Prof. Liane Buchholz stellte die Bilanz des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe vor. Foto: SVWL
16.02.2021

Sparkassen ziehen Bilanz

Die Sparkassen in Westfalen blicken auf ein turbulentes Jahr 2020 zurück. Zahlreiche Unternehmen benötigten in der Corona-Krise Kredite und auch die Nachfrage nach Immobiliendarlehen war groß, zeigt die Bilanz des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe (SVWL).

„Die wirtschaftliche Schockstarre in der Corona-Krise hat Unsicherheit ausgelöst und viele Firmen, Einzelunternehmer aber auch Haushalte in Bedrängnis gebracht“, erklärte die Präsidentin des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe, Professorin Liane Buchholz. „Kunden in Notlagen brauchten dringend Geld, wollten sich absichern oder hatten Unmengen an Fragen zu den Hilfsprogrammen und Förderkrediten.“

Die Sparkassen in der Region haben 2020 insgesamt 96.000 Anträge für staatliche Hilfsprogramme mit einem Gesamtvolumen von 2,5 Milliarden Euro bei Bund und Land gestellt. Darüber hinaus wurden Zinsen und Tilgungen von Darlehen gestundet. Der pandemiebedingt gestiegene Bedarf an verfügbaren Finanzmitteln sorgte für einen Anstieg des Kreditbestandes von Firmenkunden um 6,2 Prozent auf 53,6 Milliarden Euro. Die Darlehensneuzusagen lagen insgesamt bei 12,8 Milliarden Euro, das entspricht einem Plus von 15,4 Prozent. „Das ist historisch das stärkste Firmenkreditwachstum unserer Nachkriegszeit“, so der SVWL-Vizepräsident Jürgen Wannhoff.

Verbandspräsidentin Prof. Liane Buchholz und Vizepräsident Jürgen Wannhoff. Foto: SVWL

Verbandspräsidentin Prof. Liane Buchholz und Vizepräsident Jürgen Wannhoff. Foto: SVWL

Die Institute sagten Privatkunden Darlehen in Höhe von 8,6 Milliarden Euro zu, das sind 10,8 Prozent mehr als 2019. Der Trend zum Eigenheim habe durch Corona weiter Fahrt aufgenommen; besonders Häuser in kleinen und mittleren Städten seien gefragt, beobachtet der Sparkassenverband.

Die Pandemie habe außerdem zu einem ausgeprägten „Vorsichtssparen“, geführt, heißt es in der Bilanz. Wo die Möglichkeiten zum Geldausgeben eingeschränkt waren und die Unsicherheit groß, legten zahlreiche Sparkassenkunden Geld zur Seite. Dabei wurde auch trotz Börsenturbulenzen stärker als im Vorjahr in Wertpapiere investiert.

Die Zahl der Sparkassen in Westfalen-Lippe ist im vergangenen Jahr um eine auf 57 gesunken. Es gibt 1210 Geschäftsstellen, das sind zwölf weniger als vor einem Jahr. Erstmals erreichten die Geldinstitute zusammengenommen eine Bilanzsumme von mehr als 150 Milliarden Euro, das sind 13 Milliarden mehr als 2019. Das Betriebsergebnis ist jedoch weiter gesunken, und zwar um 13 Millionen Euro auf 1,2 Milliarden Euro.

Kritik übte Prof. Liane Buchholz an der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Niedrige Zinsen sowie eine Verteuerung der Einlagen durch die Bankenabgabe setzten die Sparkassen unter Druck: „Das alles macht eine auf Zinsen ausgerichtete Geschäftspolitik schwierig, wenn nicht sogar unmöglich“, so die Präsidentin.

wsp

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