Im Herbst 2024 hat die Lufthansa die Strecke Münster/Osnabrück nach Frankfurt eingestellt. Foto: FMO/Lufthansa
06.11.2025

„Wettbewerbsfähigkeit der Region steht auf dem Spiel“

Die Lufthansa streicht aktuell zahlreiche innerdeutsche Flugverbindungen. Auch die Strecke von Münster/Osnabrück nach München steht aus Kostengründen „auf den Prüfstand“. Wirtschaftsvertreter und Bundestagsabgeordnete kämpfen für den Erhalt. In Ostwestfalen haben Geschäftsleute eine ganz eigene Lösung auf die Beine gestellt.

Die Lufthansa reduziert ab dem Sommerflugplan 2026 mehr als 50 Flüge auf Zubringerstrecken, beispielsweise zwischen München und Köln, Düsseldorf und Berlin sowie zwischen Frankfurt und Leipzig oder Nürnberg. Grund sind hohe Kosten für Flugsicherung, Luftverkehrssteuer und Luftsicherheitsgebühren. „Weitere Verbindungen wie von München nach Münster/Osnabrück oder Dresden stehen auf dem Prüfstand“, heißt es von der Airline.

Die Wirtschaft im Münsterland reagiert auf diese Ankündigungen alarmiert, heißt es von der Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen. Bereits vor einem Jahre hat die Lufthansa Verbindungen vom Flughafen Münster/Osnabrück nach Frankfurt am Main gestrichen. „Wenn jetzt noch die Verbindung nach München wegfällt, wäre die heimische Wirtschaft vom internationalen Luftverkehr abgekoppelt“, mahnt Lars Baumgürtel, Präsident der IHK Nord Westfalen. „Das wäre ein gravierender Standortnachteil für die Unternehmen in der Region“, warnt auch Uwe Goebel, Präsident der IHK Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim. Nach Angaben der IHKs sei die Nachfrage nach Geschäftsflügen in der Region „ungebrochen hoch“. Der persönliche Kontakt zu weltweiten Geschäftspartnern sei „unerlässlich“. Auch für die Wissenschaft spielten Flüge zu internationalen Drehkreuzen wie eben Frankfurt und München eine wichtige Rolle. „Münster als mittlerweile europaweit stärkster Standort für Batterieforschung darf nicht abgeschnitten werden“, so Baumgürtel.

Appell an Bundeskanzler Friedrich Merz

Die IHKs richten diesen Appell an Jens Ritter, Vorstandsvorsitzender von Lufthansa Airlines. Mehrere CDU-Bundestagsabgeordnete aus der Region – darunter Stefan Nacke und Marc Henrichmann aus Münster, Anja Karliczek aus Tecklenburg und Henning Rehbaum aus Warendorf – wenden sich zudem in einem offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz und an Finanzminister Lars Klingbeil. „Die Direktverbindung FMO-München ist für viele Unternehmen von zentraler volkswirtschaftlicher Bedeutung – sie verbindet unsere Region mit den globalen Wirtschaftszentren. Fällt diese Verbindung weg, steht die Wettbewerbsfähigkeit unserer Region auf dem Spiel“, heißt es darin. Die Politiker fordern, dass sich die Regierung für den Erhalt der Interkonnektivität, also der Vernetzung, der Regionalflughäfen einsetzt. Dieses drängende Problem müsse Thema der Beratungen im nächsten Koalitionsausschuss sein. Zu den Vorschlägen zählen eine Absenkung der Luftverkehrssteuer, die zu einem Nachteil im europäischen Wettbewerb führe. 

Mit einer Turbopro-Maschine fliegt die Airline DAT täglich mehrmals von Paderborn Lippstadt nach München. Die Initiative "skyhub PAD" organisiert die Flüge. Foto: skyhub PAD

Mit einer Turbopro-Maschine fliegt die Airline DAT täglich mehrmals von Paderborn Lippstadt nach München. Die Initiative „skyhub PAD“ organisiert die Flüge. Foto: skyhub PAD

Während man in Münster/Osnabrück um den Erhalt der Verbindung kämpft, hat Ostwestfalen-Lippe einen anderen Weg gewählt. Nachdem die Lufthansa angekündigt hatte, dass sie zum Sommer 2025 ihre Paderborn/Lippstadt-München-Route einstellen würde, entwickelten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wirtschaft einen Plan, um ein neues Flugangebot auf die Beine zu stellen. „OWL soll international erreichbar bleiben“, lautete das Ziel. Um das zu erreichen, investierten zunächst 36 Unternehmer mindestens 25.000 Euro in die Initiative „Skyhub PAD“; inzwischen zählt die Gesellschaft bereits 79 Investoren, berichtet deren Sprecher Matthias Hack. „Skyhub PAD“ ist eine Art virtuelle Fluggesellschaft. Heißt, die Initiative besitzt selbst keine Flugzeuge, sondern beauftragt das dänische Luftfahrtunternehmen DAT mit der Durchführung der Flüge. Der erste Flug nach diesem Modell startete am 1. September. Es gibt drei tägliche Hin- und Rückverbindungen an Werktagen und zwei sonntags. „Ungefähr die Hälfte der Passagiere nutzt den Flughafen München als Drehkreuz für Weiterflüge zu internationalen Zielen“, berichtet Hack. Entscheidend für den Erfolg von „Skyhub PAD“ sei somit eine Kooperation mit der Lufthansa, die nahtlose Anschlussflüge weltweit ermögliche. 

2024 nutzten 104.000 Fluggäste die damalige Lufthansa-Verbindung Paderborn/Lippstadt – München. Nun gilt es für „Skyhub PAD“, möglichst viele für das neue Angebot zu gewinnen. Ungefähr 90.000 Passagiere pro Jahr sollten mit den Turboprop-Fliegeren mit 70 Sitzplätzen unterwegs sein, um profitabel zu arbeiten, heißt es von der Initiative. Die Resonanz sei sehr positiv, berichtet Hack. Und es gibt positive Aussichten: Der Flugplan für den Sommer 2026 wurde für Buchungen freigeschaltet. 

Annette Kiehl, wsp

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