21.12.2011

Sanierungsstau: U-Bahnanlagen werden zur Kostenfalle

Westfalen (wh). In den 1970er und 80er Jahren förderten Bund und Land den Bau von U-Bahnlinien großzügig und übernahmen bis zu 90 Prozent der Kosten. Nun stehen bei vielen Anlagen in Westfalen umfangreiche Sanierungsarbeiten an – für die die Stadtwerke als Betreiber selbst zahlen sollen. Sie fordern deshalb einen Wandel der Förderpolitik.
Diese sieht nämlich vor, dass nur Neuanschaffungen mit einem zusätzlichen Nutzen mit bis zu 85 Prozent vom Land finanziert werden. Der reine Ersatz von defekten Anlagen wird hingegen nicht bezahlt.
Rolltreppen, Überwachungsanlagen und Brandschutz: Der Betrieb von U-Bahnen ist aufwändig und in der Regel teurer als ein oberirdisches Netz. Vor allem, wenn die Anlagen in die Jahre kommen. Zwar finden kontinuierlich Wartungs- und Reparaturarbeiten statt, nach 20 bis 30 Jahren Betrieb sind jedoch größere Sanierungen und ein Austausch fällig. So veranschlagt die Bogestra in Bochum und Gelsenkirchen ihren Gesamterneuerungsbedarf auf eine Summe von 115 Millionen Euro über fünf Jahre. Das Dortmunder Verkehrsunternehmen DSW21 plant einen Investitionsbedarf von 2,2 Milliarden Euro für die nächsten 20 Jahre ein. "Der Nahverkehr hat eine durchschnittliche Kostendeckung von 48 Prozent, die bei technisch aufwändigen Anlagen wie U-Bahnen noch schlechter ausfällt. Der Sanierungsstau ist deshalb für die Unternehmen und ihre Eigentümer, die Städte, nur schwer zu schultern, selbst wenn es eine anteilige Förderung gibt", berichtet Johannes Bachteler, Sprecher des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr, der als Behörde die Fördergelder des Landes bewilligt. "Zurzeit können wir die Verluste noch auffangen, da wir in anderen Sparten Gewinne machen. Dabei bewegen wir uns aber auf einem schmalen Grad", schildert auch DSW21-Sprecher Bernd Winkelmann die Finanzsituation.
Das größte Problem bei den Anbietern sind veraltete Stellwerke, die noch mechanisch statt digital gesteuert sind. "Bei ausbleibender Förderung", sagt Jörg Filter, Geschäftsbereichsleiter Infrastruktur und Fahrzeuge bei der Bogestra, "können dringend notwendige Ersatzbeschaffungen, zum Beispiel an den Gleisanlagen, bei der Signalisierung und im Haltestellenbereich nicht erfolgen." Dies bedeute zwar keine Gefahr für Fahrgäste, könne aber eine Verringerung der Taktzeiten zur Folge haben, da die Bahnen dann langsamer fahren müssen.
In Bielefeld, bei der Stadtwerke-Tochter moBiel, ist der Sanierungsstau noch nicht so groß, da die U-Bahn erst 1991 in Betrieb gegangen ist, jedoch erwartet man auch hier in Zukunft einen massiven Investitionsbedarf. Hans-Jürgen Krain, Prokurist bei moBiel, hält es für notwendig und sinnvoll, dass das Land seine Förderpolitik ändert: "Seit der Inbetriebnahme der U-Bahn konnten wir unsere Fahrgastzahlen mehr als verdoppeln, auf 55 Millionen im Jahr 2010. Somit wird durch den Ausbau des Nahverkehrs deutlich CO2 eingespart. Dort zu investieren, lohnt sich also."

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