„Wir stehen vor einem Kulturwandel“
Die 14. Westfälische Kulturkonferenz diskutiert in Unna über die Schaffung neuer Inhalte durch Künstliche Intelligenz. Das Deutsche Museum in Bonn hat „KI“ zum Ausstellungsthema gemacht.
Forschung und Technik stehen seit rund 30 Jahren im Mittelpunkt der Forschungs- und Vermittlungsarbeit im Deutschen Museum Bonn an der Museumsmeile. Das größte Exponat ist vor dem Gebäude ausgestellt – ein Zugteil der Magnetschwebebahn Transrapid. Vor fünf Jahren hat das Haus sich jedoch von der klassischen Darstellung der Technikgeschichte verabschiedet und sich neu erfunden – als „Forum für Künstliche Intelligenz“. Verantwortlich für den Wandel ist der Historiker und Ausstellungskurator Ralph Burmester. Bei der Westfälischen Kulturkonferenz spricht er über die Grundlagen, Herausforderungen und Perspektiven generativer KI. Also über die Frage, wie diese Technologie neue Inhalte wie Bilder, Musik, oder auch Videos erzeugen kann.
„Chancen und Risiken ausgewogen darstellen“
Das Deutsche Museum Bonn hat dieses Thema in den Mittelpunkt seiner Ausstellung in Bonn gestellt. „Wir möchte unsere Besucherinnen und Besucher fit für den technologischen Wandel machen und künstliche Intelligenz erklären. Uns ist es wichtig, Chancen und Risiken ausgewogen darzustellen, so dass man sich selbst eine Meinung bilden kann“, erklärt Burmester. Ein Beispiel hierfür sei die Erkennung von Mustern – eine Fähigkeit, die eine KI sehr gut beherrsche, so der Kurator. „Bei der Beurteilung von Tumoren bietet das große Vorteile. Wenn es aber um die Gesichtserkennung im öffentlichen Raum geht, gibt es zu Recht ethische Bedenken und gesetzliche Regulierungen, zumindest in Europa.“

Im Deutschen Museum Bonn sind „Museotainer“ unterwegs, um Impulse für die Ausstellung zu geben. Foto: Deutsches Museum/Lichtenscheidt
Die Bonner Ausstellung nach mehreren Jahren der Neugestaltung heute fertiggestellt, entwickelt sich aber kontinuierlich weiter. Es geht darum, grundlegendes Wissen zu maschinellem Lernen zu vermitteln und neue Trends in Sachen KI aufzunehmen. Wie man derart komplexe und abstrakte Zusammenhänge in einem Museum präsentiert? „Wir stellen beispielsweise künstliche neuronale Netze in Medienkunstinstallationen dar“, erklärt Burmester. Klassische Erklärtexte, wie sie oftmals in Museen zu finden sind, gebe es dazu aber nicht, betont er. „Stattdessen haben wir Museotainerinnen und Museotainer. Also Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die dem Publikum in der Ausstellung Informationen vermitteln und vor allem mit Impulsen neugierig auf die Themen machen.“
Zu Gast bei der Kulturkonferenz
Künstliche Intelligenz hat sich längst von einem rein funktionalen Werkzeug zu einem System entwickelt, dass komplexe Inhalte schaffen kann. Mit Blick auf das Motto der Westfälischen Kulturkonferenz „Generiere eine Konferenz zum Thema KI und Kultur“ gab Burmester dem Programm „Chat GPT“ den Befehl, ein Konzept für seinen geplanten Vortrag zu entwerfen. Er erhielt eine Auflistung wichtiger Punkte und ergänzend gleich auch einen Vorschlag für eine Präsentation. „Das ist für die KI eine relativ simple Aufgabe. Das Ergebnis war für mich sehr interessant, trotzdem aber habe ich selbst einen Vortrag geschrieben. Ich gehöre noch zu einer Generation, die bei solchen Dingen zweigleisig fährt. Also die Vorschläge der KI prüft und berücksichtigt, diesen aber nicht unbedingt vertraut“, erklärt der Wissenschaftler. Er beobachtet: „Viele jüngere Menschen nutzen bei solchen Aufgaben selbstverständlich und ausschließlich die KI. Und je öfter dieses System bedient wird, desto mehr lernt es dazu und wird dementsprechend mächtiger. Hier stehen wir vor einem Kulturwandel.“ In Unna werde bei seiner Begrüßung der Konferenzteilnehmerinnen und Teilnehmer auch ein humanoider Roboter eine Rolle spielen, um dies zu veranschaulichen – und neugierig auf die Zukunft der Technologie zu machen.
Weitere Informationen zum Deutschen Museum Bonn – Forum für Künstliche Intelligenz finden Sie hier. Die Westfälische Kulturkonferenz wird organisiert vom Büro „Kultur in Westfalen“ beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Weitere Informationen erhalten Sie hier.
Annette Kiehl, wsp