Das Fritz Bauer Forum ist in der 1973/74 errichteten ehemaligen Trauerhalle in Bochum angesiedelt. Foto: Deutsche Stiftung Denkmalschutz / Kruth-Luft
10.09.2025

Im Einsatz für Menschenrechte

Das Fritz Bauer Forum in Bochum hat eine denkmalgeschützte Trauerhalle zu einer Bibliothek umgebaut.

Außen Beton und brutalistischer Baustil, innen Bibliothek mit Büchern rund um das Thema Menschenrechte: Die 1974 fertiggestellte ehemalige Trauerhalle Havkenscheid im Osten des Zentralfriedhofs von Bochum ist heute denkmalgeschützt und stand zwischenzeitlich leer. Bis die Buxus-Stiftung das Gelände und die Halle gepachtet, denkmalgerecht restauriert und zu einer Bibliothek und Veranstaltungsstätte umgebaut hat. Nebenan, wo früher der Betriebshof der Trauerhalle stand, lädt jetzt ein neu errichtetes Gebäude mit Büro- und Seminarräumen sowie einem Café zu Forschung, Dialog und Begegnung ein.

An einem Innenhof zwischen den Gebäuden – möglicherweise für künftige Open-Air-Veranstaltungen – wird noch gearbeitet. Die beiden Gebäude und das Außengelände bilden zusammen das Fritz Bauer Forum. Im Mai dieses Jahres wurde es offiziell eröffnet. „Es ist ein Ort, um Geschichte über den Kampf für Menschenrechte und das Völkerrecht zu schreiben und zu erforschen“, sagt die Bochumer Historikerin Irmtrud Wojak. Sie hat 2013 die gemeinnützige Buxus Stiftung gegründet und 2019 das Fritz Bauer Forum initiiert, dessen Trägerin die nach dem stark wachsenden Buchsbaum benannte Stiftung ist.

Zu Beginn gab es das Forum nur digital, erläutert Wojak: „Ich habe den Aufstieg des Rechtsextremismus, Populismus und des autoritären Denkens wahrgenommen. Da dachte ich, ich kann nicht die Biografie über Fritz Bauer geschrieben haben und dagegen nichts unternehmen.“ Zumal auch Filme und Veröffentlichungen über den hessischen Generalstaatsanwalt und Naziankläger Fritz Bauer (1903–1968) nicht von populistischen Tendenzen und Klischees verschont geblieben seien. „Daher habe ich eine digitale interaktive Fritz Bauer Bibliothek und einen Verlag gegründet mit Geschichten über Widerstand und Überleben.“

Für Demokratie und Vielfalt

Für dieses Projekt gewann Wojak die Unterstützung des Vorwerk-Erben und Mäzens Jens Mittelsten Scheid. „Erst nach einer gewissen Zeit kam der Gedanke auf, dass wir auch einen Ort suchen könnten, um Menschen zu stärken, die für ihre Rechte und für die Rechte anderer Menschen kämpfen, ein Ort für Demokratie und Vielfalt.“ Über einen befreundeten Architekten wurde sie auf die ehemalige Trauerhalle in Bochum aufmerksam, für die ein Pächter gesucht wurde. Die Buxus Stiftung bewarb sich und bekam für das Fritz Bauer Forum den Zuschlag. Schon seit einiger Zeit finden in der Bibliothek Veranstaltungen statt. So waren zum Beispiel der Journalist und Buchautor Arne Semsrott („Frag den Staat“) und der Hamburger Straf- und Strafprozessrechtsexperte Prof. Dr. Ingo Müller zu Gast, der über „die Nachsicht westdeutscher Gerichte mit den Nazis“ sprach. Auch einige thematisch passende Kunstwerke sind zu sehen. „Wir haben eine Scharnierfunktion zwischen Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und auch Kunst“, erklärt Forum-Sprecher Tobias Fetzer.

„Überlebenden eine Stimme geben“

Mit Fritz Bauer hat sich Irmtrud Wojak intensiv beschäftigt, seit sie in den 1990er Jahren beim Fritz Bauer Institut in Frankfurt gearbeitet hat. Mit der ersten Biografie über den Juristen wurde sie 2008 an der Leibniz Universität Hannover habilitiert. Vieles, was sie bei ihrer Forschung zusammengetragen hat, ist inzwischen Teil der Bibliothek mit ihren 45.000 Medieneinheiten. Wojak wechselte 2008 zum Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen, war anschließend Gründungsdirektorin beim NS-Dokumentationszentrum München und kehrte schließlich nach Bochum zurück, wo sie früher studiert und dem Verein „Erinnern für die Zukunft“ zur Einladung der Überlebenden des Holocaust vorgestanden hat.

Auch nach der Eröffnung des Fritz Bauer Forums ist für das kleine Team viel zu tun: Es organisiert Veranstaltungen wie Vorträge und Lesungen, sucht Kooperationen und Projekte mit Forschungseinrichtungen im In- und Ausland und treibt die Digitalisierung der Bibliothek und des Archivs voran. „Dabei wollen wir unser Profil weiter schärfen“, sagt Irmtrud Wojak: „Wir wollen Demokratie, Menschenrechte und das Völkerrecht stärken, an das NS-Unrecht erinnern, Überlebenden eine Stimme geben und Autoritarismus bekämpfen.“ Das wäre, so Wojak, ganz im Sinne Fritz Bauers: Der habe sich immer für die Menschen eingesetzt, die verfolgt, diskriminiert und ausgegrenzt wurden.

Martin Zehren

Weitere Informationen zum Fritz Bauer Forum und eine interaktive Führung finden Sie hier.

Wer war Fritz Bauer?
Fritz Bauer, 1903 in Stuttgart geboren, stammt aus einer deutsch-jüdischen Familie. Während der Weimarer Republik war er jüngster Amtsrichter Deutschlands und setzte sich für den Erhalt der Republik ein. In der NS-Zeit wurde er als Widerstandskämpfer verhaftet und ins Konzentrationslager, später ins Gefängnis gesperrt. Nach Exiljahren in Skandinavien kehrte der Sozialdemokrat 1949 in die Bundesrepublik zurück, wurde Landgerichtsdirektor und dann Generalstaatsanwalt in Braunschweig. Bauer engagierte sich für die Entnazifizierung und den Aufbau einer demokratischen Rechtsordnung. Als hessischer Generalstaatsanwalt kämpfte er seit 1956 gegen die Straflosigkeit der Naziverbrechen und initiierte unter anderem den ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess (1963–1965). Er starb 1968 in Frankfurt/Main.

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