Nachwuchs wird im Fleischerhandwerk dringend gesucht. Foto: Verband Fleischerhandwerk
22.08.2019

Nachwuchsmangel an Berufsschulen für Fleischer

In einer Metzgerei zu arbeiten, das können sich nur noch wenige junge Menschen vorstellen. Im kürzlich gestarteten Ausbildungsjahr beginnen gerade einmal 17 Jugendliche im Münsterland ihre Lehre als Fleischer.

Der Nachwuchsmangel hat nicht nur für die Handwerksbetriebe Konsequenzen, die auf der Suche nach neuen Mitarbeitern sind. Auch die vier Berufsschulen im Münsterland, an denen die angehenden Fleischer während ihrer dreijährigen Ausbildung unterrichtet werden, sind in Gefahr. Bereits vor einigen Jahren wurde die Berufsschulklasse in Warendorf wegen zu geringer Anmeldezahlen geschlossen.

Mindestens 16 Schüler sollen in den Klassen der jeweiligen Standorte sitzen, gibt das Schulgesetz für NRW als sogenannter Klassenfrequenzrichtwert vor. Diese Zahl werde jedoch schon seit einiger Zeit an den Berufskollegs in Borken, Recklinghausen, Coesfeld und Rheine für den Ausbildungsberuf des Fleischers deutlich unterschritten, berichtet Jörg Kuiper, Abteilungsleiter Berufsausbildung der Handwerkskammer Münster.

Die Bezirksregierung Münster bestätigt diese Entwicklung. Es sei die „oberste Priorität“, die Ausbildung in der Fläche des Regierungsbezirkes zu erhalten, macht die Behörde deutlich. Als Mittel der Wahl, um den Unterricht weiterhin an vier Standorten anzubieten, gilt eine flexible Klassenbildung. Ein Beispiel hierfür sind Lerngruppen. „Dabei werden in Fächern mit fachbereichsbezogenen Bildungsplänen angehende Fleischer mit angehenden Bäckern bzw. Konditoren oder Fachverkäufern im Lebensmittelhandwerk gemeinsam unterrichtet“, erklärt Kuiper.

Ziel ist der Erhalt der Berufskollegs

Auch die Handwerkskammer setzt sich dafür ein, die vier Berufskollegs für Fleischer im Regierungsbezirk Münster zu erhalten, denn eine Schließung bedeutet nicht allein längere Fahrtwege für Schüler. „Die Fleischereibetriebe wünschen sich eine ortsnahe Beschulung für ihre Auszubildenden. Die Erfahrung lehrt leider, dass ein Wegfall von Schulen vor Ort zu einem signifikanten Einbruch der Ausbildungszahlen in dem betroffenen Gewerk führt“ so Kuiper.

Der Verband des deutschen Fleischerhandwerks kennt ähnliche Probleme aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands. „Die Betriebe sind erfolgreich, denn hochwertiges Fleisch und Beratung sind gefragt. Ihr größtes Problem ist es zurzeit, Nachwuchskräfte zu finden“, sagt Sprecher Gero Jentzsch.  „Wenn Fleischereien schließen, dann liegt das fast immer daran, dass kein Nachfolger vorhanden ist.“

wsp

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