Augmented Reality Anwendungen sollen den Besuch im Museum zu einem Erlebnis machen. Foto: jüb
18.06.2019

LWL stellt Konzept für Kulturpolitik vor

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe hat in Herne sein neues „Kulturpolitisches Konzept“ vorgestellt. Wichtige Schwerpunkte dabei sind unter anderem die Digitalisierung und der Bereich „Kinder und Jugend“. 

„Im Bereich Kultur haben sich die Rahmenbedingungen radikal verändert“, sagte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger. Dazu zählten unter anderem die Bedürfnisse und Ansprüche der Besucher, die Museen und Ausstellungen und die „Durchdringung mit Digitalisierung“. Darauf habe man mit dem neuen Kulturpolitischen Konzept reagiert. Vorausgegangen war ein langer Prozess, an dem unter anderem Politiker, Kulturschaffende und Mitarbeiter von Museen beteiligt waren. Auch die Schulen in Westfalen-Lippe waren über eine umfassende Befragung eingebunden worden.

„Kein Fahrplan, vielmehr ein Kompass“

Insgesamt zehn konkrete kulturpolitische Ziele sind in dem Papier formuliert worden. Dabei versteht sich das Konzept nicht als starrer Handlungsleitfaden. „Es ist kein Fahrplan, sondern vielmehr ein Kompass“, sagte die Kulturdezernentin. Im Bereich „Digitalisierung“ stellte der LWL neue Anwendungen für die Museen der Region vor. So wurde für das Archäologie-Museum in Herne eine App entwickelt, die sich jeder Besucher auf das Smartphone oder Tablet laden kann. Beim Gang durch die Ausstellung kann man das Gerät auf bestimmte Tafeln richten, und auf dem Display erscheint zum Beispiel eine Bäuerin, die Mehl herstellt (Augmented Reality-Anwendung). „Auf diese Weise wird die Ausstellung lebendig“, so Rüschoff-Parzinger.

LWL-Kulturdezernentin Barbara Rüschoff-Parzinger mit einem Tablet in der Ausstellung des Archäologie-Museums in Herne. Foto: jüb

LWL-Kulturdezernentin Barbara Rüschoff-Parzinger mit einem Tablet in der Ausstellung des Archäologie-Museums in Herne. Foto: jüb

Außerdem könne man so relativ schnell auf neueste Erkenntnisse aus der Forschung reagieren und die „Augmented Reality“-Anwendungen anpassen. Das gilt auch für sogenannte holographische Vitrinen. Dort wird ein Originalexponat gezeigt und durch eine Holographie ergänzt. Insgesamt sollen im Archäologiemuseum bald fünf solcher Vitrinen zu sehen sein. Mit Hilfe von acht Tafeln sollen dort Figuren über die App zum Leben erweckt werden können.

Barrieren in den Köpfen abbauen

„Wir wollen Dienstleister im Bereich der Kultur sein“, sagte die Kulturdezernentin. So will der LWL Mitarbeiter einstellen, die die Museen in Sachen Digitalisierung beraten und ihnen bei der Umsetzung von Projekten helfen. Zudem sollen dem Konzept zufolge wieder mehr Kinder und Jugendliche für Kultur und die Museen begeistert werden. „Wir wissen aus Umfragen, dass die klassische Führung bei dieser Zielgruppe nicht ankommt. Daher benötigen wir neue Formate, müssen Erfahrungen mit allen Sinnen möglich machen“, sagte die Dezernentin. Es ginge auch darum, Barrieren in den Köpfen abzubauen.

Ein Hologramm ergänzt ein Exponat im Archäologie-Museum in Herne. Foto: jüb

Ein Hologramm ergänzt ein Exponat im Archäologie-Museum in Herne. Foto: jüb

Eine Maßnahme, die bereits seit dem 1. April umgesetzt ist, scheint jedenfalls schon gut zu greifen. Denn seit April haben Kinder und Jugendliche freien Eintritt in die Museen des LWL. Ein Mobilitätsfonds ermöglicht zudem die kostenfreie Anreise zu den Ausstellungen. „In einigen Museen sind die Zahlen junger Besucher seither enorm gestiegen“, berichtet Rüschoff-Parzinger. Das gelte zum Beispiel für das Industriemuseum Lage, das Naturkundemuseum in Münster und die Freilichtmuseen in Detmold und Hagen. Das sei auch deshalb ein gutes Zeichen, weil „wir wissen, dass man über freien Eintritt allein niemanden ins Museum locken kann“, so Rüschoff-Parzinger: „Wichtig ist, dass die Inhalte stimmen.“

jüb

Das Konzept wurde von den Gremien des LWL einstimmig beschlossen und ist im Internet einsehbar. Mehr Informationen gibt es hier.

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