Die Bestände des Rotmilans haben sich in den letzten Jahren in Westfalen erholt. / Foto: pixabay
28.02.2019

Viele Arten in Westfalen stehen auf der „Roten Liste“

Im Gespräch mit westfalenspiegel.de zum Internationalen Tag des Artenschutzes (3. März) mahnt ein Experte des LANUV: Vor allem Tiere in offenen Landschaften sind in Westfalen als „stark gefährdet“ eingestuft. 

Zuerst die gute Nachricht: Den Tieren des Waldes geht es in Westfalen ziemlich gut. „Wir sehen, dass sich zum Beispiel die Bestände des Rotmilans oder des Mittelspechts in den vergangenen Jahren sehr gut erholt haben“, sagt Dr. Matthias Kaiser, Artenschutzexperte beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV). Einige Arten, die über viele Jahre in Westfalen nicht ansässig waren, sind sogar ohne Ansiedlungsprojekte in die Region zurückgekehrt. Zum Beispiel der Fischotter. „Seit einigen Jahren beobachten wir am Heubach in Coesfeld wieder Exemplare“, sagt Kaiser.

Dem Kiebitz geht es in unserer Region schlecht. / Foto: pixabay

Dem Kiebitz geht es in unserer Region schlecht. / Foto: pixabay

Doch es gibt auch schlechte Nachrichten. Insgesamt sind gut 45 Prozent der in Westfalen vorkommenden Arten auf der „Roten Liste“ als zumindest „potenziell gefährdet“ eingestuft. Vor allem Tiere, die auf offenen Flächen zuhause sind, haben es schwer. Dazu zählen die einst in Westfalen weit verbreiteten Vögel Kiebitz und Feldlerche. „Vor allem Flächenverbrauch und intensive Landwirtschaft setzen diesen Arten zu“, weiß der LANUV-Experte. So genannte Bodenbrüter wie der Kiebitz werden zudem durch Jäger wie Fuchs oder Marder unter Druck gesetzt. So ist der Kiebitz inzwischen sogar als „stark gefährdete Art“ auf der Roten Liste vermerkt und auch in Westfalen auf dem Rückzug.

Bei den Insekten nimmt die Biomasse ab

Zu den Tieren, die zuletzt als ausgestorben eingestuft wurden, zählt der deutsche Sandlaufkäfer. „Das letzte Exemplar in Westfalen wurde 1981 in Bielefeld entdeckt“, so Kaiser. Auch die Haubenlerche ist in der Region schon viele Jahre nicht gesichtet worden. Bei den wirbellosen Tieren, wie z.B. den Insekten, sei zudem insgesamt eine deutliche Abnahme der Biomasse zu verzeichnen. Aber auch hier gibt es Ausnahmen. „Zum Beispiel der kurzschwänzige Bläulinge. Er galt bereits als ausgestorben, heute sieht man ihn wieder fast überall“, so Kaiser.

Diese Fledermaus-Höhlenkäfer sind waschechte Westfalen. Sie kommen weltweit nur in einer Höhle im Kreis Lippe vor. Foto: Höhlenfreunde Hannover, Jürgen Tuschinsky

Diese Fledermaus-Höhlenkäfer sind waschechte Westfalen. Sie kommen weltweit nur in einer Höhle im Kreis Lippe vor. Foto: Höhlenfreunde Hannover, Jürgen Tuschinsky

Und dann gibt es auch ganz besondere Arten, die nur in Westfalen vorkommen. Eine solche Art ist der Fledermaus-Höhlenkäfer. „Dieser Käfer kommt ausschließlich in einer kleinen Höhle im Kreis Lippe vor, sonst nirgendwo auf der Welt“, erklärt der LANUV-Experte. Der Käfer hat sich an die Bedingungen in der Höhle optimal angepasst. Weil dort viele Fledermäuse hausen, ernährt er sich von dem, was diese übrig lassen.

Zum Hintergrund: Am 3. März 1973 wurde das Washingtoner Artenschutzübereinkommen unterzeichnet. Inzwischen wird an diesem Tag in jedem Jahr der Internationale Tag des Artenschutzes ausgerufen. Die internationale Liste der bedrohten Arten finden Sie hier.

jüb

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