Besucherinnen und Besucher können sich bei Ankunft in Ahaus mit dem Smartphone informieren. Foto: Tobit.com
27.10.2025

Zukunftsmacher aus Ahaus

Der Softwarentwickler Tobit macht die münsterländische Kleinstadt zum Reallabor für die Digitalisierung.

So könnte die Zukunft aussehen: Türen öffnen sich mit Hilfe eines Touchpads und ein Roboter mit Kugelaugen bringt Getränke an den Besprechungstisch. Bei der Tobit Software Laboratories AG in Ahaus ist das längst Realität. Schon das Betreten der Unternehmenszentrale ist ein Erlebnis. Bildschirme, wo man auch hinsieht, und eine Menge QR-Codes, mit deren Hilfe sich Schränke öffnen lassen, ein Erinnerungsfoto entsteht oder es in der Eingangshalle blitzt, donnert und regnet. Der Softwarespezialist aus dem Münsterland ist ein Vordenker in Sachen Digitalität. Und Obervordenker ist Tobias Groten, der mit seiner Firmengründung als Schüler in den 1980er Jahren den Grundstein für die Erfolgsgeschichte des Unternehmens legte. Damals stand er vor der Entscheidung, ob er sein Abitur ernsthaft angehen oder seine gerade gegründete Firma weiter entwickeln sollte. Groten gab die Schulbücher ab, entschied sich für die Firma.

Supermarkt funktioniert fast ohne Personal

In Ahaus ist Groten mit seinem Unternehmen immer geblieben. „Die Stadt ist unser Reallabor. Hier können wir zeigen, was Digitalisierung bedeutet, was mit Digitalisierung alles möglich ist“, sagt Dieter van Acken, Unternehmenssprecher der Tobit AG. Mehr als 1000 Interessierte nehmen jährlich an Führungen durch die 40.000 Einwohner zählende Stadt tief im Westen Westfalens teil. Vertreter von Unternehmen, Wirtschaftsförderer und Bürgermeister informieren sich, wie ihr Betrieb oder ihre Stadt von der Digitalisierung profitieren kann. So gibt es in Ahaus einen Supermarkt, der nahezu ohne Personal auskommt. Lediglich für das Nachlegen der Waren kommen Mitarbeiter ins Geschäft. Alles andere läuft über das Smartphone: vom Öffnen der Tür bis zur Bezahlung des Einkaufs. Auch das Touristenbüro in Ahaus nutzt die digitalen Möglichkeiten, die Tobit bietet. So können auf der Schlossgräfte Ruderboote per Smartphone gemietet werden, nur paddeln müssen die Gäste selbst. Und mit einem wöchentlichen Newsletter informiert die Stadt über Veranstaltungen und erreicht Tausende Bürgerinnen und Bürger. Die können sich, sofern sie registriert sind, mit wenigen Klicks zum Beispiel Tickets für die angekündigten Veranstaltungen kaufen.

Tobit ist seit Jahren auf der „Mission Digital“, strebt nach der Verbindung von allem und allen, wie es auf der Website heißt. Dass manch einer vor allem aus der älteren Generation da nicht mehr mitkommt, sei bedauerlich, aber nicht zu ändern. Auch in anderen Lebensbereichen benötigen ältere Menschen Hilfen und bekommen diese ja auch, stellt van Acken klar. In den Jahren seit der Gründung ist Tobit vom Ein-Mann-Betrieb zu einem Dienstleistungsunternehmen mit rund 250 Mitarbeitern angewachsen. Dabei erzielt Tobit nach Angaben des Informationsnetzwerks „Die Deutsche Wirtschaft“ (DDW) einen Jahresumsatz von etwa 57,5 Millionen Euro. Zum Portfolio zählt neben einer Messenger-Software für Unternehmen auch ein Betriebssystem für Digitalisierung mit einer Palette an digitalen Anwendungen sowie eine KI-Engine, die Technologien verschiedener KI-Unternehmen zusammenführt.


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Tobit betreibt auch einige Kneipen, Restaurants und sogar zwei Hotels in Ahaus. Groten will mit seinem Engagement in der City die Stadt für seine Mitarbeiter attraktiv halten, sagt van Acken. Daher hat man auch einige Räume übernommen, in denen nun zu diversen Musikrichtungen gefeiert werden kann: Eintritt und Getränkebestellung im Club funktionieren auch hier selbstverständlich digital. Links und rechts vom DJ-Pult lässt Tobit die Roboter tanzen.

Jürgen Bröker

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