Bei der Privat-Brauerei Strate in Detmold haben drei Frauen das Sagen: Simone, Renate und Friederike Strate (v.l.). Foto: Privat-Brauerei Strate
16.02.2022

Nachfolge geregelt

Die Suche nach dem nächsten Chef im Unternehmen ist eine große Herausforderung – gerade wenn es um Familienbetriebe geht: Allein im Bezirk der IHK Nord Westfalen stehen in den kommenden Jahren 35.000 Übergaben an. Darin liegen auch für Frauen als Unternehmerinnen gute Chancen, zeigte Expertenrunde auf Einladung des Westfalen e.V.

Bei der Privat-Brauerei Strate in Detmold ist die Nachfolge problemlos gelungen. Dort haben drei Frauen das Sagen: Mutter Renate Strate und ihre beiden Töchter Friederike und Simone. „Die Übernahme war in unserem Unternehmen gut vorbereitet. Wir sind schon früh beteiligt worden“, so Friederike Strate, die einmal die jüngste Braumeisterin Deutschlands war, bei einer Podiumsdiskussion, zu der der Westfalen e. V. eingeladen hatte. Ihre Schwester Simone ergänzt: „Wir sind ja hier in der Brauerei groß geworden. Unser Vater hat uns früh mit auf den Weg gegeben, dass wir das machen sollen, was uns Spaß macht.“

Angelika Thaler-Jung, Vorstandsvorsitzende vom Verband deutscher Unternehmerinnen, ermutigte mehr Frauen, sich für das Unternehmertum zu begeistern. Nachfolge sei einfacher als eine Neugründung, da man auf bestehenden Strukturen aufbauen könne, so Thaler-Jung. Der Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertages, Berthold Schröder, sieht gerade bei diesem Thema Nachholbedarf: Zwar werden in 75 Prozent der Handwerksbetriebe die Unternehmer von Ehefrauen oder Partnerinnen unterstützt. Sie sitzen aber selten selbst im Chefsessel.

Thema auch im WESTFALENSPIEGEL

In seiner aktuellen Ausgabe berichtet auch der WESTFALENSPIEGEL über das Thema Unternehmensnachfolge. Ein gelungenes Beispiel, das im Magazin vorgestellt wird, ist die OPC Overnight Parcel Courier Münster GmbH. Dort ist Isabel Habla seit knapp zwei Jahren Geschäftsführerin. Gemeinsam mit ihrem Bruder Christopher Brunßen führt sie das Unternehmen weiter, das ihr Vater, Ulrich Habla, 1996 gegründet hat.

Die neue Generation ist bereit: Isabel Habla und ihr Bruder Christopher Brunßen sind die neuen Chefs im von ihrem Vater Ulrich Habla gegründeten Unternehmen. Foto: Jürgen Bröker/wsp

Die neue Generation ist bereit: Isabel Habla und ihr Bruder Christopher Brunßen sind die neuen Chefs im von ihrem Vater Ulrich Habla gegründeten Unternehmen. Foto: Jürgen Bröker/wsp

Damit hat Ulrich Habla das geregelt, was für viele Unternehmen in den kommenden Jahren noch ansteht: die Nachfolge. Allein im Bezirk der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen, der das Münsterland und die Emscher-Lippe-Region umfasst, sind es bis zum Jahr 2029 etwa 35.000 Familienunternehmen mit rund 200.000 Beschäftigen, die ihre Übergabe angehen sollten, heißt es von der Kammer. „Ihre Eigentümer sind 55 Jahre und älter und sollten sich mit der Nachfolge beschäftigen, da der Übergabeprozess einige Jahre dauern kann“, weiß Michael Meese, Experte für das Thema Nachfolge bei der IHK Nord Westfalen. Schließlich gilt die Realisierung der Wechsel von einer Generationen zur nächsten als eine der größten Herausforderungen im Zyklus von Familienunternehmen.

IHK-Nachfolger-Club

Verschiedene Initiativen wollen bei der Vermittlung helfen. So baut die IHK Nordrhein-Westfalen aktuell eine Nachfolge-Akademie auf, um Interessierten das entsprechende Rüstzeug an die Hand zu geben. Die ersten Kurse dazu liefen in Münster und waren ausgebucht. Auch regional gibt es eigene Initiativen. Bei der IHK Nord Westfalen sind etwa 150 Interessierte in einem „Nachfolger Club“ registriert. Sie suchen ein Unternehmen, das sie übernehmen können.

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Jetzt im aktuellen WESTFALENSPIEGEL

Das Engagement der IHK auf diesem Gebiet geschieht nicht ohne Grund. „Für die wirtschaftliche Entwicklung der Region ist es wichtig, dass gesunde Unternehmen Nachfolgerinnen und Nachfolger finden“, sagt Sven Wolf, Geschäftsbereichsleiter Weiterbildung und Unternehmensförderung bei der IHK Nord Westfalen. Das erhält Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft. Doch die Unternehmensübergabe ist ein komplexer und langwieriger Prozess.

„Ist der Chef auch da?“

Auch bei OPC in Münster war es ein langer Prozess. Isabel Habla und ihr Bruder haben die Aufgaben untereinander klar verteilt. „Das ist sehr hilfreich“, sagt Habla. Dennoch kam es hin und wieder zu Spannungen. Auch mit den Mitarbeitern. „Man darf ja nicht vergessen, dass man etwas übernimmt, was über Jahre in bestimmten Bahnen gut gelaufen ist“, so Isabel Habla. Wenn man daran etwas ändert, zieht vielleicht nicht jeder mit. Auch die Kunden mussten sich umstellen. Bei manch einem habe das bis heute noch nicht ganz funktioniert, erzählt Habla mit einem Lächeln. Wenn sie sich am Telefon meldet, wird sie manchmal immer noch gefragt: „Ist der Chef auch da?“

Jürgen Bröker/wsp

Lesen Sie auch unser Interview mit Prof. Tom Rüsen vom Wittener Institut für Familienunternehmen über die Schwierigkeit für Unternehmer einen Nachfolger zu finden: „Nachfolge funktioniert nicht von selbst“.

Die gesamte Reportage zum Thema Unternehmensnachfolge lesen Sie in Heft 1/2022 des WESTFALENSPIEGEL. Gerne senden wir Ihnen im Rahmen unseres Probeabos zwei kostenlose Ausgaben zu. Hier geht es zum Probeabo

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