Die Münsteraner Regierungspräsidentin Dorothee Feller im Gespräch mit ukrainischen Kriegsflüchtlingen in der ZUE Ibbenbüren. Foto: Bezirksregierung Münster
17.03.2022

„Wir strecken uns zur Decke“

Die westfälischen Städte versuchen mit Hochdruck, ukrainische Kriegsflüchtlinge unterzubringen, und appellieren an Bund und Land, die Verteilung der Menschen zu regeln.

In Bielefeld sind bis Mitte der Woche knapp 2000 ukrainische Geflüchtete angekommen. In den letzten Tagen sind jeweils zwischen 100 und knapp 400 täglich in der Stadt eingetroffen. „Wir strecken uns jeden Tag zur Decke, um alle unterbringen zu können“, sagt der Bielefelder Krisenstabsleiter Ingo Nürnberger. Die Flüchtlinge, darunter auch bislang 47 unbegleitete Minderjährige, sind derzeit jeweils etwa zur Hälfte in kommunalen Einrichtungen und privaten Unterkünften untergebracht. Neben Angehörigen der Ukrainer bieten auch Bielefelder Bürger Wohnraum an. Kasernen und ein Ausbildungszentrum sowie auch die Seidenstickerhalle sollen als Notunterkunft dienen. Ob in Bielefeld alle ankommenden Menschen in den nächsten Tagen untergebracht werden können, sei jedoch nicht sicher, so Nürnberger: „Wir wollen vernünftige Unterkünfte schaffen und den Kindern den Schulbesuch ermöglichen. Es kann jedoch sein, dass wir an unsere Grenzen stoßen und Menschen in die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes nach Bochum bringen müssen.“

„Wir brauchen ein solidarisches System“

Derzeit kommen die ukrainischen Flüchtlinge vor allem in Großstädten an. Familiäre und freundschaftliche Beziehungen, aber auch die Erreichbarkeit der Orte per Auto oder Zug seien dabei Faktoren, berichtet der Bielefelder Krisenstabsleiter. Wie viele Menschen auf der Flucht in der ostwestfälischen Stadt ankommen werden? Dafür gibt es bei der Stadt bislang keine Anhaltspunkte. Derzeit gibt es in Ostwestfalen lediglich Absprachen zwischen Städten und Landkreisen, nach denen Geflüchtete verteilt werden. Die Stadt Bielefeld appelliert an die Regierung, die Aufnahme der ukrainische Flüchtlinge in den Kommunen zu organisieren. „Bund und Land müssen für eine möglichst gerechte Lastenverteilung sorgen. Dabei brauchen wir ein transparentes und solidarisches System“, so Nürnberger. Er erklärt: „Wir sind bereit, Menschen aufzunehmen. Wir müssen aber auch an die Folgen denken, wenn zum Beispiel langfristig Turnhallen belegt sind, die nicht mehr für den Schul- und Vereinssport genutzt werden können.“

Viele weitere westfälische Städte und auch die Bezirksregierungen arbeiten ebenfalls mit Hochdruck daran, Anlaufstellen für Kriegsflüchtlinge zu schaffen und Hilfsangebote auf die Beine zu stellen. Neben bestehenden Flüchtlingsunterkünften bereitet die Stadt Gelsenkirchen auch ehemalige Schulgebäude, Sporthallen und die Emscher-Lippe-Halle als Unterkünfte vor. Für kommenden Montag erwartet die Stadt die erste offizielle Zuweisung von 31 Geflüchteten durch die Bezirksregierung. 230 Kriegsflüchtlinge sind bereits in der Stadt. Die Bezirksregierung Detmold richtet auf dem Gelände des ehemaligen Messezentrums Bad Salzuflen eine Notunterkunft für die bis zu 1000 Kriegsflüchtlinge ein. Es gehe darum, die Menschen vor Obdachlosigkeit zu bewahren und die erste medizinische Versorgung zu sichern, so die Behörde. 

In Bielefeld ist die Gesundheit der ankommenden Menschen ebenfalls ein wichtiges Thema. Die Stadt macht Kriegsflüchtlingen bereits Impfangebote. Die Corona-Impfquote sei in der ukrainischen Bevölkerung niedrig, zudem wurde in dem Land ein hierzulande nicht zugelassener Impfstoff verwendet. „Das Interesse an einer weiteren Impfung war bislang gering“, berichtet der Krisenstabsleiter. „Wir klären aber auf und werden kontinuierlich weitere Angebote machen.“

wsp

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