19.08.2025

„Positive Themen statt Hass und Hetze“

Am 14. September werden in den Kommunen auch die Integrationsräte gewählt. Tayfun Keltek, Vorsitzender des Landesintegrationsrats NRW, spricht über das Engagement für Menschen mit internationaler Familiengeschichte und über den Kampf gegen Rechtsextremismus.

Herr Keltek, warum ist die Wahl zu den Integrationsräten wichtig?
Tayfun Keltek: In der kommunalen Politik werden Themen, die Menschen mit internationaler Familiengeschichte betreffen, nicht immer ausreichend berücksichtigt. Politikerinnen und Politikern fehlt häufig die Perspektive der Menschen, die mit mehreren Sprachen und Kulturen groß geworden sind. Auch das Potenzial, das in internationalen Kulturen und verschiedenen Sprachen liegt, spielt in der Gesellschaft viel zu selten eine Rolle. Die Integrationsräte setzen sich deshalb zum Beispiel dafür ein, dass bei Kindern und Jugendlichen das Erlernen von Herkunftssprachen gestärkt wird. An den weiterführenden Schulen sollten beispielsweise nicht nur Englisch, Französisch und Latein unterrichtet werden, sondern zum Beispiel auch Türkisch und Polnisch.

–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––

Integrationsräte

In NRW verfügt jede Gemeinde mit mehr als 5000 ausländischen Einwohnerinnen und Einwohnern über einen Integrationsrat, der sich ungefähr zu zwei Dritteln aus Migrantenvertretern und einem Drittel Ratsmitgliedern zusammensetzt. Die Wahl der Integrationsräte findet am 14. September zusammen mit der Kommunalwahl statt. Wahlberechtigt sind Ausländer sowie eingebürgerte Migranten, Deutsche mit doppelter Staatsangehörigkeit und Spätaussiedler. 

–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––

Was haben die Integrationsräte erreicht?
Die Integrationsräte haben beispielsweise dazu beigetragen, Bilingualität in Kindertagesstätten zu fördern. Denn das Erlernen und Beherrschen der Herkunftssprache ist eine Stärke und unterstützt auch die Aneignung weiterer Sprachen.

Tayfun Keltek

Tayfun Keltek

Vor welchen Herausforderungen stehen die Integrationsräte in Zeiten rechtsextremistischer Tendenzen?
Menschen mit internationaler Familiengeschichte sind immer wieder Zielscheibe von Rassismus und Rechtsextremismus. Umso wichtiger ist es, diese Menschen zu stärken und auf ihre nachgewiesenen Fähigkeiten hinzuweisen. Eine internationale Herkunft ist eine Kompetenz für Ausbildung und Arbeitsmarkt. Das kommt in der öffentlichen Diskussion viel zu kurz. Deshalb ist eine hohe Wahlbeteiligung bei den Integrationsratswahlen wichtig. Die Gremien fördern Maßnahmen gegen Rassismus und setzen auf positive Themen statt auf Hass und Hetze. Die Einflussmöglichkeiten in der Stadtpolitik sind umso größer, je mehr Menschen den Integrationsrat mit ihrer Stimme stärken.

Der Kommunalwahlkampf ist in vollem Gange. Für die Wahl der Integrationsräte sind mir aber noch keine Plakate aufgefallen.
Das ist sicherlich ein Symptom dafür, dass die Integrationsräte zu wenig bekannt sind und dass sie auch nicht die Wertschätzung erhalten, die sie verdienen. Die Mitglieder dieser Räte gehören nicht unbedingt immer Parteien an. Daher fehlen oft Strukturen und auch Gelder, die es ermöglichen, in der Öffentlichkeit zu werben. Hier würde ich mir wünschen, dass die Integrationsräte lauter werden, um auf ihre Anliegen und Themen aufmerksam zu machen und auch, dass Medien diese öfter in ihrer Berichterstattung berücksichtigen.

Interview: Annette Kiehl, wsp

Lesen Sie auch im Bereich "Politik / Wirtschaft"