Bischof Overbeck bei der Beauftragungsfeier für Taufspender. Foto: Nicole Cronauge, Bistum Essen
19.04.2022

Frauen taufen im Bistum Essen

Im Bistum Essen dürfen jetzt auch Seelsorgerinnen und Seelsorger taufen, die nicht zum Priester oder Diakon geweiht wurden. Nach Angaben des Bistums ist es ein bundesweit einzigartiges Projekt. 

Anke Wolf aus der Gemeinde St. Johannes in Bochum-Leithe ist eine von den neuen Taufbeauftragten. Sie leitet als Pastoralreferentin die Gemeinde. In dieser Funktion übernimmt sie auch Beerdigungsdienste. Dass sie nun auch taufen darf, sei ein großes Glück, sagt sie. „Kirche braucht Reformen, muss sich ändern. Wir gehen kleine Schritte, aber wir gehen voran. Gut, dass das im Bistum Essen möglich ist“, sagt Wolf.

Ihre Gemeinde habe sehr wohlwollend auf ihre neue Aufgabe reagiert: Als der Priester das verkündet habe, gab es spontan Applaus. „Als der Facebookpost gerade raus war, dass ich auch Taufen durchführen kann, gingen direkt einige Anfragen bei mir ein“, sagt Wolf. Dabei möchte sie sich nicht als Konkurrentin zum Priester der Gemeinde verstanden wissen: „Mir ist wichtig, dass Frauen und Männer ihren Dienst in der Kirche geschwisterlich tun.“

Priestermangel ist Grund für neue Initiative

Vor einigen Wochen hatte der Bischof des Ruhrbistums, Franz-Josef Overbeck, 17 Gemeinde- und Pastoralreferentinnen den Auftrag erteilt, Taufen in ihren Gemeinden durchzuführen. Hintergrund ist der zunehmende Priestermangel in der katholischen Kirche. Ursprünglich war die Taufe als Sakrament den Bischöfen vorbehalten. Später sei dies auf Priester und Diakone übergangenen, so Bischof Overbeck. Nur in Notsituationen – zum Beispiel wenn das Kind krank geboren wurde – durften beispielsweise auch die Eltern ihr Kind taufen.

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„Kirche hat in den vergangenen 2000 Jahren immer wieder auf äußere Gegebenheiten reagiert“, sagt Theresa Kohlmeyer, Leiterin der Abteilung Glaube, Liturgie und Kultur im Bistum Essen. „Heute haben wir zum einen weniger Priester als früher, zum anderen aber auch ein hohes Bedürfnis der Tauffamilien nach einer möglichst individuellen Begleitung und Gottesdienst-Gestaltung. Auf diese Situation reagieren wir im Bistum Essen, in dem wir nun auch weitere Seelsorgerinnen und Seelsorger mit in die Tauf-Praxis einbeziehen.“

jüb/wsp

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