalten. Der Filmclub wollte dem etwas entgegensetzen. „Schon in den Anfängen hat man sich dem Film als Kunst gewidmet. Streifen, die im filmclub münster gezeigt wurden, sollten zum kritischen Diskurs anregen“, so Huhn weiter. Einige Filme waren dabei exklusiv für die Clubmitglieder zu sehen. Später, als weitere Kinos eröffneten, und Filme auch immer leichter zu Hause zu sehen waren, konzentrierte sich der Club auf besondere Filme und Originalfassungen. „Das ist bis heute so geblieben. Allerdings bieten die Streamingdienste auch viele Originalfassungen“, sagt Huhn. Das Alleinstellungsmerkmal gelingt daher eher über die Auswahl der Filme.

Filmreihen sind gestartet

So zeigt der Filmclub Reihen, die bei den Streamingdiensten nicht oder nur schwer zu finden sind. Etwa Filme des im vergangenen Jahr verstorbenen Regisseurs Jean-Luc Godard. Einführungen, Gespräche und manchmal auch besondere Gäste begleiten die Vorführungen. Musste man in der Anfangszeit des Clubs Mitglied sein, um in den Filmgenuss zu kommen, sind die Tickets heute frei verfügbar.

Die nächsten Filme, die im Rahmen der Reihe „Filmplädoyer“ zur Diskussion stehen, sind „Spring Breakers“ (27.2.), „Elfriede Jelinek – die Sprache von der Leine lassen“(24.4.) und „Lost in Translation“ (29.5.). Das Jahresthema steht unter dem Titel „Re-Oriantation“. In dieser Reihe sind unter anderem Dokumentationen wie „Die Unbeugsamen“ (6.3.) über die Pionierinnen der Bonner Republik oder „Kulenkampffs Schuhe“( 8.5.) zu sehen. Damit begibt sich der Filmclub auf Zeitreise in die Nachkriegsgeschichte.

Filmclub-Tag mit „Goldrausch“ von Charlie Chaplin

In der dritten Reihe „Freifläche“ sind mehrere kleine Reihen und Einzelscreenings versammelt, die der filmclub münster gemeinsam mit Kooperationspartnern präsentiert, heißt es. In Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Filmkultur NRW sind zum Beispiel zwei Filme aus dessen Programm „Still home: Ukrainische Filme aus den besetzten Gebieten“ zu sehen: „Pushing Boundaries“ (21.3.) folgt den ukrainischen Athletinnen und Athleten zu den Paralympics  nach Sotschi und „Butterfly Vision“ (28.3.) zeigt den Weg einer ukrainischen Soldatin auf ihrem Weg aus der Gefangenschaft nach Hause.

Am „filmclub-Tag“, dem 24. Juni, kehrt der Club zu seinen Wurzeln zurück. In einem Workshop soll die Geschichte und Zukunft des Filmclubs diskutiert werden. Im Anschluss läuft der Film „Goldrausch“ von Charlie Chaplin, der Film mit dem der filmclub münster 1948 begründet wurde. Neben der Filmwerkstatt Münster engagieren sich im fimlclub münster auch die Münsterschen Filmtheater-Betriebe, der Westfälische Kunstverein und Burg Hülshoff – Center for Literature.

jüb/wsp

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