Ein harter Austritt Großbritanniens aus der EU träfe Westfalen besonders stark. / Foto: pixabay
21.03.2019

Studie: Brexit könnte für westfälische Wirtschaft teuer werden

Wie der Brexit genau ablaufen wird, ist noch immer unklar. Die wirtschaftlichen Folgen des geplanten Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union haben Forscher der Bertelsmann Stiftung bereits berechnet. Die Studie zeigt, dass Westfalen zu den am stärksten betroffenen Regionen in Deutschland zählt.

„Gerade Regionen mit produktiven Mittelstandsunternehmen wären von einem Brexit besonders betroffen“, sagt Dominic Ponattu, Mitautor der Studie. Dazu zählt auch Westfalen. So sind im Fall eines harten Brexit, also eines Austritts der Briten aus der EU ohne Abkommen, für den Regierungsbezirk Detmold, der im wesentlichen Ostwestfalen entspricht, jährliche Verluste von 217 Millionen Euro zu erwarten, das sind 105 Euro pro Einwohner. Der Regierungsbezirk Arnsberg mit der industriestarken Region Südwestfalen müsste sich auf Verluste von sogar 352 Millionen Euro bzw. 98 Euro pro Einwohner einstellen.  Für den Bezirk Münster erwarten die Forscher 265 Millionen Euro Verluste, pro Einwohner sind das 101 Euro. Ein weitaus stärkeres Minus von insgesamt mehr als 1,2 Milliarden Euro müsste jedoch das Rheinland verkraften.

Brexit trifft die Briten am härtesten

Auch ein weicher Brexit hätte in Westfalen Konsequenzen. Die Forscher erwarten für Südwestfalen und das Ruhrgebiet jährliche Verluste von insgesamt mehr als 160 Millionen Euro, für Ostwestfalen sowie für das Münsterland mit der Emscher-Lippe-Region liegt die Prognose zwischen jeweils 107 und 160 Millionen Euro.

Am härtesten würde der Brexit jedoch die Briten selbst treffen. Einkommensverluste von 57 Milliarden Euro pro Jahr im Fall wären die Folge eines Austritts ohne Abkommen für das Vereinigte Königreich – das entspricht rund 900 Euro pro Einwohner. Wesentlicher Treiber für die Verluste sind Preisaufschläge und eine niedrigere Produktivität, verursacht unter anderem durch neue Zölle und weniger Handel.

Für die Analyse haben die Ökonomen Giordano Mion von der University of Sussex und Dominic Ponattu, Wirtschaftsexperte bei der Bertelsmann Stiftung, anhand von Simulationsrechnungen und Auswertungen europäischer Handelsströme die Folgen eines Brexits prognostiziert.

Weitere Studie: Brexit bietet auch Chancen

Zeitgleich stellte NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart in Düsseldorf eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) vor. Darin wird deutlich, dass insbesondere ein weicher Brexit auch positive Effekte für die NRW-Wirtschaft haben könnte. So könnten zum Beispiel neue Zulieferverträge mit europäischen Unternehmen geschlossen werden, die bisher mit britischen Firmen zusammengearbeitet hätten. Außerdem zeigt die IW-Studie, dass die meisten Unternehmen in NRW gut auf den Brexit vorbereitet sind. Mehr als zwei Drittel hätten bereits entsprechende Maßnahmen getroffen.

wsp

Dieser Beitrag ist Teil unserer Serie Westfalen wählt Europa.

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