Auch für die kleinen Besucher sind Sonntagsöffnungszeiten von Bibliotheken interessant. Foto: pixabay
12.03.2020

Bibliotheken: Land fördert Sonntagsöffnung

Das Land NRW stellt den Bibliotheken 1,2 Millionen Euro zur Verfügung, damit diese sonntags öffnen können. Bewerbungen können noch bis Ende März eingereicht werden.

In Recklinghausen hat die städtische Bücherei bereits positive Erfahrungen mit der Sonntagsöffnung gemacht. Dort läuft seit vergangenem Mai ein Modellversuch. Jeden Sonntag öffnet die Bibliothek von 11 bis 16 Uhr ihre Türen. „Das Projekt wird sehr gut angenommen. Es ist schon zum Selbstläufer geworden. Wir zählen in der Regel zwischen 150 und 250 Besucher an den Sonntagen“, sagt Anke Link, Leiterin der Recklinghäuser Bücherei. 

Die Gäste können an den Sonntagen wie an allen anderen Tagen auch Bücher ausleihen und zurückgeben. Möglich machen dies vollautomatisierte Ausleihvorgänge. Darüber hinaus stehen  Zeitungen, Bücher und Kataloge für Recherchen zur Verfügung. Genutzt wird die zusätzliche Zeit von Menschen, die bei einem Stadtbummel einen Zwischenstopp einlegen, von Schülern, die für Referate oder Hausarbeiten recherchieren, aber auch von Familien, die dort gemeinsam stöbern oder Gesellschaftsspiele spielen. „Es sind wirklich alle Altersgruppen vertreten“, sagt Link.

Die Gaming-Ecke in der Stadtbücherei Recklinghausen. Foto: Stadt Recklinghausen

Die Gaming-Ecke in der Stadtbücherei Recklinghausen. Foto: Stadt Recklinghausen

Neuanmeldungen und eine Beratung können an den Sonntagen allerdings nicht stattfinden, da kein Fachpersonal der Bücherei anwesend ist. Auch Medien, die über die Servicetheke ausgeliehen werden müssen – etwa Tonies, Konsolen- und Gesellschaftsspiele – sind daher nicht möglich. Beaufsichtigt wird der Betrieb durch zwei Aufsichtskräfte.  

Eine exakte Zahl der in Westfalen an Sonntagen geöffneten Bibliotheken liegt auch dem Verband der Bibliotheken des Landes NRW (vbnw) nicht vor, dennoch gebe es neben Recklinghausen, Witten oder Bielefeld einige Büchereien, die nach dem Model „OpenLibary“ geöffnet hätten, sagt Dr. Johannes Borbach-Jaene, Vorsitzender der öffentlichen Bibliotheken im vbnw. Die Erfahrungen seien durchweg positiv. Daher begrüßen sowohl vbnw als auch der Deutsche Bibliotheksverband die Initiativen. 

Sonntagsöffnungszeiten von Bibliotheken sollen mehr Familien die Chance geben, die Büchereien zu besuchen. Foto: pixabay

Sonntagsöffnungszeiten von Bibliotheken sollen mehr Familien die Chance geben, die Büchereien zu besuchen. Foto: pixabay

Es gibt aber auch Büchereien, die sich bisher ganz bewusst gegen eine Sonntagsöffnung entschieden hätten. Häufig hängt das von der Lage des Hauses ab. Wenn eine Bibliothek etwa in einem Einkaufszentrum liegt, das sonntags geschlossen hat, ist eine Öffnung wenig sinnvoll. 

Land gibt 1,2 Millionen Euro zur Förderung von Bibliotheken

Das Land will die Öffentlichen Bibliotheken nach dem im Oktober 2019 im nordrhein-westfälischen Landtag verabschiedeten Bibliotheksstärkungsgesetz darin bestärken, auch sonntags zu öffnen. Dadurch sollen unter anderem Familien mehr Gelegenheiten zu einem gemeinsamen Bibliotheksbesuch bekommen, teilt das NRW-Kulturministerium mit. Um die Attraktivität der Bibliotheken weiter zu steigern, hat das Ministerium für Kultur und Wissenschaft daher im Rahmen der Stärkungsinitiative Kultur ein neues Förderprogramm aufgelegt – ausgestattet mit 1,2 Millionen Euro. Die Förderung kann im personellen Bereich oder organisatorischen Bereich beantragt werden. Zudem sollen Gelder für Veranstaltungsprogramme fließen.

„Bibliotheken sind in vielen Kommunen wichtige öffentliche Orte des Austauschs, an denen Menschen abseits des Alltags zusammenkommen. Die Öffnung am Sonntag macht dieses Angebot noch besser zugänglich und trägt dazu bei, die Rolle der öffentlichen Bibliotheken als Kultur- und Begegnungsstätten zu stärken. Wir wollen die Bibliotheken ermutigen, diese Chance zu nutzen und Konzepte für abwechslungsreiche Kulturprogramme zu entwickeln“, sagt Kultur- und Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen.

Anträge bis Ende März einreichen

Bewerben können sich alle hauptamtlich geleiteten öffentlichen Bibliotheken in NRW. Für das Veranstaltungsprogramm können auch ehrenamtlich betreute kommunale oder kirchliche Büchereien einen Antrag stellen, teilt das Ministerium weiter mit. Entsprechende Anträge können bis zum 31. März 2020 an die Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken bei der Bezirksregierung Düsseldorf gestellt werden.

In Recklinghausen sollte der Modellversuch eigentlich nur bis September 2019 laufen. Nun hat die Bibliothek wegen der positiven Erfahrung schon fast ein Jahr lang an Sonntagen geöffnet. Im Rahmen des Förderprogramms will sich die Bücherei in der Ruhrgebietsstadt um Mittel für Veranstaltungen bewerben und damit das Angebot an Sonntagen noch ausweiten.

jüb/wsp

Der WESTFALENSPIEGEL hat in einem Schwerpunkt in seiner Ausgabe 2/2019 ausführlich über Bibliotheken berichtete. Mehr lesen Sie hier

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