Roland Kaiser hat ein Buch über sein Leben geschrieben. Foto: Tom Schulze
12.09.2022

Grandseigneur des Schlagers

Mit seinem neuen Album „Perspektiven“ ist dem Wahlmünsteraner Roland Kaiser ein toller Erfolg gelungen. Es eroberte auf Abhieb die Top-Position der Charts. Wir blicken in seine Biografie „Sonnenseite“ mit vielen spannenden Geschichten aus dem Leben des Stars.

Kurz bevor Ronald Keiler zum ersten Mal ein Tonstudio betrat, dachte er, das bisschen „Trallala, trallala“ kann so schwer nicht sein. Keiler meinte den Gesang der Stars und Sternchen, die wöchentlich bei Dieter Thomas Heck in der ZDF-Hitparade ihren Drei-Minuten-Auftritt hatten. „Dazu mit’n Hüften wackeln, ohne uff de Nase zu falln. Is leicht verdientes Geld, wa“, sagte der Junge aus dem Berliner Wedding im Dezember 1973 zu einem Versicherungsvertreter, der regelmäßig in dem Autohaus vorbeischaute, in dem Keiler arbeitete.

Seine „dicke Lippe“ konnte der damals 21-Jährige wenige Tage später unter Beweis stellen. Denn der Versicherungsmann hatte einen Bruder, der als Musikmanager arbeitete. Der Rest ist Geschichte: Aus Ronald Keiler wurde Roland Kaiser, einer der erfolgreichsten Musiker Deutschlands.

Tragischer Tod der Pflegemutter

Es ist nur eine von vielen Anekdoten aus dem Leben des Wahlmünsteraners. Nachzulesen in der Autobiographie „Sonnenseite“, die er gemeinsam mit Co-Autorin Sabine Eichhorst geschrieben hat. Das Buch ist eine bewegende Lebensgeschichte voller Wendungen und Zufälle, die aus eben jenem Ronald Keiler den Grandseigneur des deutschen Schlagers gemacht haben.

Da hieß er noch Ronald Keiler: Der junge Roland Kaiser am Tag der Konfirmation mit seiner Pflegemutter

Dabei erzählt Kaiser auch von sehr persönlichen Momenten. Etwa vom tragischen Tod seiner Pflegemutter, Ella Oertel, einer „sehr liebevollen, geradlinigen und ehrlichen Frau“, die Kaiser geprägt hat. Davon, wie ein eigentlich nicht ernst gemeinter Text ihm zu seinem ersten Nummer-1-Erfolg „Santa Maria“ verhalf. Und wie er lange Zeit versuchte, seine Lungenkrankheit COPD vor der Öffentlichkeit zu verheimlichen.

Große Dankbarkeit

Besonders bewegend sind die Schilderungen seiner frühen Kindheit. Ella Oertel als alleinstehende Frau hatte ihn als Findelkind, das mit vier Wochen in einem Berliner Stift abgegeben wurde, bei sich aufgenommen. Sie hatte nicht viel Geld, aber eine große Verwandtschaft, in der gerne gefeiert und zum Leidwesen Kaisers auch gerne geschunkelt wurde. Hautnah erlebte der am 10. Mai 1952 geborene Sänger den Mauerbau, die großen Berliner Reden von Willy Brandt und John F. Kennedy mit. Über seine Kindheit im Arbeiterviertel Wedding schreibt er: „Ich hatte meine Freunde, deren Eltern auch nicht reicher waren, ich hatte meinen Kiez, ich hatte meine Mutter. Meine Welt war in Ordnung.“

Wie hier schwingt an vielen Stellen im Buch eine große Dankbarkeit mit. Kaiser ist sich bewusst, dass er auf der „Sonnenseite“ des Lebens steht. Dabei prahlt er nicht mit seinen Erfolgen. Im Gegenteil, unter ein Foto, das ihn in einer Marmorbadewanne mit goldenen Armaturen zeigt und das 1983 für die „Bunte“  aufgenommen wurde, notiert er selbst „Angeberfoto“.

„Kaiser pur“

Roland Kaiser/Sabine Eichhorst: Sonnenseite, Heyne-Verlag, 400 S., 20 Euro

Roland Kaiser/Sabine Eichhorst: Sonnenseite, Heyne-Verlag, 400 S., 20 Euro

Das Buch ist wie Kaisers Auftritte: Auf der Bühne kommt er ohne Schnickschnack aus. Backgroundsänger, Musiker, Kaiser – mehr braucht es nicht. Allerdings schmeißt sich der Star für sein Publikum stets in einen feinen Anzug. „Aus Respekt vor meinen Fans“, wie er selbst sagt. Ansonsten erlebt das Publikum „Kaiser pur“. So ist es auch in der Biographie. Im Klappentext wünscht der Sänger seinen Lesern, dass sie sein Buch wie ein gutes Lied erreicht, „das unterhält, manchmal ein wenig nachdenklich stimmt und berührt, weil es Ihnen auch etwas über sie selbst zu erzählen vermag…“ – ein Wunsch, der in Erfüllung geht.

Jürgen Bröker

Tipp: In der ZDF Mediathek gibt es die sehenswerte Dokumentation „Mensch Roland Kaiser!“

Der Beitrag stammt aus Heft 01/2022 des WESTFALENSPIEGEL. Ihnen gefällt, was Sie hier lesen? Gerne senden wir Ihnen im Rahmen unseres Probeabos zwei Ausgaben kostenlos zu. Klicken Sie dazu einfach hier.

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