In Westfalens Wäldern gibt es in diesem Herbst weniger Pilze. Foto: Pixabay
19.10.2020

Weniger essbare Pilze

Nicht nur den Bäumen im Wald geht es schlecht: Trockenheit und Hitze über lange Zeiträume lassen in einigen Regionen immer weniger Pilze wachsen.

„Vor allem Pilze mit großen Fruchtkörpern leiden unter der langfristigen Trockenheit“, sagt Karl Gumbinger, Pilzsachverständiger aus Kreuztal im Siegerland. Bei großen Speisepilzen sei der Rückgang besonders deutlich. So hat Gumbinger auf einer seiner diesjährigen Exkursionen zur Kartierung der Pilzvorkommen lediglich einen Pfifferling entdeckt.

Auch bei den Steinpilzen gehe die Anzahl deutlich zurück. Diese leben gerne in der Nähe von Fichten. Sterben die Bäume ab, fehlt auch den Pilzen die Lebensgrundlage. Das Fichtensterben könnte in vielen Regionen noch zum Verlust anderer Pilzarten beitragen. So werde etwa der Maronenröhrling zukünftig nicht mehr überall zu finden sein, so Andreas Kunze, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Mykologie gegenüber dem WESTFALENSPIEGEL.

Pilze haben im Wald eine wichtige Bedeutung. Mit ihren feinen Wurzeln könnten sie auch Bereiche erschließen, in die die dickeren Wurzeln der Bäume nicht vordringen können, erklärt Kunze. So seien die Pilze wichtiger Wasserlieferant und versorgten den Baum auch mit Mineralstoffen.

Pilze auf dem Rückzug

Zu den Arten, die unter den Witterungsbedingungen leiden, zählten auch die Täublinge, sagt Gumbinger. Sie seien bisher in diesem Jahr in Südwestfalen kaum aufgetreten. Das Wachstum kleinerer Pilzarten wie Trichterlinge oder Helmlinge, die keine Speisepilze sind, sei durch die Regenfälle der letzten Tage dagegen angeregt worden.

Ganz ähnliche Beobachtungen hat auch Professor Sigmar Berndt gemacht. Er ist Pilzsachverständiger in Paderborn. „Bisher erleben wir einen sehr schlechten Pilzherbst“, sagt er. Zudem scheinen vor allem die essbaren Pilze auf dem Rückzug zu sein. So hat Berndt beobachtet, dass der essbare Wiesenchampignon immer seltener werde. Dafür trete sein giftiges Pendant, der Karbol-Champignon, immer häufiger auf. Beim Pflücken sei daher Vorsicht geboten.

jüb/wsp

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