Das Stadtmuseum Karl Pollender in Werne. Foto: Friedrich/Werne Marketing GmbH
12.09.2022

„Wir sind ganz nah dran“

Welche Perspektiven gibt es für die Kultur im ländlichen Raum? Um diese Frage drehte sich in dieser Woche „Zukunft(s)Land-Konferenz“ des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und des Deutschen Kulturrats in Münster. Dr. Constanze Döhrer, Leiterin des Karl-Pollender-Stadtmuseums in Werne, diskutierte auf dem Podium mit. Im Interview spricht sie über die Museumsarbeit in der münsterländischen Stadt.

Frau Dr. Döhrer, „Zukunft(s)Land-Konferenz“ lautete das Motto in Münster. Wo liegen die Herausforderungen für Museen in kleinen Städten?
Es gibt sicherlich einige typische Themen, die die kleinen Museen im ländlichen Raum beschäftigen. Viele Kommunen haben für ihre Museen wenig Geld, so dass auch die personelle Besetzung in der Regel sehr knapp ist. Hier gilt es Lösungen zu finden, so dass diese Häuser flexibel bleiben und mit wenigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Dinge umsetzen können. Wenn das gelingt, dann liegt in diesem kleinen Format auch eine Stärke.

Und zwar?
Im Karl-Pollender-Museum können wir weitgehend frei und selbstständig unsere Anliegen und Projekte umsetzen, ohne uns über viele Hierarchien und Abteilungen abstimmen zu müssen, so wie das in größeren Häusern oft die Regel ist. Ich kann kreativ mit Kolleginnen und Kollegen anderer Einrichtungen im Kreis Unna zusammenarbeiten, so haben wir zum Beispiel einmal innerhalb kurzer Zeit Fördermittel für einen Escape-Room eingeworben und diesen umgesetzt.

Dr. Constanze Döhrer leitet das Stadtmuseum in Werne. Foto: Schwartländer/ Kulturbüro Stadt Werne

Dr. Constanze Döhrer leitet das Stadtmuseum in Werne. Foto: Schwartländer/ Kulturbüro Stadt Werne

Wie können Stadtmuseen interessant und spannend für jüngere Menschen werden?
Das testen wir gerade mit unserer Dauerausstellung. Diese stammt vom Ende der 1970er Jahre. Nun geht es mir darum, hier nicht nur ein paar Objekte auszutauschen, sondern das Museum an neue Sehgewohnheiten anzupassen und ein Stück weit neu zu denken. Wichtig dabei ist, dass die Ausstellung flexibel wird, also dass die Räume ohne großen Aufwand umgeräumt werden können. Und dass Besucherinnen und Besucher immer wieder bei der Frage einbezogen werden, welche Stücke im Museum zu sehen sein sollen. Es darf nämlich gerade nicht das Ziel sein, dass die Dauerausstellung in den nächsten Jahrzehnte so aussehen wird, wie ich es mir jetzt überlegt habe.

Solche Projekte können im Karl-Pollender-Museum dank Förderungen finanziert werden. Ein Zukunftsmodell?
Die Förderungen haben uns besondere Projekte ermöglicht, wie zum Beispiel vor ein paar Jahren „Werne up’n Patt“. Das Museum ist damals raus in die Stadt und zu den Menschen gegangen. Objekte wurden zum Beispiel in leerstehenden Ladenlokalen oder auch in einem Berufskolleg präsentiert. Die Neugestaltung der Dauerausstellung im Obergeschoss wird nun durch eine Förderung des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung NRW ermöglicht. Darüber freue ich mich sehr. Ich weiß aber auch, dass diese Zuschüsse mit einem großen bürokratischen Aufwand verbunden sind, den gerade kleine Häuser mit wenig Personal nicht unbedingt zusätzlich zu ihren ohnehin vielfältigen Aufgaben leisten können.

Wo könnte also die Perspektive für Museen auf dem Land liegen?
Ich sehe in der Vernetzung ein großes Potenzial. Dabei geht es um den Austausch der Museen untereinander. In der Zusammenarbeit ergibt sich immer mehr als die Summe der Dinge, gerade wenn die Ressourcen knapp sind. Außerdem sehe ich große Chancen darin, mit Bürgerinnen und Bürgern vor Ort noch stärker in Kontakt zu kommen. Während große Häuser solche Dialoge häufig erst planen und initiieren müssen, sind wir als kleine Einrichtungen ohnehin schon ganz nah dran. Da kommen die Bürgerinnen und Bürger oft einfach zur Tür herein und erzählen ihre Geschichten.

Interview: Annette Kiehl, wsp

Weitere Informationen zur Konferenz und einen Livestream finden Sie hier.

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