Die Talbrücke Rahmede auf der A45 ist seit Anfang Dezember gesperrt. Foto: Autobahn Westfalen
31.01.2022

Region hängt an der Lebensader A45

Die Sperrung der Talbrücke Rahmede bei Lüdenscheid stellt betroffene Anwohner und Unternehmen vor enorme Herausforderungen. Die Politik verspricht Hilfe. Aber kommt diese schnell genug?

„Der Bund darf uns hier nicht allein lassen. Wir brauchen effektive und unbürokratische Unterstützung. Wenn wir nicht schnell Lösungen finden, ist das der Sargnagel für die Region.“ Mit diesen dramatischen Worten brachte der Landrat des Märkischen Kreises, Marco Voge, die Lage rund um die seit gut acht Wochen gesperrte Talbrücke Rahmede auf der A45 auf den Punkt. Und Lüdenscheids Bürgermeister Sebastian Wagemeyer ergänzte: „In meiner Sprechstunde sitzen Menschen, die gesundheitlich nicht mehr können oder die um ihre wirtschaftliche Existenz bangen.“

Seit der Brückensperrung rollen Tausende Fahrzeuge auf Umleitungsstrecken, die für solche Verkehrsmengen nicht ausgelegt sind. Allein durch Lüdenscheid quälen sich täglich 20.000 Fahrzeuge, darunter auch etwa 6500 Lkw. „Unsere Teams sind mit Hochdruck dabei, die Grundlagen zu ermitteln und sowohl die Genehmigung voranzutreiben als auch Abriss und Neubau der Talbrücke Rahmede vorzubereiten“, versichert Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin der Autobahn Westfalen GmbH. Zahlreiche notwendige Maßnahmen seien bereits getroffen. Dazu gehören Gespräche mit Grundstückseigentümern oder konkrete Planungen für die Schaffung von Ersatzquartieren für die in und an der Brücke lebenden Tiere wie Wanderfalken oder Fledermäuse. Unklar ist dagegen noch, ob die alte Brücke gesprengt werden kann. Das wird derzeit von Experten mit Computer-Berechnungen geprüft.

Problematische Umleitungsstrecken

„Wir tun alles, was wir können, um Anwohner und Unternehmen in der Betroffenen Region zu helfen“, sagt NRW-Verkehrsminsiterin Ina Brandes. Derzeit werde geprüft, wie man mehr Güterverkehr auf die Schiene verlagern könne und ob es im Öffentlichen Nahverkehr noch Potenziale gebe, so die Ministerin. Auch weitere Umleitungsstrecken werden geprüft. Problematisch sei dabei, dass die Umleitungsstrecke über die B54 noch nicht von Lkw genutzt werden könne. Dort sind einige Brücken zu niedrig. Das soll sich schnellstmöglich ändern.

Die gesperrte Rahmedetalbrücke aus der Luft. Foto: Autobahn Westfalen

Die gesperrte Rahmedetalbrücke aus der Luft. Foto: Autobahn Westfalen

Nicht nur die Talbrücke Rahmede muss schnell ersetzt werden. Alle 60 Brücken der A45 müssen auf Dauer erneuert werden heißt es. Damit dies schneller gelingt, hat das Land ein 10-Punkte-Programm für mehr Tempo bei der Errichtung von Verkehrsinfrastruktur vorgelegt. „Darin enthalten ist zum Beispiel ein 300-Millionen-Euro-Sonderfonds. Damit gewinnen wir mehr Geschwindigkeit und wir schaffen einen Planungsvorrat, so dass Bauprojekte ohne Zeitverzug angegangen werden“, so Brandes weiter.

Strukturelle Hilfe gefordert

Die Region hängt an der Lebensader A45, macht NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart deutlich. Daher sollen Unternehmen Hilfen erhalten. Um besonders betroffene Betriebe unterstützen zu können, seien Veränderungen im EU-Beihilferecht notwendig. Beihilfen seien bisher wegen Naturkatastrophen oder auch wegen der Pandemie vorgesehen, aber nicht aufgrund infrastruktureller Probleme, so der Minister.

Lüdenscheids Bürgermeister hofft darauf, dass die Lösungen nicht nur auf Kompensation sondern auch auf Investition in die Region abzielen. Schließlich seien zum Beispiel die Umleitungsstrecken für die aktuelle Verkehrslast nicht ausgelegt. In einigen Jahren müssen diese Straßen repariert werden. Landrat Voge machte in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass andere Regionen bei ihren strukturellen Problemen vom Bund unterstützt wurden. Er verwies auf das Ruhrgebiet oder die Tagebaugebiete. Ein ähnliches Vorgehen wünscht er sich auch für Südwestfalen. „Wir sind die wirtschaftsstärkste Region in NRW, und das möchten wir auch bleiben. Von den Hilfen von Bund und Land hängt es ab, ob das gelingt“, so Voge.

jüb/wsp

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