Sitz des Landesverbands Lippe: das Weserrenaissance-Schloss Brake in Lemgo. Foto: LVL/Ihle
19.01.2022

Im Namen der Rose

Zum 75. Jahrestag des Beitritts Lippes zum Land Nordrhein-Westfalen am 21. Januar 1947 Wir erinnern mit einem Archivbeitrag an den geschichtsträchtigen Tag und das Verhandlungsgeschick der Lipper.

Die Lippische Rose

Die Lippische Rose

Das Wappen des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen ist dreigeteilt. Es zeigt links auf grünem Grund einen stilisierten Fluss, den Rhein, und rechts das aufsteigende Westfalenross. Zwischen beiden liegt im unteren Bereich sehr viel kleiner in einer eingebogenen Spitze eine fünfblättrige rote Rose auf silbernem Grund. Die Rose ist seit Jahrhunderten das heraldische Symbol des früher souveränen Fürstentums und, nach der Abdankung der Herrscherfamilie 1918, des Freistaats Lippe. Wie es kommt, dass ein so kleines Territorium einen so prominenten Platz nicht nur im Wappen, sondern auch in der Verfassung des Landes einnimmt, ist eine spannende Geschichte.

Alles begann mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945. Die neuen Herren, die Briten, gingen bald daran, ihre Besatzungszone im Nordwesten Deutschlands angesichts der bevorstehenden Auflösung Preußens neu zu ordnen. So entstand schon 1946 das Land Niedersachsen, dem auch die Schaumburger Lipper zugeschlagen wurden. Heinrich Drake, der die Politik des Freistaats in Detmold seit 1920 maßgeblich mitbestimmte, verhandelte geschickt sowohl mit den beiden neu gebildeten Ländern Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, die beide um Lippe-Detmold warben.

Beitritt mit Sonderrechten

Landespräsident Drake pokerte und trieb den Preis für den Anschluss hoch, um eine größtmögliche Eigenständigkeit für die Zukunft zu sichern. Und da Düsseldorf mehr zu geben bereit war, kam es schließlich zum Anschluss an Nordrhein-Westfalen. Die am 5. Dezember 1946 vereinbarten Modalitäten, die sogenannten Lippischen Punktationen, sicherten dem gewesenen Duodezfürstentum/Freistaat zahlreiche exklusive Sonderrechte. Dazu gehörte neben der Aufnahme der lippischen Rose ins Landeswappen von NRW vor allem die Regelung, dass das ehemalige fürstliche und später freistaatliche Vermögen nicht an die Staatskasse abfloss, sondern im Lande verblieb. Um dessen Nutzung dauerhaft zu gewährleisten, wurde per Gesetz die Einrichtung eines eigenen Landesverbandes Lippe beschlossen.

Naturdenkmal im Landesteil Lippe: die Externsteine. Foto: Pixabay

Naturdenkmal im Landesteil Lippe: die Externsteine. Foto: Pixabay

Dieses Gesetz trat am 12. Oktober 1949 in Kraft. Es regelte die Nutzung und Verwertung von rund 15.800 Hektar forstlich und 3.600 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche sowie eines umfangreichen Immobilienbesitzes. Zu diesem Besitz zählten neben den Schlössern und Liegenschaften der ehemaligen Herrscherfamilie auch das Hermannsdenkmal und das Naturschutzgebiet Externsteine sowie das Landestheater, das Landesmuseum und die Landesbibliothek in Detmold sowie die Staatsbäder in Salzuflen und Meinberg. Ebenfalls wurde festgelegt, dass der Sitz des ostwestfälischen Regierungsbezirks von Minden nach Detmold verlegt werden sollte. Das hatte zur Folge, dass der Landesverband seit 1973 auf Schloss Brake bei Lemgo residiert, wo auch das renommierte Weserrenaissance-Museum seinen Sitz hat. Heinrich Drake, der Inspirator und Architekt dieser Anschlussvereinbarung mit dem Land Nordrhein-Westfalen, wurde nicht nur erster Regierungspräsident, sondern auch der erste langjährige Vorsteher des neu gebildeten Landesverbands.

Podcast mit Experten und Zeitzeugen

Der Verband, der sich in der Traditionslinie von Fürstentum und Freistaat sieht, führt wie diese stolz die lippische Rose als Symbol fort. Seine Zuständigkeit erstreckt sich auf das Territorium des heutigen Landkreises Lippe. In seinem Aufgabenprofil deckt er bei voller Eigenständigkeit einen regionalen Teilbereich des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe ab, der die Sonderrolle Lippes ja seinerseits in seiner Namensgebung zum Ausdruck bringt. Drake hatte in den 1946 abgesprochenen Punktationen festgeschrieben, dass das „Landesvermögen dem lippischen Gebiet“ verbleibt, dass es zum Nutzen der sozialen und vor allem der kulturellen Einrichtungen des neuen Kreises Verwendung finden und damit allen Bürgerinnen und Bürgern zugutekommen soll.

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Die Finanzierung dieser Ausgaben wird überwiegend aus selbst erwirtschafteten Erträgen bestritten. Rund fünf Millionen wendet der LVL (so lautet sein Name in der Kurzform) Jahr für Jahr allein für kulturelle Belange auf. Neben den schon genannten großen lippischen Kultureinrichtungen wären hier etwa die Förderung des Archäologischen Freilichtmuseums Oerlinghausen, die Malerstadt Schwalenberg, die Lippische Kulturagentur mit der Burg Sternberg oder auch das ambitionierte Sommerfestival „Wege durch das Land“ zu nennen. Aber ebenso unterstützt der Verband auch regionale Orchester und Chöre, sowie lokale Kunst-und Kulturvereine in ihrer Arbeit. Der Verband vergibt darüber hinaus den Lippischen Kulturpreis und, zusammen mit der Stadt Detmold und der gleichnamigen Gesellschaft, den Christian-Dietrich-Grabbe-Preis für besondere theatralische Leistungen.

Volker Jakob

„Im Namen der Rose“ erschien in Heft 5/2019 des WESTFALENSPIEGEL

Es ist ein historischer Tag: Vor 75 Jahren, am 21. Januar 1947, tritt das bis dahin eigenständige Land Lippe dem erst fünf Monate zuvor gegründeten Land Nordrhein-Westfalen bei. Eine Sonderfolge des Ausstellungs-Podcasts „Unser Land – Geschichten aus 75 Jahren NRW“ mit Experten- und Zeitzeugeninterviews geht den historischen Ereignisse rund um den Lippe-Beitritt vor 75 Jahren auf den Grund. Die Folge ist ab dem 21. Januar über die Webseite der Jubiläumsausstellung www.unser-land.nrw sowie auf allen gängigen Podcast-Portalen kostenfrei abrufbar.

„Lippe-Wochenende“: Zudem veranstaltet die Stiftung Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen in der Jubiläumsausstellung im Behrensbau am Mannesmannufer in Düsseldorf vom 1. bis 3. April ein „Lippe-Wochenende“ mit einem besonderen Veranstaltungsprogramm für die ganze Familie.

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