16.08.2022

Zufriedenheit mit medizinischer Versorgung sinkt

Knapp zwei Drittel der Menschen in Westfalen sind mit der medizinischen Versorgung am Wohnort zufrieden. Das geht aus einer forsa-Umfrage für die AOK NordWest hervor.

Allerdings hat sich die positive Bewertung im Laufe der Corona-Pandemie verschlechtert. 2020 waren noch 78 Prozent der Befragten mit der medizinische Versorgung zufrieden, 2022 waren es noch 63 Prozent. Zudem gaben 97 Prozent der 400 Menschen, die an der Umfrage teilgenommen haben, an, dass Hausärzte für sie die wichtigste Infrastruktureinrichtung sind. Auf Platz zwei und drei folgen die Internetversorgung (88 Prozent) und Schulen und Bildungseinrichtungen (87 Prozent). Auch Krankenhäuser spielen mit 86 Prozent eine große Rolle.

„Unsere Befragung zeigt eindrucksvoll, wie wichtig den Menschen die Gesundheitsversorgung ist. Längst überfällige und im Koalitionsvertrag bereits definierte Reformen müssen von der Bundesregierung nun endlich angegangen und im Sinne einer besseren Patientenversorgung rasch umgesetzt werden“, sagt Tom Ackermann, Vorstandsvorsitzender der AOK NordWest. Für die Umfrage sind 400 Menschen in Westfalen-Lippe befragt worden.

Mehrheit für zentrales Corona-Krisenmanagement

Nur noch 29 Prozent finden, dass sich das dezentrale Krisenmanagement wegen der Pandemie bewährt hat. 2020 lag die Zahl der Befürworter noch bei 44 Prozent. Aktuell sprechen sich dagegen rund zwei Drittel der Menschen in Westfalen dafür aus, dass das Krisenmanagement bundeseinheitlich zentral geregelt werden sollte. Auch bei der Gesundheitsversorgung vor Ort gab es nach zwei Jahren Pandemie weniger positive Bewertungen. Während 2020 noch 78 Prozent der Befragten in der Region meinten, die Gesundheitsversorgung vor Ort hätte während der Hochphase der Corona-Pandemie gut bis sehr gut funktioniert, lag der Anteil 2022 nur noch bei 63 Prozent.

Der Chef der AOK NordWest, Tom Ackermann. Foto: AOK NordWest

Der Chef der AOK NordWest, Tom Ackermann. Foto: AOK NordWest

Videosprechstunden haben durch die Pandemie im Bereich der AOK NordWest einen regelrechten Schub erhalten. 2019 wurden gerade einmal 227 Videosprechstunden durchgeführt. 2021 waren es bereits rund 50.000. Dabei waren 94 Prozent der Befragten mit dem Angebot zufrieden oder sehr zufrieden. Die aktuelle Umfrage zeigt zudem, dass die Akzeptanz für dieses Format weiter steigt: Etwa zwei Drittel (68 Prozent) der Menschen in Westfalen können sich inzwischen vorstellen, sich mit Fragen zu ihrer Gesundheit per Videosprechstunde an einen Arzt oder Ärztin zu wenden, heißt es in der Studie. „Die Videosprechstunden haben sich weiter etabliert. Wir sehen Telemedizin als eine sinnvolle Ergänzung zum persönlichen Kontakt zwischen Patient und Arzt. Nicht nur auf dem Land, wo die Wege zur Praxis weiter sein können, machen digitale Lösungen wie die Videosprechstunde Sinn“, so der AOK-Chef.

Reformen gefordert

Die AOK will weitere digitale Lösungen voranbringen, versicherte Ackermann. Zugleich forderte er von der Politik, die Zahl der Medizinstudienplätze weiter zu erhöhen. Schließlich fehlten schon Ärzte – und das nicht nur auf dem Land. Die Corona-Pandemie habe deutlich gemacht, dass die medizinische Versorgung bislang zwar gut funktioniert habe, sie künftig aber noch viel stärker sektorenübergreifend organisiert und flexibel koordiniert werden müsse, so Ackermann weiter. Bestätigt wird er in dieser Auffassung auch durch die Umfrage: Nur 43 Prozent der Teilnehmenden findet, dass die Abstimmung zwischen medizinischen Einrichtungen während einer Behandlung gut oder sehr gut funktioniert. Als Gründe für die Probleme sehen die Befragten zu wenig Zeit (81 Prozent), zu wenig fachlicher Austausch (66 Prozent) oder eine fehlende digitale Vernetzung (65 Prozent) gesehen.

„Ohne entsprechende Reformen ist davon auszugehen, dass wir auch nach der Pandemie zum alten Auslastungsrad mit unnötigen Doppel- und Mehrfachuntersuchungen, unwirtschaftlichen Strukturen, zu viel Krankenhausbetten und Defizite in der Notdienst- und Notfallversorgung zurückkehren werden. Denn die Corona-Ereignisse haben weder die Verhältnisse noch das Verhalten von Patienten nachhaltig verändert“, sagt Ackermann. Spezialisierung und Leistungskonzentration von Krankenhäusern, wie sie die neue Krankenhausplanung in NRW vorsieht, begrüßte der AOK-Chef: Dadurch werde die Behandlungsqualität für die Patientinnen und Patienten gestärkt und der Ressourceneinsatz optimiert.

jüb/wsp

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