07.12.2023

Glashütte Gernheim: Unesco zeichnet Handwerk aus

Die Manuelle Glasfertigung ist in die internationale Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit bei der Unesco aufgenommen worden. Das Traditionshandwerk wird in der Glashütte Gernheim in Petershagen praktiziert.

Dr. Katrin Holthaus, Leiterin des LWL-Museums Glashütte Gernheim, hat sich bereits seit mehreren Jahren für die Auszeichnung eingesetzt. „Glasmacher sind traditionell grenzüberschreitend unterwegs. Daher war es mir wichtig, die Bewerbung gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Finnland, Frankreich und Spanien auf den Weg zu bringen“, sagt sie. 2015 wurde die Manuelle Glasfertigung bereits in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. In dieser Woche entschied das Unesco-Komitee in Botswana, dass das Traditionshandwerk auch international zum Kulturerbe der Menschheit zählt. Die Unesco würdigte die umfassende Bedeutung des Handwerks. „Geduld, Kreativität und Teamwork zeichnen die Manuelle Glasfertigung aus“, sagte der Vizepräsident der Deutschen Unesco-Kommission, Christoph Wulf. „Die Gemeinschaft der Glasmacherinnen und Glasmacher bewahrt diese besondere Handwerkstradition mit einem beeindruckenden Engagement. Ich bin überzeugt, dass ihr Wissen und Können der Menschheit noch lange erhalten bleiben wird.“

Traditionsreiches Handwerk

Katrin Holthaus freut sich sehr über die Anerkennung. Sie beschreibt die manuelle Glasfertigung als lebendiges Handwerk, das seinen Einsatz heute in der Herstellung hochwertiger Gläser, in der Produktion von Prototypen für die Industrie und technische Spezialanwendungen findet. Auch Künstler wie Marc Chagall, Gerhard Richter und Neo Rauch haben Werke mithilfe dieser traditionellen Handwerkskunst geschaffen, indem sie mundgeblasenes Flachglas verwandten. In der Glashütte Gernheim in Petershagen bei Minden wird seit über 200 Jahren Glas hergestellt. Der imposante Kegelturm ist das Wahrzeichen des LWL-Museums, das dort 1979 gegründet wurde.

Drei Glasmacher und eine Glasmacherin arbeiten heute in der Glashütte Gernheim. Sie erledigen Aufträge, demonstrieren und erläutern aber auch Besucherinnen und Besuchern ihr Handwerk. Glas wird bei Temperaturen von weit über 1000 Grad Celsius geschmolzen und ist nur für kurze Zeit formbar. Zur Herstellung von Hohlglas blasen die Handwerkerinnen und Handwerker eine kleine Kugel heißes, zähflüssiges Glas mithilfe einer Pfeife auf und bringen sie durch Drehen, Schwenken und die Bearbeitung mit traditionellen Werkzeugen in die gewünschte Form. „Es dauert ungefähr zehn Jahre, bis Glasmacher ihr Handwerk beherrschen“, sagt die Museumsleiterin.

Der Glasmacherturm der Glashütte Gernheim. Foto: LWL / Hudemann / Holtappels

Der Glasmacherturm der Glashütte Gernheim. Foto: LWL / Hudemann / Holtappels

Besonders hervorgehoben hat die Unesco die Bedeutung der Museen für den Erhalt der Tradition sowie die denkmalgeschützten Gebäude, in denen das Handwerk praktiziert wird. Katrin Holthaus ist sehr glücklich über das große Interesse, das Besucherinnen und Besucher dem Handwerk immer wieder entgegenbringen. 2024 wird im LWL-Museum Glashütte Gernheim voraussichtlich eine Sonderausstellung mit finnischen Glaskünstlern stattfinden. Geplant sind in diesem Rahmen auch Workshops und Angebote, in denen die Teilnehmenden selbst ihre Fertigkeiten testen können.

Gratulationen zur Unesco-Auszeichnung gab es von Dr. Georg Lunemann, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Als Träger des Museums sind wir stolz, dass die Unesco diese Handwerkstradition und damit vor alle die Arbeit unserer Glasmacherinnen und Glasmacher in besonderer Weise würdigt.“

aki, wsp

Lesen Sie auch im Bereich "Kultur"

Testen Sie den WESTFALENSPIEGEL

Ihnen gefällt, was Sie hier lesen? Dann überzeugen Sie sich von unserem Magazin