Evangelische Missionare nahmen als Zeichen der erfolgreichen Christianisierung dieses Behältnis für den rituellen Gebrauch mit nach Deutschland. Foto: LWL/Kainulainen
24.09.2020

„Woher kommt das Objekt?“

Die Ausstellung „Geschichte der Dinge“ des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) widmet sich der Provenienzforschung, also die Bestimmung der Herkunft und Historie von Kunstwerken und kulturellen Objekten. Ausgelöst vor einigen Jahren durch den Fall Gurlitt, gewinnt das Thema für die Museumsarbeit eine immer größere Bedeutung.

Anhand von 50 Leihgaben erzählt die Wanderausstellung Lebens- und Erwerbsgeschichten, die schwierige Kapitel der deutschen Geschichte berühren. Insgesamt zehn Kapitel der Schau beschäftigen sich mit den unterschiedlichen Entzugskontexten, in denen Kunst entwendet wurde. Neben dem Raub durch das NS-Regime spielen dabei auch der Kolonialismus oder das DDR-Unrecht eine Rolle.

Woher kommt das Objekt? Auf diese wichtige Frage kann die Schau nicht immer eine Antwort geben. Das zeigt anschaulich, dass die Anstrengungen zur Aufklärung der Herkunft entwendeter Kunst deutlich verstärkt werden müssen, um der Verpflichtung gerecht zu werden, die die Bundesrepublik Deutschland mit der Unterzeichnung der „Washingtoner Erklärung“ im Jahr 1998 eingegangen ist. Damals wurde vereinbart, dass in der NS-Zeit entwendete und anderweitig unrechtmäßig erworbene Objekte identifiziert und an die ermittelten Vorkriegseigentümer oder Erben übergeben werden.

Raubkunst in Museen

Eine Rückgabe von Kunstwerken kann zu einem Zeichen der Versöhnung und der Völkerverständigung werden. Es gibt jedoch auch umstrittene Umgangsweisen mit Raubkunst, wie die Debatten um die afrikanischen „Benin-Bronzen“, zeigen. Sie zählen zu den bekanntesten Beispielen britischer Raubkunst und werden nach wie vor in europäischen Museen ausgestellt.

Ob dieses Abzeichen der Johan-nisloge "Victoria zur Morgenröthe" in Hagen NS-verfolgunsgbedingt entzogen wurde, konnte noch nicht geklärt werden. Foto: LWL/Kainulainen

Ob dieses Abzeichen der Johannisloge „Victoria zur Morgenröthe“ in Hagen NS-verfolgunsgbedingt entzogen wurde, konnte noch nicht geklärt werden. Foto: LWL/Kainulainen

Die Ausstellungsobjekte laden dazu ein, sich der Provenienzforschung intensiv zu nähern und die Herkunft kultureller Objekte auch im Alltag stärker zu hinterfragen. „Gerade abseits der ‚großen Kunst‘ übersieht man schnell, dass auch hier ein verfolgungsbedingter Entzug möglich ist“, so Kuratorin Ute Christina Koch. „Uns war von Anfang an wichtig, möglichst die ganze Bandbreite darzustellen, also verschiedene Entzugskontexte oder auch Objektgruppen bis hin zu Alltagsgegenständen.“

Die Schau ist ab dem 27. September im Kreismuseum Wewelsburg in Büren  bei Paderborn zu sehen, anschließend wandert sie durch sieben weitere Museen in Nordrhein-Westfalen.

wsp

Lesen Sie auch im Bereich "Freizeit, Kultur"

Testen Sie den WESTFALENSPIEGEL!

Ihnen gefällt, was Sie hier lesen? Dann überzeugen Sie sich von unserem Magazin!