29.03.2019

Eine Region, viele Hürden

Die westfälischen Regionen konkurrieren um Fachkräfte. Mehr Vernetzung und Zusammenarbeit wären die bessere Alternative, berichtet der WESTFALENSPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe.

Qualifiziertes Personal und Nachwuchskräfte zu finden, ist eines der drängendsten Probleme in den ländlichen Regionen und auch in einigen Städten Westfalens. 2018 stand dieses Thema im Mittelpunkt der Studie „Eine Region, viele Aussichten – Wie der demografische Wandel Westfalen fordert“ des Berlin-Instituts, die von der Westfalen-Initiative und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe gefördert wurde. Eine wichtige Erkenntnis fasst Institutsleiter Reiner Klingholz zusammen: „In Westfalen sehen wir, dass wirtschaftlich erfolgreiche Regionen mit guten Arbeitsmöglichkeiten nicht automatisch auch junge Menschen halten oder gewinnen können.“ Stattdessen müssten Unternehmen, aber auch Städte und Regionen kreativ werden und Strategien für die Zukunft entwickeln.

LWL-Direktor Matthias Löb. Foto: Martin Steffen

LWL-Direktor Matthias Löb. Foto: Martin Steffen

Matthias Löb, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, nahm die Studie zum Anlass für ein Plädoyer für mehr Zusammenarbeit in Westfalen. Kommunen, aber auch Unternehmen, Hochschulen und andere Einrichtungen könnten nicht nur von ihren nächsten Nachbarn, sondern auch von entfernten Verwandten lernen. „Das klingt überraschend, aber auch Städte, die aneinandergrenzen, haben oft unterschiedliche Probleme. Umgekehrt ähnelt eine Gemeinde 100 Kilometer entfernt in der Interessenlage der eigenen Stadt mehr als gedacht“, sagte Löb im November im Landschaftsausschuss in Münster.

Zusammenarbeit über regionale Grenzen hinweg sowie ein kontinuierliches Engagement für Westfalen gibt es jedoch nur an wenigen Stellen. Nachdem sich 2016 ein breiter Protest gegen den Landesentwicklungsplan der damaligen Landesregierung erhob – der Westfalen neben den „Metropolregionen Ruhrgebiet und Rheinland“ nicht berücksichtigte – flaute der Einsatz ab. Die Regionalräte der Bezirksregierungen Arnsberg, Detmold und Münster treffen sich seitdem einmal jährlich, öffentlich wird das aber nur wenig wahrgenommen. Und wenn es darum geht, an welchen Bahnhöfen der ICE Richtung Berlin in Zukunft halten soll, dann kämpfen Städte, Regionen und IHKs in der Regel für sich selbst, anstatt als Westfalen vereint aufzutreten.

LWL-Direktor Matthias Löb setzt auf eine feste Runde aus Vertretern westfälischer Institutionen, um in solchen Fällen schneller miteinander sprechen und handeln zu können. Die Münsteraner Regierungspräsidentin Dorothee Feller organisiert in diesem Jahr gemeinsam mit den Bezirksregierungen in Arnsberg und Detmold eine Zukunftsmesse für kleine und mittlere Städte in Westfalen. Sie plädiert für eine Allianz der Willigen: „Es gibt viele, die besser zusammenarbeiten wollen, und die sollten anfangen. Dann werden sich auch andere anschließen.“

Annette Kiehl

Die vollständige Reportage und neue Forschungsergebnisse zu Kooperationen in Westfalen lesen Sie im WESTFALENSPIEGEL, Heft 2_2019.

Weitere Texte zum Thema finden Sie auch online:
Ein Interview mit der Münsteraner Regierungspräsidentin lesen Sie hier.
Einen Artikel über einen Firmenbus, der Fachkräfte aus Köln nach Attendorn bringt, lesen Sie hier.

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