„Leader“ in Gefahr
In Westfalen droht der Wegfall des EU-Förderprogramms im ländlichen Raum. Initiativen warnen vor den Folgen.
„Leader“, kurz für „Liaison Entre Actions de Développement de l’Économie Rurale“, also „Verbindung von Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft“, zählt zu den erfolgreichsten Förderprogrammen der Europäischen Union. In der aktuellen Förderperiode erhalten 33 Regionen in Westfalen finanzielle Unterstützung, um Lebensqualität, Gemeinsinn und Wirtschaft im ländlichen Raum zu stärken. 2027 könnte damit jedoch Schluss sein, denn die Europäische Kommission stellt im Zuge ihrer Haushaltsplanung auch das seit 30 Jahren existierende Programm auf den Prüfstand.
Der südwestfälische EU-Abgeordnete Dr. Peter Liese (EVP) warnt vor einem „Aus“ von „Leader“. Er befürchtet, dass mit einer Änderung der EU-Förderpolitik die ländlichen Räume ein Stück weit aus dem Fokus verschwinden: „Das Leader-Programm ist wichtig, weil Projekte von Vereinen und Ehrenamtlichen erarbeitet und dann gemeinsam von EU und Land finanziert werden. Vor Ort in den Städten und Gemeinden wird gesellschaftlicher Zusammenhalt und Demokratie gefördert.“ Liese kennt und schätzt „Leader“ seit vielen Jahren. „Das Programm hat sich bewährt und wurde stetig weiterentwickelt. Bei den Förderungen geht es um vergleichsweise geringe Beträge, die in den einzelnen Regionen aber viel bewirken“, sagt er. Statt einer Abschaffung wünscht er sich eine Vereinfachung von Förderanträgen und weniger Bürokratie, so dass Vereine leichter profitieren können.

Ein historischer „Mandelwagen“ dient heute als Raststation, ermöglicht durch die Leader-Förderung. Foto: Leader-Region SauerSiegerland
Die Vielfalt der Leader-Projekte ist groß. In vielen Fällen geht es um kleine Vorhaben, zum Beispiel in der LeaderRegion SauerSiegerLand. Hier haben kürzlich drei Projekte die Förderzusage erhalten, darunter der „Kinoversaal willkommen“: In Hilchenbach wurde ein Theatersaal mit Technik ausgestattet, um Filmvorführungen, aber auch kreative Möglichkeiten für Eigenproduktionen und andere Veranstaltungen zu ermöglichen. „Hinter dieser und anderen Ideen steckt viel bürgerschaftliches Engagement.
Verein unterstützt Initiativen
Dabei ist nicht nur das Ergebnis wichtig, sondern auch der ganze Entwicklungsprozess, in dem Bürgerinnen und Bürger zusammenarbeiten“, sagt Franziska Marie Eick vom Regionalmanagement der Leader-Region SauerSiegerLand. Seit 2023 ist der Verein aktiv, um Initiativen, Kommunen oder auch einzelne Personen aus Hilchenbach, Lennestadt und Kirchhundem auf dem Weg zur Förderung zu unterstützen. Mit bis zu 250.000 Euro werden Leader-Projekte gefördert; bis zu 20.000 Euro können Kleinprojekte erhalten. Umgesetzt wurde so beispielsweise der Umbau eines historischen Kirmeswagens zur Versorgungsstation mit Rastplatz für Wanderer in Lennestadt-Hachen. „Solche Vorhaben fördern den Austausch und auch die demokratische Teilhabe vor Ort“, hat Regionalmanagerin Antonia Hoffmann erfahren.
Voraussichtlich am 16. Juli will die Europäische Kommission eine Entscheidung über die Zukunft von „Leader“ treffen. Kurz zuvor warnt der Verein der SauerSiegerLand-Region vor den Folgen eines möglichen Wegfalls der Förderung. „Eine Besonderheit an Leader ist, dass in diesem Rahmen auch die Begleitung der Initiativen durch ein Regionalmanagement finanziert wird. Dazu gibt es keine vergleichbaren Programme“, sagt Franziska Marie Eick. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern zahlreicher Leader-Regionen hat sie eine europäische Petition zum Erhalt des Förderprogramms unterstützt. Viele Projekte, die den ländlichen Raum nachhaltig stärken, könnten wegfallen, heißt es darin.
Annette Kiehl, wsp