12.11.2020

Im Handstreich

Theaterintendanten haben sich in einem offenen Brief gegen den „Handstreich gegen Kulturräume“ im Corona-Lockdown positioniert. Ihre Kritik richtet sich auch gegen NRW-Kulturministerin Isabell Pfeiffer-Poensgen.

Pfeiffer-Poensgen hatte kürzlich zu den Öffnungsforderungen der Kulturszene gesagt: „Die Kultur muss aufpassen, dass sie nicht immer eine Extrawurst brät.“ Die Intendanten des Schauspielhauses Bochum, der Neuen Philharmonie Westfalen, des Musiktheaters im Revier und des Theaters Oberhausen greifen diese Äußerung zwar nicht explizit auf, doch ihr Frust sitzt offenbar tief.

„Es macht uns ratlos und wütend, tatenlos zusehen zu müssen, wie die Kulturräume in einem Handstreich ohne hinzusehen, ohne gehört zu werden und ohne parlamentarisches Mandat trotz aller erfolgreichen Anstrengungen zum zweiten Mal geschlossen wurden“, heißt es in dem Brief, der auf den Websites und in Newslettern der Theater veröffentlicht wurde. Es habe sorgfältig ausgearbeitete Hygiene- und Abstandskonzepte in den Häusern gegeben. Auch das Publikum habe sich vorsichtig und verantwortungsvoll in den Theatern bewegt.

„Orte der Lebendigkeit“

Online-Angebote seien keine Alternative zum Erleben von Vorstellungen und Miteinander, so die Theaterchefs: „Wir verstehen uns als Orte der Lebendigkeit, als Rettungsinseln in einer Zeit, die jedem einzelnen so viel abverlangt. Wir hätten uns politischen Gestaltungswillen gewünscht, welcher der zunehmenden Vereinsamung alles entgegensetzt, was entgegenzusetzen ist: einen wichtigen Ort der Lebendigkeit.“

Die Ministerin war vor einigen Tagen bereits zurückgerudert. „Meine Wortwahl war sicherlich unglücklich, der Begriff hat manche offenbar sehr getroffen. Ich würde den Begriff nicht noch einmal verwenden“, sagte Pfeiffer-Poensgen im Interview mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. In der Sache bleibt sie allerdings bei ihrem Standpunkt: Die Kultur dürfe in der aktuellen „dramatischen“ Infektions-Lage keine Sonderrolle für sich beanspruchen.

wsp

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