Der Pendlerbus des Unternehmens Viega fährt täglich von Köln nach Attendorn. Foto: Kai Kitschenberg/FunkeFotoServices
29.03.2019

Unterwegs zwischen Köln und Attendorn

Das sauerländische Unternehmen Viega hat eine praktische Lösung gegen den Fachkräftemangel gefunden. Ein Shuttlebus bringt vier Mal pro Woche frühmorgens IT-Spezialisten und weitere Mitarbeiter aus Köln nach Attendorn und nachmittags wieder zurück.

Der technische Illustrator Peter Pusch ist einer von ihnen. Er stammt aus Attendorn und lebt seit 20 Jahren in Köln. Einen Umzug zurück in seine Heimatstadt kann er sich zurzeit nicht vorstellen. „Ich bin durch Familie und Freunde mittlerweile in Köln verwurzelt, schätze die Nähe meiner Wohnung zum Rhein und die vielen Angebote der Großstadt“, erklärt er. Trotzdem schickte der Grafiker vor rund einem Jahr seine Bewerbung an das Traditionsunternehmen Viega. „Bei der Zusage habe ich erfahren, dass ich den Bustransfer nutzen kann. Das macht das Pendeln für mich natürlich einfacher und ist auf jeden Fall ein Bonus“, erzählt Pusch.

Abfahrt 6.30 Uhr in Köln

Bis zu 25 Viega-Mitarbeiter nutzen den Service von Montag bis Donnerstag. Sie treffen sich morgens ab 6.30 Uhr an insgesamt drei Haltestellen in Köln. An Bord können sie schon dienstliche Termine organisieren, E-Mails beantworten oder auch Schlaf nachholen. „Das entscheiden die Mitarbeiter selbst. Wer arbeitet, bekommt diese Zeit auch anerkannt“, erläutert Viega-Personalchef Peter Schöler.

Seit rund zwei Jahren ist der Shuttlebus zwischen dem Rheinland und Attendorn unterwegs. Zusätzlich hat das Unternehmen einen Bürostandort in Dortmund gegründet, um auch dort IT-Spezialisten zu gewinnen. „Wir haben in Gesprächen mit Bewerbern erfahren, dass sie gern bei uns tätig sein wollen, aber eben nicht ins Sauerland ziehen möchten“, so Schöler. Eine Analyse des Arbeitsmarktes habe dann ergeben, dass es viele IT-Kräfte im Raum Köln/Bonn und in Dortmund gibt.

Viega-Mitinhaber Walter Viegener begründete die Entscheidung für den Einsatz des Busses klar: Wenn die Kölner Wert darauf legen, täglich den Dom zu sehen, dann sollten sie eben in der Stadt wohnen bleiben, sagte der Unternehmer bei einer Veranstaltung 2017 und fügte hinzu: „Aber arbeiten sollen sie trotzdem bei uns.“

Wandel in der Arbeitskultur

Der Busshuttle hat die Arbeitskultur beim Traditionsunternehmen Viega ein Stück verändert, berichtet der Personalchef. Viele Besprechungen werden beispielsweise so geplant, dass die betroffenen Mitarbeiter nachmittags pünktlich um 16.30 Uhr einsteigen können. Und durch die Einführung flexibler Arbeitszeiten könne man individuellen Wünschen jetzt noch weiter entgegenkommen. „Die Abteilungen schätzen diese hochmotivierten Kollegen“, sagt Schöler. Auch Peter Pusch ist mit der Entscheidung für seinen Arbeitsplatz im knapp 100 Kilometer entfernten Attendorn zufrieden. Ein Grund dafür sei, dass er morgens entspannt bei Viega ankomme, sagt der Kölner: „Ich kann durch diese Lösung meinen Wohnort mit dem Arbeitsplatz vereinbaren. Da ist mir viel wert.“

Annette Kiehl

Viega
Die Viega Gruppe ist ein Weltmarktmarktführer im Bereich Sanitär- und Heizungstechnik. 1899 gründete Franz-Anselm Viegener den Betrieb in Attendorn und begann mit der Produktion von Bierarmaturen, die an Brauereien und Gaststätten verkauft wurden. Heute gehören über 4000 Mitarbeiter weltweit zur Viega Gruppe; Sitz der Unternehmenszentrale ist im sauerländischen Attendorn.

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