29.04.2019

Provenienzforschung: Raubkunst auf der Spur

Die Herkunft von Kunstwerken zu recherchieren, zählt zu den wichtigen Aufgaben eines Museums. Insbesondere für die Zeit des Nationalsozialismus ist es wichtig, die Geschichte von Kunstobjekten zu klären, um mögliche Fälle von Raub zu ermitteln. Die Ausstellungshäuser können die sogenannte Provenienzforschung häufig aber nicht aus eigener Kraft leisten. Ein Projekt der Landschaftsverbände Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL) soll die Museen hier unterstützen.

Anna Heckötter und Annika Offergeld von der LVR-Museumsberatung sind zurzeit vor Ort im Gustav-Lübcke-Museum in Hamm. „Mit der Erstcheck-Methode prüfen wir alle Objekte, die seit 1933 erworben wurden. Damit untersuchen wir, ob es einen Zusammenhang mit NS-Raub gibt“, so die Wissenschaftlerinnen. „Hierzu sichten wir die Inventarbücher, Objektakten und weitere Archivmaterialien. Verdachtsfälle können zum Beispiel aus jüdischem Vorbesitz, Überweisungen des Finanzamts oder aus unbekannter Herkunft stammen.“ Im Anschluss an die Untersuchungen geben die Expertinnen Empfehlungen für weitere Schritte.

Zum Erstcheck gehört auch die Sichtung der Inventarbücher. Foto: LVR / Heckötter

Zum Erstcheck gehört auch die Sichtung der Inventarbücher.
Foto: LVR / Heckötter

Dr. Diana Lenz-Weber, stellvertretende Direktorin des Museums, begrüßt das Engagement: „Wir freuen uns, dass unser Museum für den Erstcheck ausgewählt worden ist. Die Sammlung ist das Herzstück eines Museums, und die Erforschung der Herkunft der Objekte ist eine zentrale Aufgabe, die wir im Arbeitsalltag in der Tiefe leider nur schwer leisten können. Der Erstcheck ist ein guter Schritt, um mehr über die Geschichte unserer Objekte, aber auch unseres Museums zu erfahren. Der Abschlussbericht wird uns helfen, den Bedarf nach vertiefender Provenienzforschung benennen zu können.“

Die Erkenntnisse des Hammer Erstchecks fließen in die Ergebnisse des Projekts „Provenienzforschung in NRW“ ein und werden im Herbst 2019 veröffentlicht.

wsp

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