Ob basteln oder toben: Tagesmütter und Tagesväter sind unverzichtbar in der U3-Betreuung. Foto: Rainer Sturm / Pixelio
01.08.2019

„Pfeiler der frühkindlichen Bildung“

Tagesmütter und Tagesväter aus Münster fordern mehr Geld und bessere Bedingungen für ihre Arbeit. Die Kindertagespflege sei ein unverzichtbarer Pfeiler der frühkindlichen Bildung in der Stadt, argumentieren die Initiatoren des Antrags.

4,75 Euro pro Stunde und Kind erhalten die Tagespflegepersonen – so lautet die offizielle Bezeichnung der Tageseltern – derzeit von der Stadt Münster. Darin enthalten ist bereits eine Betriebskostenpauschale. Dieser Stundensatz sei nicht mehr angemessen, erläutert Maike Wolf vom Netzwerk Kindertagespflege: „Wir alle arbeiten gern mit den Kindern. Aber der Gewinn, den wir als Selbstständige erzielen, reicht nicht aus, um ein Einkommen zu erreichen, von dem wir unsere Lebenshaltungskosten in Münster bezahlen und uns absichern können.“ Neben einer Erhöhung des Betrages auf sechs Euro fordern die Tagesmütter und -väter zudem eine bessere soziale Absicherung, dazu zählen 30 Tage vergüteten Erholungsurlaub und 30 Tage fortlaufende Zahlung im Krankheitsfall. Derzeit wird die Vergütung lediglich für 20 Urlaubstage gezahlt. Ein Ziel des Netzwerks ist es, dass die Bezahlung der Tagespflegepersonen dem Gehalt von Erziehern ähnelt.

Tageseltern füllen Betreuungslücke

Knapp ein Drittel der Kinder unter drei Jahren wird in Münster von insgesamt rund 280 Tagespflegepersonen betreut. „Ohne die Kindertagespflege ist die Stadt Münster nicht in der Lage, den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem ersten Lebensjahr für alle Kinder wohnortnah und bedarfsdeckend sicherzustellen“, heißt es in dem Antrag des Netzwerks.

Maike Wolf betreute bis zum Sommer gemeinsam mit einer anderen Tagesmutter neun unter dreijährige Kinder in einer Großtagespflege in Münster. Sie ist überzeugt von ihrem Beruf und sucht derzeit eine neue Kollegin. Die finanziellen Rahmenbedingungen machen es jedoch schwer, eine qualifizierte Kraft zu finden. „Es gibt ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher, die gern in der Tagespflege arbeiten möchten, aber nicht zu diesen Konditionen“, sagt die ausgebildete Ergotherapeutin.

Wieviel Geld Tagespflegepersonen verdienen, fällt regional sehr unterschiedlich aus. Die Sätze, die die Jugendämter der Kommunen zahlen, reichen von 2,70 Euro bis 7,98 Euro, zeigen Erhebungen des Landesverbandes Kindertagespflege NRW; das Mittel liege bei etwa 5,50 Euro.

Ein Drittel der Kleinkinder wird in der Tagespflege betreut. Foto: Helene Souza / Pixelio

Ein Drittel der Kleinkinder wird in der Tagespflege betreut. Foto: Helene Souza / Pixelio

Die Anforderungen an die Qualifikation von Tagesmüttern und -vätern seien seit den 1990er Jahren stetig gestiegen, berichtet die stellvertretende Landesvorsitzende des Verbands, Inge Losch-Engler. Was früher oftmals eine vorübergehende Tätigkeit von Müttern war, habe sich zu einem Beruf entwickelt: „Heute entscheiden sich die Frauen und Männer bewusst für diese Tätigkeit. Das kann man auch daran erkennen, dass etwa ein Drittel der Tageseltern pädagogische Fachkräfte sind.“

Maike Wolf hat viele Stunden in ihre Fortbildung und in den Aufbau ihrer Tagespflege investiert. Dies soll sich nun auch in der Vergütung widerspiegeln, sagt sie: „Unsere Arbeit braucht Wertschätzung und das muss sich auch finanziell ausdrücken.“

wsp

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