Mit Schuhgröße 52 zum Los Glaciares in Argentinien - Torsten Johannknecht. / Foto: privat
07.02.2019

Um die halbe Welt: Vom Reisen auf großem Fuß

Wie fühlt es sich an mit 2,05 Metern Körpergröße und Schuhgröße 52 um die Welt zu reisen? Torsten Johannknecht weiß es. Denn der Reisejournalist, der in Wiedenbrück aufgewachsen ist, hat es gemacht und darüber ein Buch geschrieben. „Die Welt von oben – 3 Kontinente in 7 Monaten und jede Menge Abenteuer in Schuhgröße 52“. Im Interview mit dem WESTFALENSPIEGEL erzählt er von den größten Herausforderung auf seiner Reise.

Herr Johannknecht, muss man sich mit 2,05 Metern Körpergröße und Schuhgröße 52 anders auf eine Weltreise vorbereiten, als man das als „normalgroßer“ Mensch machen würde?
Einige Kleinigkeiten muss man schon beachten, ja. Zum Beispiel ist für mich entscheidend, dass ich alle Schuhe, die ich während der Reise brauche, mitnehmen. Unterwegs welche kaufen, kann ich nicht. Selbst in Deutschland ist es nicht ganz einfach, Schuhe in Größe 52 zu bekommen, aber versuchen Sie das mal in Südamerika oder Asien. Da hat man keine Chance.

Und wenn Ihnen mal Schuhe abhanden kommen, wie das in Neuseeland der Fall war?
Abhanden gekommen ist gut. Jemand hat in Neuseeland meine Wanderschuhe geklaut. Ich weiß bis heute nicht, wer es war und frage mich, was der Dieb damit wohl gemacht hat. Vielleicht Blumenerde rein und eine Palme gepflanzt. Ich habe keine Ahnung.

Wie haben Sie sich ohne die Schuhe gerettet?
 Ich habe die anstehende Wanderung dann mit Turnschuhen gemacht, das ging auch. Zum Glück waren das meine Wanderschuhe, die geklaut wurden. Wären es andere Schuhe gewesen, wäre das viel unangenehmer gewesen. Dann hätte ich den Rest der Reise vielleicht in dicken Wanderschuhen machen müssen.

Was ist für Sie auf Reisen wegen ihrer Körpergröße besonders?
Das Reisen, das Fortbewegen an sich, stellt eine besondere Herausforderung dar. Da lauern die größten Tücken. Im Flugzeug muss ich den Sitz am Notausgang nehmen, damit meine Beine genug Platz haben. Ich vermeide, wo es geht, Busreisen. Bis auf eine Ausnahme habe ich noch keine Busfahrt erlebt, auf der ich einigermaßen entspannt sitzen konnte.

An welche Ausnahme denken Sie?
In Patagonien haben wir eine 28-stündige Busfahrt gemacht. Wir hatten die Plätze 1 und 2 im oberen Teil des Buses direkt hinter der Windschutzscheibe. Da konnte niemand vor uns seine Lehne nach hinten stellen und den Platz noch enger machen. Das war ok. Aber ansonsten ist Busfahren nicht meins.

 

Stand Ihnen auf Ihrer Reise über die drei Kontinente noch bei anderen Gelegenheiten Ihre Körpergröße im Weg?
Ja, zum Beispiel wäre ich gerne die ehemals gefährlichste Straße der Welt in La Paz mit dem Rad herunter gefahren. Dort geht es 40 Kilometer den Berg runter. Die Straße ist inzwischen für Autos gesperrt und nur noch für Radfahrer frei. Agenturen bieten entsprechende Touren an. Ich durfte aber nicht mit, weil man nicht größer als 1,90 Meter und nicht schwerer als 90 Kilogramm sein durfte. Beide Grenzen habe ich überschritten und man hat mich nicht fahren lassen, weil es zu gefährlich ist.

In Ihrem Buch sprechen Sie immer mal wieder Dinge an, die für Sie zu klein oder zu eng waren, dennoch war es ja sicher nicht ihre Intention, ein Buch des Jammerns zu schreiben, oder?
Genau, ich möchte einfach neugierig aufs Reisen machen. Und nein, es soll nicht so klingen, dass es schrecklich ist, 205 Zentimeter zu messen. Im Gegenteil: Ich finde es großartig so groß zu sein und möchte keinen Zentimeter abgeben. Es macht auch Spaß so zu reisen. Man kommt schnell ins Gespräch. Viele fragen sehr freundlich, wie groß ich denn sei und so weiter und dann ist man schon im Gespräch. Das ist toll.

Was sind Ihre nächsten Projekte?
Wir reisen gerne im Campervan. Das haben wir in Neuseeland kennengelernt und es hat uns viel Spaß gemacht. Wir mögen diese Unabhängigkeit, die Art des Reisens, dort zu bleiben, wo es einem gefällt und weiter zu fahren, wenn man mag. Daher haben wir uns hier in Deutschland einen entsprechenden Van zu gelegt.

Einen Van, ernsthaft, mit 2,05 Metern Körpergröße?
Ja, die einzige Bedingung, die ich hatte, war, dass ich aufrecht in dem Van stehen kann. Da kann man sich vorstellen, dass mehr als 95 Prozent von vornherein für mich ausfallen. Also haben wir einen Möbelwagen gekauft. Einen 7,5 Tonner, den Freunde von uns umgebaut haben. Da ist jetzt Platz genug für mich.

Ein Vorteil dieser Reiseart könnte ja sein, dass Sie zumindest ausreichend Schuhe einpacken können …
(Lacht) Auf jeden Fall. Dieses Mal werde ich Ersatzpaare mitnehmen. Wir haben Platz genug.

Der Beitrag stammt aus dem WESTFALENSPIEGEL Heft 1_2019

Die vollständigen Reiseerlebnisse hat Torsten Johannknecht im Buch „Die Welt von oben – 3 Kontinente, 7 Monate und jede Menge Abenteuer in Schuhgröße 52“ zusammengefasst. Goldmann Verlag, Paperback, 272 Seiten, ISBN: 978-3-442-15949-9

Lesen Sie auch im Bereich "Freizeit, Gesellschaft"

WESTFALENSPIEGEL im Abo regelmäßig lesen!