Stühle und Bänke in den evangelischen Kirchen der Region sollen auch zu Weihnachten leer bleiben, Gottesdienste nicht als Präsenzveranstaltung stattfinden. Foto: pixabay
16.12.2020

Empfehlung: Keine Gottesdienste zu Weihnachten

Vor dem Hintergrund der hohen Infektionszahlen empfiehlt die Evangelische Kirche von Westfalen (EKVW) ihren Gemeinden dringend, ab sofort auf sämtliche Präsenzgottesdienste  zu verzichten – auch an Weihnachten. Die katholischen Bistümer halten an den Gottesdiensten unter strengen Infektionsschutzmaßnahmen fest.

Es sei angesichts der gegenwärtigen und deutlich veränderten Lage – trotz der bisher bewährten Schutzkonzepte – ein Gebot der Vernunft, auf Versammlungen jeglicher Art möglichst zu verzichten, um Menschen nicht zu gefährden, so die EKVW. Die Pandemie sei außer Kontrolle. Auch die Lippische Landeskirche empfiehlt ihren Kirchengemeinden bis zum 10. Januar auf Gottesdienste und Zusammenkünfte zu verzichten.

Das Bistum Münster teilte mit, dass man dort die Entscheidung der EKVW respektiere, selbst aber an den Präsenzgottesdiensten zu Weihnachten festhalte. „Wir würden im Bistum Münster keine Entscheidung treffen, die – nach aller Wahrscheinlichkeit und Plausibilität – dazu führen könnte, das Infektionsgeschehen zu erhöhen. Wir orientieren uns daher bei unserem Vorgehen auch an dem, was die Wissenschaft sagt“, so das Bistum in einer Mitteilung. Die Gottesdienste sollen unter verschärften Bedingungen stattfinden können. Dazu gehören vorherige Anmeldung und auch das Verbot des Gemeindegesangs. Niemand handele hier fahrlässig, schreibt das Bistum Münster. Auch das Erzbistum Paderborn hält in seinen Gemeinden an den Präsenzgottesdiensten zu Weihnachten unter strengen Vorkehrungen fest.

Kontakte massiv reduzieren

Die Gemeinden der EKVW entscheiden selbst, ob geplante Gottesdienste stattfinden. Annette Kurschus, Präses der EKVW, sagte in einem Interview mit dem WDR, sie glaube, dass viele Gemeinden der Empfehlung folgen werden. Sie hofft zudem, dass die Empfehlung nicht als Negativ-Botschaft aufgenommen, sondern ein Gefühl von Sicherheit vermitteln werde.

Die Entscheidung sei in dem Bewusstsein gefallen, dass zu keiner anderen Zeit im Jahr die Menschen das Angebot, Gottesdienst zu feiern, so gern und in so großer Zahl wahrnehmen wie zum Weihnachtsfest. Angesichts der drohenden Überlastung der Intensivstationen sei der Kern aller Maßnahmen, Kontakte und Begegnungen von Menschen massiv zu reduzieren und wo immer möglich, darauf zu verzichten. Deshalb habe man sich zu der nun ausgesprochenen Empfehlung entschieden.

Gottesdienste im Internet

Ganz ohne Gottesdienst soll das Weihnachtsfest aber auch für die evangelischen Christen in der Region nicht stattfinden. Die Gemeinden haben in den vergangenen Monaten kreative Formen entwickelt, um Menschen anzusprechen und sie auch an den Feiertagen nicht allein zu lassen. Es werden Gottesdienste im Internet angeboten, vielerorts bleiben die Kirchen als Orte der Stille und des Gebets geöffnet, Pfarrer sowie viele Ehrenamtliche sollen an den Festtagen zudem für Menschen erreichbar sein, die einsam sind.

In einem Schreiben bedankte sich Kurschus bei den Haupt- und Ehrenamtlichen, die in den letzten Wochen „mit sehr hohem Einsatz“ Gottesdienste in neuen Formaten und mit sehr aufwendigen Konzepten vorbereitet hatten. In Bielefeld etwa war geplant, einen Gottesdienst im Stadion des Fußballbundesligisten Arminia zu feiern. Dieser wird nun ausfallen. Bestattungen gemäß den Bestimmungen in der Corona-Schutzverordnung dürfen weiterhin stattfinden.

wsp

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