Ullrich Schulze von der Landwirtschaftskammer NRW (Projekt Pflanzengenetische Ressourcen). Inmitten der Vermehrungsflächen für alte Gerstensorten, die für die Bierherstellung verwendet werden. Foto: Svenja Holst
02.07.2019

Alte Getreidesorten retten

Traditionelle Getreide- und Gemüsesorten stehen im Mittelpunkt einer Tagung im LWL-Freilichtmusuem Detmold. Dabei geht es heute (2. Juli) vor allem um die Frage, wie diese vermarktet werden können.

Beispiele für eine erfolgreiche Vermarktung gibt es einige. „Immer mehr Bäckereien entdecken alte Getreidesorten, aber auch Mälzereien, die dann Rohstoffe für die Brauereien herstellen, sind Abnehmer für alte Sorten“, sagt Svenja Holst vom Landesverband NRW der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. Gemeinsam mit ProSpecieRara, einer gemeinnützigen Gesellschaft für die kulturhistorische und genetische Vielfalt von Pflanzen und Tieren, und dem LWL-Freilichtmuseum organisiert der Verein die Tagung.

„Lippische Palme“ erfolgreich

Beispiele für seltene Arten sind etwa Champagner Roggen, der für bestimmte Brotsorten angebaut werde. Aber auch die „Lippische Palme“ – eine für Westfalen-Lippe typische Grünkohlart – werde inzwischen regional erfolgreich vermarktet. „Wir stellen fest, dass seltene Arten weltweit in Vergessenheit geraten sind. Dabei wird die Biodiversität doch immer wichtiger“, sagt Holst.

Der beste Schutz für traditionelle Sorten sei ihre Nutzung. Möglicherweise können die alten Arten auch dabei helfen, die auf Hochleistung gezüchteten Getreide- und Gemüsesorten durch Einkreuzungen mit ihren speziellen Eigenschaften für den Klimawandel fit zu machen.

Freilichtmuseum Detmold pflanzt an

Im Freilichtmuseum Detmold können Besucher viel über alte Sorten erfahren. Dort werden einige in Vergessenheit geratene Sorten angebaut. Dazu gehören ebenso alte Getreide- und Flachsarten. Aber auch besondere Kartoffelsorten. Welchen Vorteil nicht mehr ganz so gebräuchliche Sorten haben, hat Agnes Sternschulte vom Bereich Landschaftsökologie des Museums aus dem vergangenen Jahr noch gut in Erinnerung. „Wegen der Trockenheit hatten wir fast kein Futter mehr für unsere Tiere“, sagt sie. Die Wiesen seien völlig vertrocknet. „Nur einige Flecken waren noch grün. Dort wuchs mit der Luzerne eine nicht mehr so gebräuchliche Pflanze“, so Sternschulte.

jüb

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