10.08.2020

Weg der Infektionen

Im Kreis Gütersloh startet eine der größten Corona-Studien bundesweit. Der SARS-CoV-2-Ausbruch, der sich Mitte Juni im Tönnies Schlachthof ereignete und mehr als 1400 Infektionen zur Folge hatte, wird erforscht.

Im Mittelpunkt der Studie steht eine umfangreiche Nachuntersuchung der vorhandenen Daten von insgesamt 2000 positiven Corona-Rachenabstrichen. Diese Proben wurden im Labor Krone in Bad Salzuflen archiviert, nun sollen sie im Rahmen der „Gütersloh-Studie“ an der Universität Bonn analysiert worden.

„Das Ausbruchsgeschehen im Kreis Gütersloh war in seiner Art und seinem Umfang außergewöhnlich. Es gab europaweit wohl keine vergleichbare Konstellation. Hierzu haben wir viele Daten gesammelt, die nun ausgewertet werden“, erläutert der Molekularbiologe Prof. Dr. Carsten Tiemann vom Labor Krone. Er koordiniert die Studie gemeinsam mit Dr. Anne Bunte vom Gesundheitsamt des Kreises.

Ein wichtiger Bestandteil der Studie ist die Entschlüsselung des genetischen Fingerabdrucks der Viren, die in den Proben gefunden wurden. „Viren haben eine Art genetische Signatur, die in einem aufwändigen Verfahren festgestellt werden kann. Unterschiede im Virusgenom können Hinweise auf den Weg der Infektionen liefern. Dabei geht es unter anderem um die Frage, ob sämtliche Infektionen auf eine Person zurückzuführen sind oder ob es mehrere Ausbrüche gab“, so Tiemann.

Ein Ziel der Studie sei es herauszufinden, wie sich der massenhafte Corona-Ausbruch im Tönnies-Werk entwickelt hat, so Tiemann: „Im Rahmen der Studie werden auch epidemiologische Daten ausgewertet, über die das Gesundheitsamt verfügt, unter anderem zu Alter, Geschlecht und Arbeitsort. Zusammen mit Daten der Abstriche sollen sie einen detaillierten Einblick in den Corona-Ausbruch geben und die Wege der Infektionen aufzeigen.“

An der „Gütersloh-Studie“ sind neben dem Kreis Gütersloh auch das Landeszentrum für Gesundheit, das Robert-Koch-Institut sowie die Universitäten Bonn und Düsseldorf beteiligt. Das NRW-Gesundheitsministerium fördert das Projekt.

wsp

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