In temporären Impfstellen sollen in NRW mehr Menschen eine Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Foto: Tim Reckmann/pixelio
03.11.2021

Impfstelle statt Impfzentrum

Stationäre Impfstellen statt großer Impfzentren – erste Genehmigungen für diese Einrichtungen hat das NRW-Gesundheitsministerium in Westfalen erteilt. 

Vor dem Hintergrund steigender Infektionszahlen und einem wachsenden Bedarf an Auffrischungsimpfungen wird eine Wiederöffnung der Impfzentren diskutiert. NRW setzt dagegen auf zeitlich befristete Impfstellen. In Bochum und Hagen sind solche Einrichtungen schon genehmigt worden. „In Bochum wollen wir ein stationäres Impfangebot während des Weihnachtsmarktes anbieten“, sagt Stadtsprecher Thomas Sprenger. An den Werktagen und an einem Tag des Wochenendes sollen Teams vor Ort sein, um die Menschen zu impfen. Dabei sollen reguläre Impfungen und Auffrischungsimpfungen – sogenannte Booster – durchgeführt werden können. Das Angebot soll auf die Zeit des Weihnachtsmarktes (18.11. bis 23.12.) begrenzt bleiben.

Auch in Hagen soll während des Weihnachtsmarktes ein zusätzliches Impfangebot gemacht werden. „Die Prämisse des Landes lautet niederschwellige Angebote anzubieten – diese sind auf großen Veranstaltungen und Märkten am besten aufgehoben“, sagt Michael Kaub, Sprecher der Stadt. In Hagen gehen die Verantwortlichen davon aus, dass 80 bis 100 Impfungen pro Arzt und Tag durchgeführt werden können. Wie viele Ärzte in der temporären Impfstelle zum Einsatz kommen, ist aber noch nicht klar.

Kritik an Spahns Plänen

Ende September waren in NRW die Impfzentren geschlossen worden. Seither findet das Impfgeschehen – abgesehen von mobilen Teams, die weiter in zahlreichen Städten im Einsatz sind – hauptsächlich in den Arztpraxen statt. Vor dem Hintergrund steigender Infektionszahlen und einer Zunahme der Impfdurchbrüche hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn eine erneute Öffnung der Impfzentren gefordert, damit die Booster-Impfungen für alle Bürger möglichst schnell erfolgen könnte.

Aus Westfalen gibt es für diesen Vorstoß Kritik. „Dank wenig hilfreicher Vorschläge der Berliner Politik, die ein sortiertes Vorgehen analog der Empfehlungen der Ständigen Impfkommission konterkarieren, debattiert die Öffentlichkeit wieder wild über das richtige Vorgehen bei der Booster-Impfung. Dabei haben unsere Ärztinnen und Ärzte längst mit dem Impfen begonnen und legen ein beachtliches Tempo vor“, erklärt der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL). Allein in der vergangenen Woche seien in Westfalen-Lippe rund 46.000 Auffrischungsimpfungen durchgeführt, eine Woche zuvor waren es noch rund 26.000. Auch wenn die nächsten Wochen für die Praxen sicher zum Kraftakt würden, seien diese gerüstet, heißt es.

Reaktivierung der Impfzentren mancherorts schwierig

Auch die Landräte der Münsterlandkreise und der Oberbürgermeister der Stadt Münster lehnen eine erneute Öffnung der Impfzentren ab. „Die Münsterlandkreise und die Stadt Münster weisen im Bundesvergleich überdurchschnittliche Impfzahlen auf – die Impfbereitschaft der Bevölkerung ist hier groß. Der Schwerpunkt des Impfgeschehens liegt dabei unvermindert im Bereich der niedergelassenen Ärzteschaft und deren eigener Infrastruktur, die wir in der Erfüllung ihres Gesamtauftrages nicht dadurch schwächen sollten, indem wir erneut umfangreich Personal in den Dienst kommunaler Impfzentren umsteuern“, so die Erklärung.

Eine Reaktivierung der Impfzentren, die das Land NRW ohnehin ablehnt, wäre auch nicht überall ohne Weiteres realisierbar. Manch ein Impfzentrum ist nicht im Standby-Modus sondern bereits abgebaut. So etwa in Dortmund. Dort war die Phoenixhalle das Impfzentrum der Stadt. Inzwischen finden dort aber wieder Veranstaltungen statt.

jüb/wsp

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