WLV-Präsident Hubertus Beringmeier in seinem Stall in Hövelhof-Espeln. Foto: WLV
10.07.2020

Schlachtbetrieb: „Auf Kante genäht“

Wann der Tönnies-Schlachthof seinen Betrieb wieder aufnehmen wird, ist weiterhin unklar. Während der Bauernverband auf eine Öffnung drängt, fordert NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser Veränderungen in der Produktionskette.

Die Schlachthofschließung seit Mitte Juni setzt die Landwirte mit Schweinehaltung in der Region immer stärker unter Druck. Es sei dringend erforderlich, dass der Schlachthof in Rheda-Wiedenbrück so bald wie möglich den Betrieb wieder aufnehme, appellierte der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband. Bei Schlachtschweinen gebe es inzwischen einen Rückstau in den Mastställen. Die „angespannte Situation am Markt sei zuletzt auch mit massiven Preissenkungen einhergegangen“. Es gehe nun darum, den Tierschutz in den Ställen sicherzustellen, so der Verband.

NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser fordert hingegen, dass die Branche sich auf derartige Situationen einstellen müsse: „Bereits im Zuge der ersten Corona-Ausbrüche in Schlachtbetrieben haben wir die Branche aufgerufen, Flexibilitäten zu erhöhen und Alternativen zu prüfen, um Engpässe im Schlachtbetrieb abzufedern. Dies betrifft Schlachtkapazitäten ebenso wie die Schaffung freier Stallkapazitäten. Das System ist zu sehr auf Kante genäht, erforderlich ist mehr Puffer.“ Oberste Priorität habe weiterhin der Schutz der Schlachthof-Beschäftigten. Zugleich müsse bald wieder ein Corona-konformer Schlachtbetrieb ermöglicht werden. 

Arbeit an Hygienekonzept

Das Unternehmen Tönnies arbeitet rund drei Wochen nach dem massenhaften Corona-Ausbruch unter Fleischarbeitern an einem Hygienekonzept, das Infektionen verhindern soll. Ein wichtiger Punkt dabei sind die Lüftungsanlagen und die Filtertechnik. Vertreter des Gesundheitsamtes und des Arbeitsschutzes berieten gestern über einen möglichen Start der Produktion. Mit dabei war auch die Detmolder Regierungspräsidentin Judith Pirscher. Sie sagte gegenüber dem WDR, dass sie erwarte, dass Tönnies seine Hausaufgaben erledige. Die Ergebnisse werde man bewerten. Eine Entscheidung, wann die Produktion wieder aufgenommen werden kann, fiel in dieser Woche noch nicht. Jedoch durften die Verwaltung, die Kita auf dem Werksgelände und die technischen Dienste wieder arbeiten. Pirscher betonte, das Ziel in Sachen Tönnies sei „Sicherheit vor Schnelligkeit“.

wsp

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